Mit einer Axt hat ein Nandlstädter eine Schneise der Verwüstung durch seinen Heimatort gezogen.
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Mit einer Axt hat ein Nandlstädter eine Schneise der Verwüstung durch seinen Heimatort gezogen.

22-Jähriger vor Gericht

Im Drogenrausch: Mann zieht mit Axt durch Nandlstadt - und geht auf gestürzten Polizisten los

Im Drogenrausch zog ein 22-Jähriger vor einem Jahr mit einer Axt durch Nandlstadt - und löste einen Großeinsatz aus. Nun stand der Mann vor Gericht.

Nandlstadt/Landshut – Es war eine Szene wie aus einem Horrorfilm: Ein Autofahrer fährt am 29. Oktober 2019 durch Nandlstadt, als an einer Kreuzung im Ortsinneren aus der Dunkelheit plötzlich ein Mann im Tarnanzug auftaucht und ihm mit erhobener Axt entgegenkommt. Es ist Joe J. (Name geändert), der ein Jahr später vor dem Amtsgericht Landshut bezüglich seines Erinnerungsvermögens an die Vorfälle in dieser Nacht sagen wird, er wisse „sehr wenig bis gar nichts“.

Mit Axt in Nandlstadt randaliert: Mann wütet eine Stunde im Ort

Dem Akteninhalt zufolge war der 22-jährige Nandlstädter zwei Tage nach dem Vorfall, der aufgrund des Verdachts eines Amoklaufs einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst hat, noch nicht ansprechbar. Laut Staatsanwaltschaft war er mit 0,72 Promille und vollgepumpt mit Drogen eine Stunde durch das Ortsinnere gewütet und hatte dabei einen Sachschaden von insgesamt rund 4100 Euro angerichtet. Die Polizei hatte seiner Raserei nur mit Mühe und Pfefferspray Einhalt gebieten können. Das Amtsgericht hatte jetzt die Unterbringung des jungen Mannes in einer Entziehungsanstalt zu prüfen – und ordnete nach verkürzter Beweisaufnahme eine solche auch an.

18 Zeugen und drei Sachverständige waren ursprünglich geladen, um zu dem angeklagten Sachverhalt Auskunft zu geben. Der von Staatsanwältin Romina Rodde vertretenen Anklage zufolge waren Streifen etlicher Polizeidienststellen gegen 23.40 Uhr in Nandlstadt eingetroffen, um J. zu verfolgen, der wiederholt forderte, erschossen zu werden. Laut Anklage war er gegen 23 Uhr von seiner Wohnung aufgebrochen. Auf seinem Weg durch die Innenstadt rief J. mehrfach und lautstark „Sieg Heil“, während er mit seiner Axt auf neun Straßenlaternen und einen Stromverteilerkasten sowie eine Steinplatte und zwei Fahrzeuge einschlug. Als sich schließlich der Autofahrer näherte, stellte er sich diesem in den Weg und führte Axthiebe in Richtung des Fahrzeugs aus. Nur der schnellen Ausweichaktion des Fahrers war es laut Anklage zu verdanken, dass es zu keinem Schaden kam. Als sich eine Passantin J. näherte und ein Polizist einen Kontakt verhindern wollte, stürzte dieser. J. kam auf ihn mit erhobener Axt zu. Der Polizist rettete sich durch den Griff zum Pfefferspray. Der 22-Jährige flüchtete noch in die Bahnhofsgegend, wo er schließlich aufgab.

Drogen, Alkohol und von der Freundin verlassen - eine gefährliche Gemengelage

Der Sachbearbeiter der Kripo berichtete vor Gericht, dass der Angeklagte auch danach kaum „unter Kontrolle“ zu bringen war. So habe er sich etwa mehrmals die von der Rettung gelegten Infusionsnadeln herausgerissen. Verteidiger Patrick Schladt erklärte im Namen seines Mandanten, man werde die Angaben der Polizei nicht infrage stellen; der Sachverhalt werde eingeräumt.

Co-Verteidiger Stefan Götzfried wies darauf hin, dass es sich bei J. um einen „gut integrierten jungen Mann“, handle, der durch den Kontakt mit Drogen abgerutscht, aus der Wohnung geflogen und von der Freundin verlassen worden sei. „In dieser Gemengelage hat er die Nerven verloren.“

Nach Horror-Tour durch Nandlstadt: Unterbringung in Erziehungsanstalt gefordert

Die psychiatrische Sachverständige Sibylle Hornung-Knobel gab an, dass bei J. zur Tatzeit eine akute Mischintoxikation mit Wahrnehmungsstörungen vorgelegen habe. Hinweise auf eine rechtsradikale Gesinnung hätten sich bei dem 22-Jährigen nicht gezeigt. Eine verminderte Schuldfähigkeit lag laut Hornung-Knobel definitiv vor. Schladt wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass sein Mandant therapiemotiviert und krankheitseinsichtig sei und somit die besten Voraussetzungen mitbringe, „um aus der Spirale der Abhängigkeit“ herauszukommen. Schladt, Götzfried und Rodde hatten unisono die Unterbringung des 22-Jährigen – der sich seit dem Vorfall bereits in einem Klinikum befindet – in einer Entziehungsanstalt gefordert.

Richter Christian Lederhofer folgte den Anträgen mit dem Kommentar, wenn man den Angeklagten heute sehe, könne man die Ereignisse in dieser Nacht kaum nachvollziehen. „Es war offensichtlich zu viel der Drogen.“ igk

In Bruckberg hat sich am Dienstag eine Tragödie ereignet. Dabei wurden zwei Jugendliche tödlich von einem Zug erfasst.

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