Für eine 24-Stunden-Wache in Nandlstadt setzt sich Bürgermeister Gerhard Betz ein.
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Für eine 24-Stunden-Wache in Nandlstadt setzt sich Bürgermeister Gerhard Betz ein.

Bürgermeister Gerhard Betz spricht Klartext

Rettungswagen-Stellplatz in Nandlstadt: „Ich möchte eine 24-Stunden-Wache“

  • Andrea Hermann
    vonAndrea Hermann
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Die Vorhaltezeit des Nandlstädter Rettungswagens muss unbedingt ausgeweitet werden. Das sieht nicht nur der Bürgermeister vor Ort so. Es kommt nämlich zu Versorgungslücken.

Nandlstadt – Vor gut 15 Jahren wurde der Rettungswagen-Stellplatz in Nandlstadt installiert. Seither ist er eine unverzichtbare Einrichtung für die Region. Mehr noch: Es werden Forderungen nach einer Ausweitung der Vorhaltezeit laut – allen voran von Nandlstadts Bürgermeister Gerhard Betz. Im FT-Interview spricht er über die aktuelle Situation und stellt klar, warum für ihn nur eine 24-Stunden-Wache die Lösung sein kann.

Der Rettungswagen-Stellplatz in Nandlstadt soll noch einmal unter die Lupe genommen werden, weil die Hilfsfristen oftmals nicht eingehalten werden können. Wie schlimm ist es?

Eine Untersuchung hat ergeben, dass die Hilfsfristen in Nandlstadt nur in gut 60 Prozent der Alarmierungen eingehalten werden können – Handlungsbedarf besteht eigentlich schon ab 80 Prozent. Deshalb wurde das Institut für Notfallmedizin der Universität München beauftragt, den Standort noch einmal zu begutachten und Lösungen zu erarbeiten.

Bis wann wird man mit einem Ergebnis rechnen können?

Mir ist in der Sitzung des Rettungszweckverbands vor gut einer Woche gesagt worden, dass das Gutachten noch an diesem Tag in Auftrag gegeben wird und ich hoffe, dass wir in der nächsten Sitzung im Sommer das Ergebnis vorliegen haben.

Wie gut ist die Hallertau mit Rettungsdienst-Fahrzeugen versorgt?

Der Nandlstädter Rettungswagen ist werktags von 7 bis 22 Uhr sowie durchgehend von Samstag, 8 Uhr, bis Sonntag, 22 Uhr, besetzt. Außerhalb dieser Zeit oder wenn der RTW unterwegs ist, werden wir von Mainburg versorgt. Mainburg hat zwar eine 24-Stunden-Wache, aber die haben auch nur ein Fahrzeug für ein riesen Gebiet. Die vorgeschriebene Ausrückzeit von zwölf Minuten ist nachts oder wenn der Nandlstädter RTW unterwegs ist, oftmals nicht zu halten.

Das heißt, die Vorhaltezeit des Nandlstädter Rettungswagens muss ausgeweitet werden?

Ja – unbedingt! Ich persönlich verstehe es nicht, wieso man eine Rettungswache nur tagsüber besetzt – Krankheiten treten schließlich zu jeder Tages- und auch Nachtzeit auf. Derzeit ist es so, dass man 15 Stunden am Tag abdeckt, und die anderen neun Stunden spielen keine Rolle – das ist für mich nicht nachvollziehbar.

Sie fordern also eine 24-Stunden-Wache in Nandlstadt?

Ja! Wieso ist der Mensch nach 22 Uhr weniger wert? Das einzig Sinnvolle für mich ist eine 24-Stunden-Wache. Leider habe ich auf diese Entscheidung keinen Einfluss.

Trotzdem sind Sie mit einigen Nord-Bürgermeistern aktiv geworden . . .

Das stimmt. Wir werden natürlich versuchen, Druck auszuüben. Meine Bürgermeister-Kollegen etwa aus Au, Attenkirchen, Hörgertshausen und auch Gammelsdorf sehen das genauso wie ich – die sind ja auch betroffen. Nehmen wir mal Gammelsdorf her: Das nächste Fahrzeug steht in Moosburg. Ist dieses unterwegs, würde Nandlstadt alarmiert werden. Ist dieses Fahrzeug aber nicht besetzt, dann kommt der Rettungswagen aus Freising. Da vergeht wahnsinnig viel Zeit, bis dem Patienten geholfen werden kann.

