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Nach diversen Schließungen ist das Gastronomieangebot entlang der Marktstraße inzwischen erheblich ausgedünnt.

Gastro-Szene in Nandlstadt schrumpft

Hier macht ein Lokal nach dem anderen zu

Eine Wirtschaftskrise herrscht derzeit in Nandlstadt. Zwar verschwanden auch in den Jahren zuvor einige Gasthäuser, Ende 2017 hat sich die Lage jedoch verschärft. So schloss Ende Oktober der Posthalter seine Pforte, ebenso sind im Café La Villa die Türen inzwischen zu.

Nandlstadt – „Nandlstadt ist keine Stadt, aber keine Stadt ist wie Nandlstadt“, lautet ein Spruch über die Hopfengemeinde. Der Slogan mit viel Wahrheitsgehalt war einst im Schwemmwirt zu lesen. Doch dieses Gasthaus ist Geschichte, ab dem Jahr 2010 schloss sich das Kapitel. Die einstige Vorzeigewirtschaft an der Marktstraße, die in den 1980er-Jahren abgerissen und als Hotelgasthof komplett neu gebaut wurde, hat sich inzwischen in ein Boarding-Haus verwandelt. 

Dort wo früher bei Faschingsbällen, Konzerten und Versammlungen buchstäblich das wahre Leben Nandlstadts stattfand, zudem ein gepflegter Stammtisch und gutbürgerliche Küche die Fahne bayerischer Wirtshauskultur hochhielten, geht es heute viel ruhiger zu. Oder anders gesagt: Wo früher getanzt, gelacht und gezecht wurde, wird heute gepennt.

Tinte für die Haut und Flüssiges für die Leber

Zumindest herrscht im Erdgeschoß noch geschäftiges Treiben. Im einstigen Supermarkt hat ein Friseur Einzug gehalten, daneben sorgen eine Arztpraxis sowie ein Internet-Shop für XXL-Jägermode für Leben in der Bude.

Direkt gegenüber, beim Bertlwirt, ist seit Dezember 2014 Schluss. Das Aus hat eine besonders große Lücke im Gesellschaftsleben Nandlstadts hinterlassen. Denn „der Bertl“ war als Kultwirtschaft mit rustikalem Inventar weit umher bekannt, war mehreren Vereinen Heimat und gewährte bereits am Vormittag den Durstigen Unterschlupf.

Nicht nur auf der Straße, wie hier bei einem Radrennen, sondern auch in den zahlreichen Wirtshäusern Nandlstadts war früher einiges los.

Eine wechselvolle Geschichte hat auch der Oberbräu. Wo früher das Leben am Stammtisch pulsierte, geht manchem heute der Puls. Denn nachdem Italiener, Inder und mehrere Asiaten ihr Glück versucht hatten, hat sich die Eckwirtschaft nun in eine „Tattoo & Piercing-Bar“ verwandelt. Mit Tinte für die Haut und Flüssigem für die Leber werden in einer Lokalität damit gleich zwei Bedürfnisse bedient.

Der Stammtisch der Kirchbesucher wandert seit Jahren

Ohne Pächter steht inzwischen auch der Posthalter da. Vor allem Nandlstadts Nachtleben ist durch das Aus des Pilspubs ärmer geworden – dafür der ein oder andere Verein überraschend um eine Sorge reicher. Der Grund: Manche Christbaumversteigerung war bereits im Posthalter terminiert, weshalb urplötzlich ein neuer Ort gefunden werden musste. So etwa beim Spielmannszug, der seine Versteigerung zum Bachwirt verlegte. Denn hier brennt noch Licht. Dorthin wanderte auch der Stammtisch der Kirchenbesucher am Sonntagvormittag, die nach Schwemmwirt, Bertlwirt, Posthalter und Bachwirt die Lokale seit Jahren wie beim Flurumgang wechseln.

Zumindest bei der Pizzeria im Bäckerbräu herrscht Kontinuität, denn seit Jahrzehnten bereichert Wirt Antonio Nandlstadts Esskultur um die italienischen Momente. Anders liegt der Fall nebenan im Café La Villa, das nach der Eiszeit seit November in Schockstarre liegt. Man darf gespannt sein, wie und wann es dort im kommenden Jahr weitergeht und wer die Tür zum Kaffeehaus aufsperrt.

Fragen, die auch bei Vereinen heiß diskutiert werden. So wie jüngst beim VdK, der für seine Neuwahlen im November nach Hausmehring ins Gasthaus Huber auswich. Und künftig? Eine Alternative sah der VdK im Pfarrheim, in dem schon der Kriegerverein Platz fand. Weil dort ein Aufzug fehlt, ist die Örtlichkeit im ersten Stock aber für betagte VdK-Mitglieder ungeeignet.

Martin Hellerbrand

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