Rainer Braun
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Im Klnikum Freising lag Rainer Braun von März bis April. Er weiß, dass er all die Jahre, die jetzt noch kommen, seinem „eisernen Willen“ ebenso zu verdanken hat wie den Intensivärzten und Pflegern.

Rainer Braun lag sogar im künstlichen Koma

Nandlstädter (63) hat Covid knapp überlebt, an den Folgen leidet er noch immer

  • Andreas Beschorner
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Die Ärzte hatten ihm kaum noch eine Chance gegeben. Aber Rainer Braun ist ein Kämpfer und hat COVID 19 überlebt. Doch er leidet noch immer unter den Folgen.

Nandlstadt/Freising – Rainer Braun (63) weiß, dass er all die Jahre, die jetzt noch kommen, seinem „eisernen Willen“ ebenso zu verdanken hat wie den Intensivärzten und Pflegern im Freisinger Klinikum. Freilich: An den Folgen seiner Corona-Infektion leidet er auch noch ein Jahr später. Und wird wohl immer in gewissem Maß damit leben müssen. Dem FT hat er seine Leidensgeschichte und seinen Weg zurück ins Leben geschildert.

Es begann im März des Jahres 2020. Corona war in Deutschland und im Landkreis noch nicht das beherrschende Thema. An einem Montag, so erzählt Braun, ging es ihm „schon bescheiden“. Atemnot hatte er, allerdings keinen Husten und kein Fieber. Seine Hausärztin diagnostizierte eine Erkältung, Corona hatte man damals noch nicht auf der Rechnung. Braun ging es zunehmend schlechter, die Blutwerte waren allerdings in Ordnung. Am 14. März half nichts mehr: Braun erinnert sich, dass er kaum Luft bekam, ein Krankenwagen wurde gerufen. Gehen konnte er da wegen Atemnot und Erschöpfung schon nicht mehr, ein Notarzt kam, nach Spritzen und Sauerstoff ging es ihm ein bisschen besser, der Transport war möglich.

Seine letzte Erinnerung: Man werde ihn jetzt „schlafen legen“

Braun wurde ins Klinikum Freising gebracht, wo man ihn sofort auf die Intensivstation legte. Ein Arzt, das ist das Letzte, woran er sich erinnert, habe ihm gesagt, man werde ihn jetzt „schlafen legen“. Im Klartext: Der damals 62-Jährige aus Nandlstadt wurde ins künstliche Koma versetzt und beatmet, später wurde sogar ein Luftröhrenschnitt gemacht.

Das nächste, woran er sich erinnert, ist, dass er aufwachte und überall um sich herum Kabel sah. Es war der Zeitpunkt, als man ihn das erste Mal aus dem Koma zurückholte. Doch eine CT-Untersuchung ergab, dass die Lunge nach wie vor schwer angegriffen war, Braun wurde abermals ins künstliche Koma versetzt. Nach ein paar Tagen wurde er wieder aufgeweckt und Braun erhielt einen Blutaustausch.

An Essen ist kaum zu denken

Von da ab sei es langsam etwas bergauf gegangen, erinnert sich Braun. Dennoch: Rainer Braun war ausgelaugt, er wollte nur liegen, essen war ihm kaum möglich, kleinste Übungen der Krankengymnastik waren für ihn fast nicht zu bewältigen. Bis 21. April blieb Rainwer Braun auf der Intensivstation, hat für die Pfleger und Ärzte nur großes Lob übrig: „Woanders hätte ich es nicht überlebt“, ist sich der Nandlstädter sicher.

Ausgelaugt war Rainer Braun nach dem langen Klinikaufenthalt.

