Es geht nichts über Lüften: Auch im kommenden Schuljahr werden geöffnete Fenster zum Alltag der Schüler gehören.
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Es geht nichts über Lüften: Auch im kommenden Schuljahr werden geöffnete Fenster zum Alltag der Schüler gehören.

Diskussion im Gemeinderat Nandlstadt

„Baulicher Aufwand ist viel zu groß“: Gemeinderat uneins über Kauf von Lüftungsanlagen für die Kindergärten

  • Andrea Hermann
    VonAndrea Hermann
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Lange hat der Nandlstädter Gemeinderat darüber diskutiert, ob man die beiden Kindergärten mit Lüftungsanlagen ausstatten soll. Man wurde sich nicht einig - eine Entscheidung steht noch aus.

Nandlstadt – Die Grund- und Mittelschule Nandlstadt soll mit dezentralen Lüftungsanlagen ausgestattet werden. Darüber waren sich die Markträte einig. Doch ob man auch für die beiden Kindergärten solche Frischluftanlagen beschaffen soll, darüber gingen die Meinungen in der jüngsten Sitzung des Marktrats auseinander.

18 Klassenzimmer der Grund- und Mittelschule sind bereits mit Lüftungsanlagen ausgestattet, weitere 13 Räume sollen nun folgen. Der Schulverband hat sich in seiner Sitzung am 11. August bereits gegen CO2-Warngeräte und Luftfilteranlagen ausgesprochen und stattdessen dezentrale Lüftungsgeräte favorisiert. Die Vorteile, wie Peter Beck vom gleichnamigen Planungsbüro bereits damals und auch am Donnerstag erklärte, lägen auf der Hand: Es finde ein Frischluftaustausch statt, die Geräte seien deutlich leiser und die Filter können „ohne besondere Anforderung“ gewechselt werden, erklärte er einige Vorzüge. Nachteile seien indes der „hohe Installationsaufwand“ und die Kosten: Zwischen 26 000 und 29 000 Euro koste so ein Gerät pro Klassenzimmer – zuzüglich Wartungskosten. Die gute Nachricht: Die Anschaffung wird mit 80 Prozent bezuschusst.

Für die Geräte für insgesamt gut 353 000 Euro wurde bereits ein Zuschussantrag gestellt – und ein solcher in Höhe von rund 282 000 Euro auch gebilligt, berichtete Bürgermeister Gerhard Betz. „Warum müssen wir das dann behandeln?“, fragte 3. Bürgermeister Michael Schranner (BLN) etwas verwundert. Betz nannte zwei Gründe. „Ich wollte euch informieren“, sagte er. Und Sebastian Unger ergänzte: „Wenn wir das zahlen, sollten wir wissen, was gekauft wird.“ Außerdem, so Betz, dienen die Informationen auch als Grundlage für die Diskussionen darüber, ob solche Geräte auch für die Kindergärten beschafft werden sollen.

Und genau da gingen die Meinungen auseinander. Experte Beck hatte sich ein Bild vor Ort gemacht und war zu der Erkenntnis gekommen: „Der bauliche Aufwand ist viel zu groß, um die Geräte einzubauen.“ Außerdem seien die Geräte groß – und die Platzverhältnisse in den Kindergärten beengt. Deshalb riet er von den Geräten ab, zumal die Kinder – anders als in den Schulen – viel im Garten und somit ausreichend an der frischen Luft seien.

Diese Argumente wollte Alexander Mörwald (UWN) nicht gelten lassen und sagte, dass solche Anlagen in den Kindergärten „genauso wichtig sind wie in der Schule“. Denn: „Mit Fensteranlagen bekommt man nicht den gleichen Effekt wie mit Lüftungsanlagen.“ Deshalb lautete seine Forderung: „Ich würde versuchen, einen Weg zu finden, diese Anlagen einzubauen.“ Das sah auch Erhard Schönegge (Grüne) so: Es könne nicht sein, dass man erst „auffallend die großen Vorzüge hervorhebt, und das dann in den Kindergärten nicht macht“. Deshalb „wäre es dumm, wenn wir diese Chance nicht ergreifen“.

Andreas Selmayer (CSU) war zwar grundsätzlich für „beste Luft in den Kindergärten“, aber man dürfte jetzt nicht „in blinden Aktionismus verfallen, weil es 80 Prozent Zuschuss gibt“. Patrick Nocker (UWN) ist überzeugt, dass die Anlagen „als Schutz vor Viren nicht notwendig sind“. Das ist auch Mörwald bewusst, der aber durch die Anlagen „die Qualität der Luft verbessern“ möchte.

Für Michael Schranner ist es „ganz wichtig, die Kindergarten-Leiterinnen mit einzubeziehen“ und diesen, so ergänzte Mörwald, bei einem Treffen „den Nutzen und die Funktion genau zu erklären“.

Während der Gemeinderat der Beschaffung von Lüftungsanlagen in der Schule zustimmte, entschied man sich im Falle der Kindergärten für einen Ortstermin, bei dem den Leiterinnen die Geräte erklärt bekommen und mögliche Standorte eruiert werden. Die Ergebnisse werden abermals im Gemeinderat vorgestellt – und dann fällt auch eine Entscheidung. „Das war eine harte Geburt“, sagte Betz nach der rund einstündigen Diskussion.

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