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Das Werk: Der Roman vereint biografische und fiktionale Elemente. Dafür hat Autor Hans Georg Seidl viel recherchiert.

Tour mit dem Buchautor

Auf den Spuren eines Serienmörders: Besondere Exkursion der Bücherei Nandlstadt

Um das Mörder-Duo Gump und Gänswürger geht es in Hans Georg Seidls Buch „Räuber Mörder Märchenkönig“. Die Bücherei Nandlstadt machte sich zusammen mit dem Autor auf eine außergewöhnliche Exkursion.

Nandlstadt – Gump und Gänswürger – zwei Namen, die einst in Bayern für Angst und Schrecken sorgten. Wie auch bei der bis heute weitgehend ungeklärten Bluttat in Hinterkaifeck stand dem Mörder-Duo der ländliche Polizei-Apparat zeitweilig hilflos gegenüber. Der Autor Hans Georg Seidl hat mit seinem Roman „Räuber Mörder Märchenkönig“ von 2019 ein überaus gelungenes Buch zwischen kriminalistischer Betrachtungsweise und Zeitkolorit vorgelegt. Die Bücherei Nandlstadt machte sich zusammen mit dem Autor auf die Suche nach verbliebenen Zeugnissen einer Zeit zwischen Mord, Totschlag und Verrat.

Mit dem Bus auf Spurensuche

Und den Verantwortlichen der Bücherei gelang mit der Busfahrt an die Schauplätze der Taten ein innovatives Bravour-Stück von gelebter Literatur. Über Mainburg, Appersdorf, Elsendorf, Oberlauterbauch, Unterempfenbach und Wolnzach konnten sich die zahlreichen Reisenden zusammen mit dem Autor auf die Spuren des Mörder-Duos Gump und Gänswürger begeben.

Die Busfahrt kommentierte Seidl durch das Mikrofon.

Erträumen hätte sich das der Donaumoos-Räuber Ferdinand Gump wohl nicht lassen, seine letzten Tage im Münchner Landgericht-Gefängnis München verbringen zu müssen. Im Juni 1873 war er nach dem Aufsuchen eines Kramer-Ladens in Wolznach den Gendarmen schließlich doch noch in die Hände gefallen, allerdings auch nur durch einen Hinweis aus der Bevölkerung. Vom Bahnhof in Reichertshofen war es in Fußfesseln unter Anteilnahme von zahlreichen Schaulustigen weiter zum Verhör in die Landeshauptstadt gegangen. Bei der Verladung von Gump sei es damals so still gewesen, dass man die Hunde aus dem Nachbardorf hätte bellen hören können.

Paradebeispiel eines seelenlosen Serienmörders

Dabei war das Glück bis dato immer auf Gumps Seite gestanden – jenes Glück, mit skrupellosen Taten ungeschoren davongekommen zu sein. Vor allem die Rückständigkeit der damaligen Polizei, vermengt mit der zwischenzeitlich angewachsenen Furcht in der Bevölkerung, hatte den Mörder zu einer mysteriösen Gestalt werden lassen und jene Blutschneise erst möglich gemacht, von der man heute noch in Wirtshäusern spricht – wenn auch nicht gerne und nur zu vorgerückten Stunde.

Denn ganz im Gegensatz zu Volkshelden wie dem Räuber und Wilderer Kneißl, der immer noch besungen und mancherorts in Ehren gehalten wird, gilt Ferdinand Gump als Paradebeispiel des seelenlosen Serienmörders. Schließlich erschoss er ohne mit der Wimper zu zucken letztendlich auch seinen eigenen Freund und Mittäter Eduard Gänswürger, nachdem dieser ihre gemeinsame Geliebte in Karlskron aus niedrigen Gründen ermordet hatte – vor so jemandem konnte niemand mehr sicher sein.

Biografische und fiktionale Elemente für Roman genutzt

Der Mainburger Autor Hans Georg Seidl nutzt für seinen Roman biografische wie auch fiktionale Elemente und erzeugt durch sein atmosphärisches Schreiben eine Rückblende in hoher Qualität. Die Zwischenschnitte um König Ludwig II. eröffnen den Weitwinkel und lassen erahnen, wie weit über das Donaumoos hinaus die Mordtaten für Schrecken und Hilflosigkeit sorgten. Seidl gelingt es mühelos, die schier unbegreiflichen Gewalttaten in den Kontext des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu setzen, ohne dabei eine moralische Verzerrung der Geschehnisse zu bemühen. Beeindruckend ist der hohe Recherche-Aufwand, welcher allerdings durch das Schreib-Talent des Autors fesselnd umgesetzt worden ist.

Und aufgrund des großen Erfolgs der Büchereifahrt gemeinsam mit dem Autor wird in Nandlstadt bereits über eine Wiederholung dieser außergewöhnlichen Busreise nachgedacht. Richard Lorenz

Infos zum Buch

„Räuber Mörder Märchenkönig“ von Hans Georg Seidl; Verlag: Werkstatt für Schwarze Kunst, 2019.

Alle Nachrichten und Neuigkeiten aus dem Markt Nandlstadt und Umgebung finden Sie immer aktuell hier. 

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Ein Dorf mitten in Bayern macht mit einem YouTube-Video auf sich aufmerksam. Und das mit gutem Grund. Nach dem Tod des Dorf-Wirtes ist die Situation alles andere als gut.

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