Bis zum 7. Mai wurde Braun dann auf eine Station im Freisinger Krankenhaus verlegt, Übungen mit einem Physiotherapeuten ergänzte er, so weit das ging, durch eigenes Training. Aber essen war ihm zunächst immer noch nicht möglich, erst nach ein paar Tagen ging es zumindest mit Sauerstoff. Als er in den ersten Maitagen mit Hilfe die ersten Schritte auf dem Gang machen konnte, wurde er entlassen. Braun gibt zu: „Ich habe mich abgeschoben gefühlt.“ Eine Woche lang war er noch daheim, dann begann die Reha in der Prinz-Ludwig-Klinik in Bad Reichenhall. Die Woche zu Hause nutzte Braun, um sich weiter aufzubauen. Vier Wochen dauerte die Maßnahme – vier Wochen, in denen er wieder das Gehen lernte, in denen er Wassergymnastik und andere Übungen machte, in denen er auch Paraffinbäder für die Gelenke bekam.

Bei Spaziergängen verspürt er immer noch Luftnot

Doch damit war es noch nicht getan. „Es ist noch immer ein harter Weg“, sagt Braun. Spaziergänge seien inzwischen möglich, auch wenn er dabei noch immer Luftnot verspürt, noch immer schmerzen die Gelenke, was vielleicht zu einer weiteren Reha-Maßnahme führt, seit Weihnachten hat er auch Probleme mit dem Kiefer. Und es sind ihm von seiner Zeit der künstlichen Beatmung in Bauchlage Narben geblieben - im Gesicht und am Kinn.

Helfen Sie mit, Mut zu machen

Weit über 5000 Genesene weist die Corona-Statistik im Landkreis Freising inzwischen auf. Doch immer deutlicher und klarer wird: Eine COVID-19-Infektion kann auch schwere und schwierige Folge- und Langzeitschäden mit sich bringen, die teilweise auch erst längere Zeit nach überstandener Corona-Infektion auftreten. Die Reha-Kliniken sind voll mit solchen Fällen, die zeigen, wie dramatisch und heimtückisch das Virus ist. Das Freisinger Tagblatt würde das Thema gerne beleuchten, auch um Aufklärungsarbeit zu leisten und Mut zu machen. Wer also seine Geschichte erzählen will – gerne auch anonym –, wer von seinem langen und harten Weg zurück berichten möchte, der möge sich bitte mit einer E-Mail an folgende Adresse wenden: andrea.beschorner@freisinger-tagblatt.de

Dass er sich mit COVID 19 infiziert hatte, hat er erfahren, als man ihn in Freising aus dem Koma weckte. Wo er sich angesteckt hat, das kann Braun nur vermuten: Am wahrscheinlichsten sei es, dass es beim Faschingsumzug in Nandlstadt passiert sei oder an seinem Geburtstag am 1. März des Jahres 2020, als er den Fastenmarkt besucht hat. 98 Kilogramm wog Rainer Braun damals, hat während der Phase, als es auf der Kippe stand, und im Krankenhaus 25 Kilogramm abgenommen. „Das habe ich in der Zwischenzeit aber wieder aufgeholt“, sagt Braun.

Rainer Braun hat nicht nur Covid überlebt

„Ganz einfach kämpfen“, war und ist sein Motto. Und das nicht zum ersten Mal. Im November 2014 wurde ihm ein bösartiger Tumor in der Lunge, im Juni 2015 ein gutartiger Tumor an der Bauchspeicheldrüse entfernt. Corona-Leugnern oder solchen, die sagen, COVID 19 sei nicht mehr als eine Grippe, entgegnet Braun: „Ich wünsche euch nicht das, was ich durchgemacht habe. Aber ich erzähle es euch gerne.“ Und wenn er das macht, „dann werden die schon ruhiger“, so seine Erfahrungen. Ähnliches gilt für das Impfen. Er würde sich auf jeden Fall impfen lassen – nur dem russischen und dem englischen Impfstoff steht er eher ablehnend gegenüber.

„Ganz einfach kämpfen“ war und ist das Motto von Rainer Braun.

Ob er denn immun gegen Corona sei? Anfang Februar hat er einen Antikörper-Test machen lassen. Das Ergebnis: Gegenüber demselben Test im September vergangenen Jahres sind seine Antikörper deutlich zurückgegangen. Er muss wieder aufpassen, um sich nicht neuerlich anzustecken. Auch da geht für Rainer Braun der Kampf also weiter.

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