Betrunken, ohne Führerschein

Nandlstadt: Ein Unfall und eine noch wildere Geschichte

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Nandlstadt - Betrunken und ohne Führerschein, dafür mit falschen Kennzeichen soll ein 32-Jähriger einen Wagen bei Nandlstadt zu Schrott gefahren haben. Vor Gericht gab es dann eine Überraschung.

Gegen 21 Uhr am Abend des 1. Dezember 2015 wird die Polizeistreife auf das demolierte Auto am Straßenrand bei Nandlstadt aufmerksam. Der Eigentümer, ein Autohändler, hat keinen Führerschein und ist auch noch betrunken. Doch damit nicht genug: Das Kennzeichen ist ebenfalls falsch. Den Beamten tischt der Mann eine abenteuerliche Geschichte auf:

Ein Bulgare habe den Audi an diesem Abend noch erwerben wollen, berichtete der 32-jährige Türke. Da er in seiner Werkstatt in Schweitenkirchen (Kreis Pfaffenhofen) kein rotes Händlerkennzeichen fand, schraubte er kurzerhand das amtliche Kennzeichen eines Opel ab, den sein Onkel vor ein paar Wochen verkauft hätte, und der sich nun für eine Reparatur in der Werkstatt befunden habe. Bei der anschließenden Probefahrt soll der Bulgare den Audi auf der Kreisstraße 43 beim Linksabbiegen in den Graben gesetzt haben. „Ich hab’ noch gesagt, brems ab!“ Doch da sei es schon zu spät gewesen. „Ich hol’ rasch Hilfe“, habe der Bulgare ihm noch zugerufen, als der Autohändler aus dem Audi krabbelte – und ward von da an nimmer gesehen.

An der Stelle landen Autos öfter im Graben - der Audi aber fliegt noch weiter

Die Staatsanwaltschaft nahm dem jungen Mann die Geschichte nicht ab. Wegen Urkundenfälschung, falscher Verdächtigung, Trunkenheit am Steuer sowie Fahren ohne Führerschein wurde dem 32-Jährigen dieser Tage der Prozess vor dem Amtsgericht Freising gemacht.

Schon der Streifenbesatzung war die Version des Angeklagten merkwürdig vorgekommen. Abgesehen davon, dass Polizisten die Umgebung erfolglos nach einem flüchtigen Bulgaren abgesucht hatten, spiegelte der Unfall eher das Bild eines betrunkenen Rasers wider, der die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hatte, als dass die Beamten an eine misslungene Probefahrt hätten glauben mögen.

Der Ort, an dem der Audi von der Straße geraten war, ist als Gefahrenstelle bekannt. Üblicherweise landen Autos im Graben. Nicht so in diesem Fall: Der Audi schlug hinter dem Graben auf – müsse also mit hoher Geschwindigkeit von der Straße abgekommnen sein, erinnerte sich vor Gericht die an jenem Tag anwesende Polizistin aus Moosburg. „Das ist ein riesiger Graben“, sagte die Polizeiobermeisterin. „Da bleibt man gewöhnlich drin stecken.“ Trotz einiger Unfälle an dieser Stelle sei ihr kein Fall bekannt, in dem ein Auto den Graben im Flug überwunden hätte.

Überraschung statt Schuldspruch

Den Rest an Glaubwürdigkeit büßte der Angeklagte ein, als er behauptete, der neue Eigentümer des Opel habe an der Probefahrt teilgenommen. Der 42-Jährige jedoch teilte dem Gericht mit, von dem Autohändler noch am Unfallabend telefonisch aufgefordert worden zu sein, auszusagen, er habe mit in dem Audi gesessen. Unmittelbar nach dem Telefonat war der 42-Jährige in die Werkstatt geeilt, um bestürzt festzustellen, dass der Angeklagte tatsächlich das Kennzeichen seines Opels abgeschraubt hatte.

Als jeder mit einem Schuldspruch rechnete, zog sich das Gericht mit Staatsanwältin und Verteidigung zur Beratung zurück. Völlig überraschend stellte Richterin Tanja Weihönig das Verfahren gegen Autohändler daraufhin ein. Offenbar ist der Angeklagte in einem vergleichbaren Verfahren erst im Juni in Kelheim in nicht bekannter Höhe verurteilt worden. Die Verfahrenseinstellung nach Paragraf 154 erging im Hinblick auf das anscheinend höherwertige Urteil des Amtsgerichts Kelheim vom 7. Juni dieses Jahres.

Rubriklistenbild: © dpa

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