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„Aus Überzeugung in die Energiewende“ planen Vitus Hinterseher (l.) und Stephan Schinko Windräder bei Großgründling – und stoßen dabei auf heftigen Widerstand.

Interview

Nandlstadts Windrad-Planer: „Leute haben sich von den Fakten entfernt“

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Auch wenn die Windradpläne in Nandlstadt und Au abgeschmettert wurden: Die Firma tetra r.e. will am Vorhaben festhalten. In den Augen der Planer beruht die Entscheidung der Gemeinderäte auf einer Kampagne aus Fehlinformationen, geschürten Emotionen und Angstmacherei.

Nandlstadt – Zum Interview bringen sie einen Packen Unterlagen mit: Pläne und Gutachterdokumente. Stephan Schinko (43) und Vitus Hinterseher (36) sind zwei der vier Geschäftsführer von tetra r.e. – jener Firma, die mit ihren Windkraftplänen auf Nandlstädter Flur auf massiven Widerstand aus der Bevölkerung gestoßen ist. Und deren Bauantrag von fast allen Markträten in Au und sämtlichen in Nandlstadt vom Tisch gefegt wurde. Das Gespräch mit dem FT haben die beiden gesucht, weil sie den ihrer Ansicht nach falschen Argumenten und der emotionalen Debatte etwas entgegenhalten wollen: Fakten.

-Herr Schinko, Herr Hinterseher, bei den Faschingsumzügen in Au und Nandlstadt wurden Sie als raffgierige Investoren mit Zigarre, Anzug und Windrad im Schlepptau verkörpert. Wie fanden Sie das?

Schinko: Wie Sie sehen können: Wir rauchen weder Zigarren, noch tragen wir Anzüge (lacht, aber mehr aus Galgenhumor). Es gibt immer zwei Meinungen. Aber das, was wir in Nandlstadt und Au erlebt haben, ist kein guter Stil. Wir werden dort als Trickser dargestellt, die mit den Behörden unter einer Decke stecken.

„Bürgermeister Ecker hat unser Angebot bis heute nicht wahrgenommen“

Hinterseher: Das betrifft auch die Politik vor Ort. Der Auer Bürgermeister Karl Ecker etwa hat bei der Abstimmung im Gemeinderat gesagt, er sei betroffen, dass der Naturschutz kaum Beachtung finde. Dabei haben wir die entsprechende Gegend über zwei Jahre von Experten untersuchen lassen. Herausgekommen ist ein 80-seitiges Gutachten: ein genauestes Bild davon, was dort passiert. (Er faltet eine farbige Karte auseinander und deutet mit dem Finger auf eingezeichnete Radien und Markierungen) Zum Beispiel waren zwei Personen allein 18 Tage lang jeweils sechs Stunden unterwegs, um die Tierarten zu dokumentieren. Wir haben größten Aufwand betrieben, um der erwartbaren Kritik Fakten entgegensetzen zu können. Herrn Ecker lagen all diese Unterlagen vor.

-Sie meinen, es besteht kein Interesse an Fakten?

Schinko: Wir haben uns bei Bürgermeister Hartl am 26. Juli vorgestellt und bei Bürgermeister Ecker am 10. August. Beiden haben wir angeboten, das Projekt im Gemeinderat vorzustellen. In Nandlstadt kam es dann nur dazu, weil uns einzelne Fraktionen die Möglichkeit verschafft haben. Herr Ecker aus Au hat unser Angebot bis heute nicht wahrgenommen.

„Der beauftragte Anwalt ist bekannt als Windkraft-Gegner“

Hinterseher: Es sind auch mehrfach Schreiben an die Gemeinderäte und Kommunen rausgegangen, in denen wir eine Beteiligung der Bürger angeboten haben.

-Sie sprechen von einem Energieprojekt mit Bürgerbeteiligung. Wurde darauf eingegangen?

Schinko: Nein, das wurde abgeblockt.

Hinterseher: So etwas funktioniert aber nur, wenn die Kommune zu einer Zusammenarbeit bereit ist.

Schinko: Das Gegenteil ist der Fall. Noch bevor die Genehmigungsbehörde unseren Antrag geprüft hat, hat man in der Gemeinde Nandlstadt angekündigt, dagegen klagen zu wollen. Der beauftragte Rechtsanwalt ist bekannt als Windkraft-Gegner. Daran erkennt man die Haltung der Gemeindeverantwortlichen.

„Von Fakten entfernt und von Emotionen geleitet“

-Worin sehen Sie den Grund für die Vorbehalte?

Hinterseher: Ich denke, dass man einfach nicht bereit ist, die Verantwortung für einen Schritt zur positiven Veränderung zu übernehmen. Sicher auch aus Angst vor dem persönlichen Umfeld. Weil da eine massive Front aufgebaut wurde. Schade, dass man sich so weit von Fakten entfernt und lieber von Emotionen leiten lässt. Da wird dann mit aus dem Zusammenhang gerissenen Sätzen argumentiert – oder mit Falschinformationen. Beispielsweise wurde behauptet, die Bundeswehr habe auf Nachfrage das Gebiet als Tiefflugzone identifiziert – und die Anlagen stellten deshalb eine Gefahr dar. Das ist aber nicht wahr: Wir haben ein Schreiben von der Bundeswehr, dass nichts gegen die Pläne spricht. Auch beim Thema Brandschutz wurden einzelne Halbsätze dazu verwendet, um eine Gefahr zu suggerieren. Dabei erfüllen wir sämtliche Brandschutzauflagen.

Schinko: Gerne wird auch der Infraschall als Bedrohung genannt. Dabei belegen umfangreiche Untersuchungen: Nach 400 bis 500 Metern ist der überhaupt nicht mehr messbar. So etwas wollen Windkraftgegner aber erst gar nicht hören, darum reden sie auch nicht mit uns.

-Waren Sie bei der Info-Veranstaltung in Nandlstadt?

Schinko: Wir waren nicht eingeladen und haben erst aus der Presse davon erfahren. Das war auch keine Info-Veranstaltung, bei der beide Seiten gehört wurden, sondern reine Angstmacherei. Da werden professionelle Windkraftgegner eingeladen und bezahlt. Das sind immer die gleichen Personen mit Argumenten, die schon hundertfach widerlegt wurden. Etwa, dass von den Rotorblättern Eisplatten wie Geschosse durch die Gegend fliegen.

„BI hat es geschafft, dass die Leute Fake News verinnerlichen“

Hinterseher: Dabei müssen wir ja eine Abschaltautomatik einsetzen, die eingreift, bevor sich dort Eis bildet.

Schinko: Die Bürgerinitiative hat es geschafft, dass die Leute solche Fake News verinnerlichen. Bei den Aussagen von sogenannten Experten wie Hermann Gottschalk, der unwidersprochen seine Fehlinformationen verbreiten darf, kann man nur den Kopf schütteln. Als dann der Gemeinderat in der Nandlstädter Turnhalle getagt hat, war ich selbst dabei. Bürgermeister Hartl hat sein Pamphlet runtergelesen, nach ihm kamen die vorgefertigten Stellungnahmen der Fraktionen. Da war keine Diskussion, die Leute saßen mit angstgeweiteten Augen da. Und schon wurde abgestimmt. Der Marktrat Erhard Schönegge meinte, er wäre ja für das Projekt – aber er stimme dagegen, um eine Dialogfähigkeit zu erhalten. Und weil er Angst habe. So eine Veranstaltung habe ich meiner Lebtage noch nicht erlebt. Ganz ehrlich: Wäre ich selbst Bürger vor Ort, hätte ich nach dem, was ich da gehört habe, auch die Meinung: Da sind Leute unterwegs, die mir nur Schlechtes wollen.

„Unglaubwürdigkeit fällt Bürgermeistern auf die Füße“

-Sie möchten am Projekt festhalten und erwarten einen positiven Bescheid vom Landratsamt. Wie kann danach Frieden einkehren?

Hinterseher: Unsere Erfahrung bei insgesamt 27 Windrädern zeigt: Wenn die Anlagen in Betrieb gehen, merken die Leute, dass sich sämtliche Gegenargumente nicht bewahrheitet haben.

Schinko: Und die Bürgerinitiativen lösen sich auf.

Hinterseher: Den Bürgermeistern fällt dann auf die Füße, dass all die Probleme nicht eintreffen, und sie sich unglaubwürdig gemacht haben.

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