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Vorbild-Unternehmerin: Tanja Hohenester (41) aus Nandlstadt hat sich mit Grüntee-Kapseln zur Nahrungsergänzung selbstständig gemacht und wurde nun vom Wirtschaftsministerium zu einer Art Tutorin für Gründerinnen ernannt.

Sie macht Frauen Mut und gibt Tipps

„Meine Krankheit war meine Geschäftsidee“: Nandlstädterin zu Vorbild-Unternehmerin gekürt

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Sie wurde jetzt zur Vorbild-Unternehmerin gekürt: Hier erzählt Tanja Hohenester, wie sie zu ihrer Geschäftsidee kam und was sie anderen Gründerinnen rät.

Nandlstadt – Nur jedes dritte Unternehmen in Deutschland wird von einer Frau geführt. Um das zu ändern, hat das Bundeswirtschaftsministerium 2014 die Initiative „Frauen unternehmen“ ins Leben gerufen. Mit ihr sollen Frauen über Vorbilder zur beruflichen Selbstständigkeit ermutigt und Mädchen für das Berufsbild „Unternehmerin“ begeistert werden. 

Mehr als 160 Vorbild-Unternehmerinnen unterstützen die Initiative bereits ehrenamtlich. Seit Kurzem gehört auch Tanja Hohenester (41) aus Nandlstadt zu diesem erlesenen Kreis. Sie vertreibt seit 2016 unter dem Markennamen Tigovit Grüntee-Kapseln – mit wachsendem Erfolg.

Freisinger Tagblatt: Frau Hohenester, wie fühlen Sie sich als „Vorbild-Unternehmerin 2019“?

Tanja Hohenester: Der Titel macht mich überglücklich, weil er für mich ein Beweis ist, dass ich etwas richtig gemacht habe. Oft weiß man ja nicht: Wie komme ich draußen an?

Verspüren Sie als „Vorbild“ auch einen gewissen Druck?

Nein. Es ist eine ehrenamtliche Aufgabe, die ich unglaublich gerne erfülle: Erfahrung an andere Frauen weiterzugeben, Mut zuzusprechen. Wir gehen etwa in Schulen und Hochschulen, geben Interviews und beteiligen uns an Podiumsdiskussionen. Ich hätte mir gewünscht, dass so jemand bei meiner Gründung dabei gewesen wäre, weil es da als Frau nicht immer einfach ist. Wohl auch, weil wir sehr viel Emotion und Herz einbringen.

Liegt darin ein großer Unterschied zu männlichen Gründern?

Männer denken jedenfalls oft sehr viel rationaler. Die sehen dann aber auch, dass es anfangs vielleicht nicht so viel Umsatz gibt und geben schneller wieder auf. Ich habe viele Klinken putzen müssen und im ersten Jahr herbe Rückschläge erlebt. Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist riesig, es ist schwer, da Fuß zu fassen.

Wird mit Frauen in der Start-up-Szene generell anders umgegangen als mit Männern?

Ich war nicht so sehr in der Szene integriert, da ich mehr mein eigenes Ding gemacht habe. Was ich aber sagen kann: Als Frau braucht es immer ein bisschen länger, bis man ernst genommen wird. Bei Männern gehen die Entscheidungen schneller, und ich war anfangs viel zu nett und weich. Als Frau willst du es eher allen recht machen. Das hat mich letztendlich sehr viel Kraft und Geld gekostet. Ich habe daraus gelernt: Ich kommuniziere und treffe Entscheidungen jetzt viel klarer.

Diese Tipps gibt die Vorbild-Unternehmerin anderen Gründerinnen

Welche drei Tipps geben Sie Frauen, die sich selbstständig machen wollen, mit auf den Weg?

Ich würde sagen: Auf keinen Fall aufgeben, an die eigene Idee glauben und fleißig sein.

Apropos Idee: Wie kamen Sie überhaupt darauf, Grüntee-Kapseln zu verkaufen?

Bei einer gynäkologischen Untersuchung wurde bei mir ein Myom festgestellt.

...der häufigste gutartige Tumor im weiblichen Genitaltrakt.

Genau. Ich wollte aber keine Operation, und da ich mich schon immer sehr für Naturheilkunde interessiert habe, begann ich zu recherchieren. Dabei fand ich eine ägyptische Studie zu Grüntee-Extrakten. Damit habe ich mich sozusagen selbst therapiert. 

Mit Grüntee-Kapseln erfolgreich Myom therapiert

Bei mir hat es sehr gut funktioniert, die OP war nach einigen Monaten hinfällig. Während dieser Zeit habe ich aber auch gemerkt, dass es keine hochwertigen Grüntee-Kapseln auf dem Markt gibt. Also habe ich zusammen mit einem Apotheker selbst welche entwickelt. Meine Krankheit war quasi meine Geschäftsidee. Das Myom ist immer noch da, aber es wurde kleiner und ich habe es so weit im Griff, dass es keine negativen Auswirkungen mehr auf mein Leben hat.

Woher stammen die Rohstoffe Ihres Produkts?

Der Ursprung des Grünen Tees liegt in China, dort wurde er vor mehreren tausend Jahren von buddhistischen Mönchen entdeckt. Ich fliege nun jedes Jahr nach China, kaufe meine Rohstoffe selber ein und habe einen sehr engen Kontakt zu einer Bio-zertifizierten Plantage im Bergland. Ich schaue mir die Proben persönlich an und gebe die Transparenz an meine Kunden weiter.

Macht sich ihr eigenes Bild vom Anbau ihrer Rohstoffe: Tanja Hohenester auf einer chinesischen Grüntee-Plantage.


Haben Sie eigentlich auch selbst ein Vorbild?

Ja, meinen Bruder. Er ist ebenfalls erfolgreicher Unternehmer und hat eine Firma mit rund 80 Mitarbeitern in München, die sich auf die Förderung von Innovationen konzentriert. Er stand mir immer zur Seite, hat mir mit wertvollen Ratschlägen geholfen. Aber er denkt halt anders, er ist ein Mann. Für ihn zählt Umsatz, Umsatz, Umsatz! (lacht) Mittlerweile treffe ich meine Entscheidungen selber, weil ich weiß, wo der Weg hingehen soll.

Nämlich?

Ich werde sehr viel ins Auslandsgeschäft investieren, vor allem den USA-Markt ausbauen. Im Dezember fliege ich zu einem Kongress nach Las Vegas und stelle dort gemeinsam mit einer Partnerin aus. Da kommen 4000 Ärzte aus dem ganzen Land. Wir wollen ihnen von der Studie an der Berliner Charité berichten, die ich gesponsert habe. Im Herbst erwarten wir die Ergebnisse.

Darum ist die Unternehmerin von München in die Hallertau gezogen

Sie sind kürzlich von München zurück in Ihre Heimat Nandlstadt gezogen. Warum?

Ich wollte die Region unterstützen, aus der ich stamme. Es gibt hier nicht so viele Firmen auf dem Land. Hier habe ich sehr fleißige und loyale Mitarbeiter. In München konnte ich ein Jahr lang kein Personal finden – in Nandlstadt sofort.

Was schätzen Sie persönlich an der Hallertau?

Die Landschaft ist wunderschön. Und der Hopfen hat mich von klein auf geprägt. Meine Mutter war Mitte der 70er Jahre Hopfenkönigin und stammt aus einer Pflanzerfamilie. Es ist noch nicht spruchreif, aber vielleicht erweitere ich mein Angebot noch um ein Produkt mit Hopfenextrakten.

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