Marktratssitzung in Nandlstadt
+
Stark besucht: Über 20 Zuhörer verfolgten die Nandlstädter Marktratssitzung zum Thema Windkraft.

Debatte um Windrad mit Baumschutz verknüpft

Nandlstadts Marktrat bekräftigt Windrad-Ablehnung - Antrag auf Baumschutzverordnung gescheitert

Die Besucherreihen der jüngsten Marktratssitzung in Nandlstadt waren voll - weil es erneut um Windkraft ging. Doch auch der Baumschutz bewegte die Versammlung.

Nandlstadt – Die Frage von Michael Schranner (BLN), weshalb sich die Grüne offene Liste (GoL) für eine neue Baumschutzverordnung einsetze, aber gleichzeitig die Rodungen für die örtlichen Windräder in Kauf nähmen, sorgte für lauten Zuhörer-Applaus bei der jüngsten Gemeinderatsitzung. Gerade das Ansinnen der GoL, Gemeinde-Bäume zu schützen, erregte im Verlauf dann doch mehr die Gemüter, als die „Bitte“ des Landratsamts, nochmals über das zweite Windkraftrad nachzudenken.

Bürgermeister Gerhard Betz (UWN) gab dem Rat und den über 20 anwesenden Besuchern Auskunft: Am 24. Februar habe ihm das Landratsamt einen Brief geschrieben, mit der Bitte um eine erneute Beschlussfassung zum gemeindlichen Einvernehmen in der Causa Windkraftrad Nummer 2 bei Airischwand. Im September vorigen Jahres hatten sich die Gemeinderäte nämlich deutlich mit 7:14 Stimmen gegen die immissionsschutzrechtliche Genehmigung des Bau-Ansinnens ausgesprochen. Das Landratsamt, so Betz, empfehle aber jetzt, diese Ablehnung zu überdenken. Falls sich die Kommune weiterhin via Einvernehmens-Verweigerung dagegenstemmen sollte, gedenke die Kreisbehörde sogar, das Einvernehmen zu ersetzen. Das heißt im Klartext: Das Landratsamt kann als übergeordnete Behörde erste Weichen für das umstrittene zweite Windkraftrad stellen, obwohl Nandlstadt blockiert.

Windkraftanlage mit 7:13 erneut durchgefallen

Die Räte fassten sich kurz: Die BLN, so Schranner, würde ihre Meinung nicht ändern und weiterhin ablehnen. Sehr ärgerlich sei für ihn vor allem, dass dann wohl das Landratsamt entscheide und nicht mehr die Kommune. Auch Franz Mayer samt CSU blieb bei seinem Nein, außerdem stehe ja auch immer noch das Ergebnis vom Hauptverfahren für das erste Windrad aus. Mit 7:13 Stimmen wurde so auch dieses Mal kein gemeindliches Einvernehmen für eine weitere Windkraft-Energieanlage ausgesprochen.

Diskussionsfreudiger ging es dann schon zu bezüglich eines Antrags der GoL. Aufgrund der Entnahme einer Trauerweide in Figlsdorf wurde festgestellt, dass Nandlstadt zwar einmal eine Baumschutzverordnung gehabt habe – diese sei aber schon vor 20 Jahren unbemerkt abgelaufen. Um zu verhindern, dass charakteristische Bäume einfach so gefällt werden, sollte die Marktgemeinde unbedingt eine neue Baumschutzverordnung auf den Weg bringen, argumentierte Bernd Stöckeler (GoL).

Baumschutzverordnung: CSU-Rat fürchtet „bürokratisches Monster“

Andreas Selmayer (CSU) wies aber darauf hin, dass die Bäume ja auch ohne Baumschutzverordnung von den Bürgern gepflanzt werden würden – für ihn wäre eine solche Verordnung nur ein „bürokratisches Monster“. Zudem würde das Fällen von Bäumen zeitweise einfach notwendig werden, beispielsweise durch Krankheiten. So ein Baum sei kein „gusseiserner Herrgott“, der Jahrhunderte stehe. Außerdem, argumentierte Selmayer, müsse man schon auch beachten, dass die Leute hier auf dem Land wohnen und eben nicht in der Stadt, wo man womöglich solche Regelungen bräuchte.

Offener gab sich Patrick Nocker (UWN): Ein Grundsatzbeschluss über solche Verordnung solle, wenn überhaupt, großzügig ausgelegt werden, damit nicht jede Obstbaum-Fällung beantragt werden müsse. Regina Schillinger (UWN) mahnte vor einer Verbotskultur für „ein paar Bäume, die schützenswert sind“ – sie plädierte eher für ein Belohnungssystem. Auch Franz Mayer glaubt, dass keiner einen alten Baum ohne triftigen Grund fällen würde. Dass es ja auch so gut funktioniere, untermauerte Meyer mit der Tatsache, dass überhaupt nicht aufgefallen sei, dass die Verordnung nicht mehr gelte. Allerdings, und das warf Alexander Mörwald (UWN) ein, würde eine Baumschutzverordnung auch beim Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept auftauchen – und die Verantwortlichen würden sich schließlich schon etwas dabei gedacht haben.

GoL-Rat weist Kritik scharf zurück: „Vergleich ist unhaltbar“

Den Vorwurf, die GoL würde nichts gegen das Abholzen für ein Windkraftrad haben, aber schon etwas gegen das Fällen im eigenen Garten, ließ Stöckeler nicht auf sich sitzen: „Dieser Vergleich ist unhaltbar.“ Der grüne Antrag wurde mit 14 Gegenstimmen abgelehnt.
Richard Lorenz

Neues kostenloses Angebot: Moosburger Eisstadion wird zur Coronatest-Arena

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare