Vom FFW-Kommandant zum Kreisbrandmeister
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Seit 34 Jahren ist Michael Wagensonner aus Nandlstadt Mitglied bei der Feuerwehr Nandlstadt.

Im Gespräch mit einem Nandlstädter Vorzeige-Floriansjünger

Neue Aufgaben und neun weitere „Familien“ für Kreisbrandmeister Michael Wagensonner

  • Andrea Hermann
    vonAndrea Hermann
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Als Hauptbrandmeister ist Michael Wagensonner aus Nandlstadt bei der Flughafenfeuerwehr im Einsatz, als Kommandant stand er zuletzt seiner FFW vor. Doch dieses Amt gab er nun ab: Der 49-Jährige wurde zum Kreisbrandmeister befördert. Das Tagblatt hat ihn dazu interviewt.

Herr Wagensonner, Sie wurden am 1. Januar 2020 zum Kreisbrandmeister befördert und mussten deshalb nun Ihr Amt als Kommandant der Feuerwehr Nandlstadt abgeben. Wie schwer ist Ihnen das gefallen?

Mir ist der Abschied schon schwer gefallen. Als ich am 1. Januar 2020 zum Kreisbrandmeister befördert worden bin, hat mir der Kreisbrandrat nahe gelegt, mein Amt als Kommandant abzugeben, da ich künftig für zehn Feuerwehren zuständig sein werde – und es möglicherweise zu Interessenskonflikten kommen könnte. Wegen Corona konnte die Feuerwehrversammlung nicht abgehalten werden, deshalb war ich bis jetzt noch Kommandant. Aber nun durften wir die reine Wahl durchführen, und da wurde Stefan Bauer zu meinem Nachfolger gewählt.

Coronabedingt durfte es keine größere Verabschiedung geben. Wie war die letzte Amtshandlung als Kommandant?

Schon sehr emotional. . . Ich durfte coronabedingt nur ganz kurz ein paar Dankesworte an meine Kollegen richten, aber das war’s auch schon. Vom Feuerwehrvorstand habe ich einen Geschenkkorb bekommen und – was mich wirklich sehr gefreut hat –, als Erster überhaupt eine Goldene Krawattennadel mit dem Emblem der Feuerwehr Nandlstadt drauf.

Erinnern Sie sich noch, als Sie vor 18 Jahren in die Führungsriege, zum 2. Kommandanten, gewählt worden sind?

(lacht) Daran erinnere ich mich noch sehr gut. Ich wurde am 6. Januar 2003 zum 2- Kommandanten gewählt – da habe ich aber gerade meinen Meister gemacht und war voll im Stress. Damals hab ich zu meinen Kollegen gesagt: „Ich mach’s. Aber ich kann euch erst voll unterstützen, wenn ich meine Prüfungen geschrieben habe.“ Das war zum Glück kein Problem.

Wie bleibt Ihnen die Zeit als Kommandant in Erinnerung?

Es war eine sehr schöne Zeit! Die Zusammenarbeit sowohl mit den Bürgermeistern, dem Marktrat und der Verwaltung als auch mit meinen Feuerwehrkollegen war immer sehr gut. Gerade die Unterstützung von den Gruppen- und Zugführern war immer voll da.

Was bleibt Ihnen positiv in Erinnerung?

Die ganzen Beschaffungsmaßnahmen: Wir konnten in den vergangenen sechs Jahren zwei neue Autos in Betrieb nehmen. Darauf bin ich schon sehr stolz. Und es freut mich sehr, dass wir in den vergangenen sechs Jahren die Technik komplett auf- und ausgebaut haben.

An welchen Einsatz erinnern Sie sich noch gerne zurück?

Vor ungefähr fünf Jahren hatten wir mal die Einsatzmeldung: „Haus droht einzustürzen“. Als wir vor Ort waren, habe ich das Haus erkundet – und gesehen, dass die Küchendecke am Boden gelegen ist. Ich hab mich also auf allen Vieren vorgetastet, um zu sehen, was im Obergeschoß los ist. Doch da war nichts – absolut nichts. Als ich wieder heruntergekommen bin, hab ich festgestellt, dass einfach die Holzdecke falsch montiert war, diese herabgestürzt ist und sich in die Tür eingespreizt hat. Das hat viel schlimmer ausgesehen, als es letztlich war. Das Haus selbst war in bester Ordnung. An solche Situationen denkt man schon schmunzelnd zurück.

Doch es gibt auch die andere Seite. Was bleibt Ihnen in negativer Erinnerung?

Der Brand in Oberappersdorf vor gut 20 Jahren. Gegen 3 Uhr morgens wurden wir damals zu einem Brand in einem Einfamilienhaus gerufen. Die ganze Familie hatte geschlafen und das Feuer zu spät bemerkt. Der Familienvater konnte nur noch ein Kind retten – seine drei anderen Kinder sind gestorben. Das sind Bilder, die vergisst man nicht. Und das sind auch Einsätze, die alle Einsatzkräfte belasten.

Die Corona-Pandemie wird Ihnen sicherlich auch in Erinnerung bleiben – auch als Feuerwehrmann. Wie war und ist die Arbeit in Zeiten des Lockdowns?

Auch für die Feuerwehren ist es eine sehr schwierige Zeit: Viele Einschränkungen und Auflagen erschweren die Arbeit enorm. Das Gute ist: Das Einsatzgeschehen ist zurückgegangen. Aber auch die Aus- und Fortbildungen fanden so gut wie nicht mehr statt. Wir haben ein halbes Jahr lang gar nichts gemacht – keine Übung, kein Treffen, nichts. Seit dem 1. März geht es wieder langsam los. Am Donnerstag haben wir etwa mit der Modularen Truppmannausbildung angefangen. 16 junge Leute aus „meinen“ zehn Feuerwehren nehmen daran teil. Die theoretische Ausbildung ist nur möglich, weil wir den Unterricht im Bürgerhaus Zolling abhalten dürfen, für das ein passendes Hygienekonzept vorliegt. Auch mit den regelmäßigen Übungen haben wir wieder begonnen.

Werden Sie auch weiterhin mit „Ihrer“ Feuerwehr, der Feuerwehr Nandlstadt, ausrücken?

Natürlich! Sofern ich nicht als Kreisbrandmeister benötigt werde, rücke ich weiterhin als Zugführer mit aus und tue das, was mir der Kommandant sagt.

Wie wird sich Ihre Feuerwehrarbeit nun verändern?

Ich werde nicht mehr nur für eine Feuerwehr verantwortlich sein, sondern mich künftig um zehn Feuerwehren kümmern – von Airischwand bis Zolling. Ein Schwerpunkt wird sein, mich um die Ausbildung des Nachwuchses zu kümmern. Aber ich bin auch Ansprechpartner für die Kommandanten, wenn es etwa um den Bau eines Feuerwehrhauses oder die Beschaffung von Fahrzeugen geht. Da stehe ich – wie bei vielen anderen Themen auch – beratend und vermittelnd zur Seite.

Und im Einsatzwesen? Wann rücken Sie als KBM aus?

Etwa bei Bränden oder Verkehrsunfällen. Dabei stehe ich dem Einsatzleiter beratend und unterstützend zur Seite. Wenn etwas total schief läuft, könnte ich den Einsatz auch übernehmen, aber eigentlich bin ich zur Unterstützung dabei.

Was werden Sie in Ihrer neuen Aufgabe vermissen?

Die Arbeit mit meiner Feuerwehr wird mir schon abgehen – das Vertraute, der Zusammenhalt. Die Feuerwehr Nandlstadt war immer wie eine Familie für mich. Jetzt verlasse ich die „eigene“ Familie ein bisschen – und habe nun neun weitere „Familien“.

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