Doch auch von Nandlstadt aus vergehen mehr als zwölf Minuten. . .

Die Hilfsfristen wird man so oder so nicht einhalten können. Aber von Nandlstadt aus bin ich immer noch schneller vor Ort.

Bereits im Juli vergangenen Jahres haben die BRK-Verantwortlichen eine Ausweitung der Vorhaltezeiten gefordert – ein Gutachten, das 2019 erstellt wurde, sieht die Notwendigkeit (noch) nicht. Das widerspricht sich, oder?

Naja – das eine sind Leute, die in München in einem Büro sitzen und eine reine Zahlenrechnung machen, und das andere ist die Praxis. Und die sieht einfach anders aus. Es ist doch logisch, dass in der Zeit, wo das Fahrzeug nicht da ist, die Hilfsfrist nicht eingehalten werden kann.

Es ist also höchste Zeit, dass das Thema auf den Tisch kommt?

Ich finde es sehr schade und auch traurig, dass ich darüber überhaupt diskutieren muss – gerade in einer Zeit, wo wir eine Pandemie haben. In einer Zeit, wo Milliarden etwa in die Lufthansa gepumpt werden, diskutiere ich über einen Rettungswagen – da fehlt mir jegliches Verständnis.

Der Stellplatz in Nandlstadt war kürzlich Thema in der Rettungszweckverband-Sitzung. Wie haben die Mitglieder auf eine erneute Überprüfung reagiert?

Als der Erdinger Landrat im Herbst über einen Artikel im Freisinger Tagblatt von dem Problem erfahren hat, hat er sofort reagiert und sich die Zahlen geben lassen. Und in der letzten Sitzung gab’s auch überhaupt keine Diskussion über die Nachbegutachtung – weder seitens des Landrats, noch von Seiten der RZV-Mitglieder.

Wenn Nandlstadt keine 24-Stunden-Wache werden sollte. . .

. . . dann wäre ich sehr enttäuscht – mit einer Stundenerhöhung würde ich mich nicht zufriedengeben. Für mich gibt es keine Diskussion – schon gar nicht in dieser Zeit. Wenn ein Gutachter anders entscheidet, dann ist das für mich nicht nachvollziehbar.

Sie selbst haben über 20 Jahre im Rettungsdienst gearbeitet – und fahren auch heute noch ehrenamtlich Schichten. Wie denken Ihre „Kollegen“ über das Thema?

Wären die vorhandenen Räumlichkeiten auch für eine 24/7-Wache ausreichend?

Das ist eine Entscheidung, die der jeweilige Betreiber zu treffen hat. Ich denke aber, dass das kein Problem ist. An den Räumlichkeiten scheitert es sicher nicht.

Sie selbst haben über 20 Jahre im Rettungsdienst gearbeitet – und fahren auch heute noch ehrenamtlich Schichten. Wie denken Ihre „Kollegen“ über das Thema?

Ich denke, dass es für keinen Rettungsdienst-Mitarbeiter nachvollziehbar ist, wieso es Tages-Wachen gibt. Das macht einfach keinen Sinn: entweder 24 Stunden oder gar nicht.

Den Rettungswagenstellplatz in Nandlstadt gibt es jetzt schon seit gut 15 Jahren. Warum ist da nicht schon früher gehandelt worden?

Am Anfang war man froh, dass man überhaupt einen Rettungswagenstellplatz bekommen hat und diesen auch halten konnte. Vor etwa zehn Jahren sind die Zeiten dann etwas erhöht worden – früher war die Samstag-Nachtschicht nicht dabei, und die ursprüngliche Besetzung war von 8 bis 22 Uhr (nicht von 7 Uhr). Man hat da eh schon nachgebessert. Aber mittlerweile ist die Situation so, dass man dringend handeln muss. Ich glaube, dass die Aktion mit den Nord-Bürgermeistern und dem Rettungsdienst-Betreiber sehr gut war, denn jetzt ist Bewegung in die Sache gekommen.

Was erwarten Sie von den Verantwortlichen?

Dass sie mit Menschenverstand ein Gutachten machen. Ich möchte eine 24-Stunden-Wache.

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