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Genauer Plan: Wenn sich Richard Lorenz an seinen Tisch im Dachgeschoß setzt und Leonard Cohen auflegt, weil dessen Songs „schreibrhythmisch“ am besten zu ihm passen, dann weiß er, wie die Geschichte, die er schreibt, ausgeht.

Bald erscheint sein dritter Roman 

„Das Dunkle liegt mir“: Nandlstädter Autor Richard Lorenz schreibt keine einfache Kost

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Richard Lorenz sieht sich in der Tradition der amerikanischen Erzählliteratur. Der Autor aus Nandlstadt schreibt keine leichte Kost und keine Mainstream-Werke. Bald veröffentlicht er seinen dritten Roman.

Nandlstadt – Die Geschichte, sagt er, steht im Vordergrund. Richard Lorenz, Jahrgang 1972, sieht sich in der Tradition der amerikanischen Erzählliteratur. Dass unter dem Dach des Häuschens in Nandlstadt, in dem er schreibt, Plakate von Bob Dylan und anderen Songwritern aus den Staaten an den Schrägen hängen, dass die Beleuchtung schummrig ist, das passt. Denn Lorenz ist einer, dem die melancholische Stimmung nahe ist: „Das Dunkle liegt mir schon“, sagt er. Demnächst erscheint sein dritter Roman: „Hinter den Gesichtern“ heißt er.

Bei großen Verlagen unterzukommen, kostet „die eigene Freiheit“

Lorenz ist einer, der mit Mainstream und „Bedarfsschreiberei“, wie er Literatur nennt, die sich an Marktbedürfnissen orientiert, nichts anfangen kann. Was da auf den Markt komme, sei oft einfachere, leichtere Kost. Bei großen Verlagen unterzukommen, koste den Autor in gewisser Weise „die eigene Freiheit“, sagt Lorenz. Und das ist so gar nicht seins: Er könne nicht anders, als sich selbst treu zu bleiben.

Erscheint demnächst: der Lorenz-Roman „Hinter den Gesichtern“.

Das, was Lorenz zu Papier bringt, ist also keine einfache Kost. Es sind Kurzgeschichten, Novellen und literarische Erzählungen, die das Absonderliche, das Skurrile, das Geheimnisvolle, das Magische in den Mittelpunkt stellen. Ob das nun Frost ist, die Hauptperson seines Romans „Frost, Erna Piaf und der Heilige“, oder Leibrand, der Protagonist in „Amerika-Plakate“: Der Leser begegnet seltsamen, faszinierenden Gestalten. Figuren, auf die die Bezeichnung „Antiheld“ passt.

Lorenz lässt gern Interpretationsspielräume

Dass sich in den rund 30 Jahren, in denen Lorenz nun schon schreibt, der Anspruch in der Literatur geändert habe, bedauert der Autor aus Nandlstadt. Die Verlage würden sich so „ihr eigenes Grab schaufeln“. Missionar ist Lorenz keiner. Aber er will dagegenhalten, diesen Tendenzen etwas entgegensetzen. Wer jemals etwas von Lorenz gelesen hat, der weiß: Das gelingt ihm. Seine Begabung, mit Worten nicht nur Charaktere, sondern auch Atmosphäre zu schaffen, seine Poesie, sein ganz eigener Stil – das alles macht aus Lorenz’ Büchern und Geschichten ein unwiderstehliches Eintauchen in Welten voller Melancholie und Tiefgründigkeit. Dabei liebt es Lorenz, „nicht alles durchzuerklären“, wie er es ausdrückt. Er lässt gerne Interpretationsspielräume.

Und noch etwas liebt er: „Ich finde es spannend, das Gebiet dessen auszuleuchten, was die Nacht bringt.“ Da ist es also wieder, das Dunkle, das ihm so liegt – und zwar schon seit einer seiner ersten Veröffentlichungen, der Kurzgeschichten-Sammlung „Öffnen auf eigene Gefahr“.

Komödie und Tragödie liegen oft nah beieinander

Früher, bevor er sich ganz und ausschließlich der Literatur und der Schriftstellerei verschrieben hat, war Lorenz Pfleger in der Palliativmedizin und Onkologie. Dass die Erfahrungen und Erlebnisse aus dieser Zeit „schon eine starke Feder“ für sein literarisches Schaffen sind, dessen ist sich Lorenz bewusst. Denn dort und auch in seinen Büchern liegen Komödie und Tragödie oft nahe beieinander. Als Aufarbeitung der Eindrücke aus seiner Zeit als Pfleger sieht Lorenz seine Werke aber nicht. „Das verarbeite ich anders.“

Das Schreiben selbst sei nicht nur eine Begabung, sondern auch Arbeit, sagt Lorenz. Für jeden Tag, besser für jeden Abend und jede Nacht, nimmt sich Lorenz eine feste Seitenanzahl vor. Wenn einmal eine Geschichte in seinem Kopf Gestalt angenommen hat, dann schreibe er schnell und zügig. Für 250 bis 300 Seiten brauche er drei Monate. Und wenn er sich an den kleinen runden Tisch in seinem Dachgeschoß setzt, wenn er Leonard Cohen auflegt, weil dessen Songs „schreibrhythmisch“ am besten zu ihm passen, dann weiß Lorenz, wie die Geschichte, die er auf seinem Laptop verfasst, ausgeht. Freilich: Was zwischen dem Beginn und dem Ende der Story passiert, das sei nicht von vorneherein festgelegt. Da könne es schon die eine oder andere Wendung geben, da könne sich ein Charakter entwickeln.

Literatur, zumal wenn sie als Quelle einen so selbstbewussten und autonomen Kopf wie Lorenz hat, hat es schwer. Vor allem, und das spürt Lorenz immer wieder, in der eigenen Heimat. Es ist wie die Sache mit dem Propheten im eigenen Land: Lesungen in München zu organisieren, sei relativ einfach, da würden auch immer viele Leute kommen. In Nandlstadt? In Au? Auch in Freising? Da sei es schon mal vorgekommen, dass kein einziger Zuhörer erschienen ist.

Liedermacher Hans Söllner ist sein Cousin

Lorenz erschüttert das aber nicht. Er bleibt sich, seinem Schaffen, seiner Linie treu. Dass ein Autor wie Friedrich Ani über „Amerika-Plakate“ schreibt, die Geschichte komme ihm vor „wie ein Album voller melancholischer, von der Suche nach Liebe, Freiheit und Selbstbestimmung erzählenden Songs“, gibt Lorenz recht. Der Autor aus Nandlstadt ist eben einer, der sich nicht verbiegen lässt, einer, der etwas zu sagen, zu erzählen hat. Dieses Eigenständige, diese Wahrhaftigkeit, gepaart mit einer richtigen Portion Eigensinn, scheint in seiner Familie zu liegen: Liedermacher Hans Söllner ist der Cousin von Richard Lorenz.

Demnächst erscheint sein dritter Roman „Hinter den Gesichtern“ im Luzifer-Verlag, ein literarischer Krimi. Wieder ein echter und wahrer Lorenz. Warum? „Der Mann im Schockraum zwei ist tot gewesen, keine Frage. Und tatsächlich hat sich Lisbeth im ersten Augenblick gedacht: ein häuslicher Streit oder vielleicht ein Unfall. Eine Messerstecherei, aber dann überfluten sämtliche Bilder von damals alles Gegenwärtige. Die Kinder, der Brustkorb geöffnet. Das Herz gestohlen. Vor 30 Jahren.“ Noch Fragen?

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