Neufahner Kurve: Ein Zug mit 20 Jahren Verspätung

Landkreis - Zwei Jahrzehnte nach der Flughafen-Eröffnung unterzeichnen Bahn-Chef Rüdiger Grube und Minister Martin Zeil den „Realisierungs- und Finanzierungsvertrag“ für die Neufahrner Kurve.

Sechs Jahre lang wurde geplant, bis es im Herbst 2012 endlich den Durchbruch gab: Der Planfeststellungsbeschluss für die Neufahrner Kurve wurde erlassen. Sehr zur Freude der Freisinger. Damit waren Alternativen wie die Marzlinger Spange gestorben, die Freising komplett vom ostbayerischen und überregionalen Zugverkehr abgehängt hätten. Über die 2,5 Kilometer lange Neufahrner Kurve - geschätzte Kosten etwa 85 Millionen Euro - soll Ostbayern an den Airport angebunden werden. Die Kurve schweift von Freising kommend hinter Pulling (nördlich von Neufahrn) zweigleisig aus und führt dann entlang der Autobahn zum Flughafen.

Die Neufahrner Kurve ist nur ein Baustein im Gefüge der Schienenerschließung des Flughafens und quasi der erste Bauabschnitt des längst überfälligen Erdinger Ringschlusses. Doch bevor es hier losgeht, muss erst einmal die halbe Kreisstadt Erding umgeplant und umgegraben werden. Derzeit wird gerade an der Planung des neuen unterirdischen „Verknüpfungsbahnhofs“ auf dem bisherigen Fliegerhorstgelände getüftelt, über den künftig auch der Schienenfernverkehr aus Mühldorf/Salzburg rollen wird. Dabei geht es insgesamt um rund 400 Millionen Euro Baukosten. Bis die erste S-Bahn von Erding zum Flughafen rollt und damit der Schienenring geschlossen ist, wird noch viel Zeit vergehen - zehn Jahre unter Umständen. Noch vor der Jahrtausendwende hatte der damalige Wirtschaftsminister Otto Wiesheu übrigens von der Fertigstellung des Ringschlusses im Jahr 2011 gesprochen.

Baubeginn an der Neufahrner Kurve soll dagegen bereits in diesem Jahr sein. Wie der Neufahrner Bürgermeister Rainer Schneider berichtet, haben inzwischen fünf Landwirte aus dem Gemeindegebiet Neufahrn im Rahmen der Auslegung gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt. Der Grund: Durch die erforderliche Verlegung der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Mintraching und Moosmühle müsste eine Brücke über die A 92 abgerissen werden, und die Landwirte kilometerlange Umwege in Kauf nehmen. „Dadurch, dass von privater Seite Rechtsmittel eingelegt wurden, könnte sich die Realisierung der Neufahrner Kurve wohl verzögern“, glaubt Schneider.

Kommunen haben nicht geklagt. Die Freisinger Stadtverwaltung hatte aber, nach dem Studium des 186 Seiten starken Planfeststellungsbeschlusses, einige Einwendungen gemacht. Etwa, was die Baustelleneinrichtung auf dem Gelände des ehemaligen Freisinger Rangierbahnhofs betrifft. Kritische Punkte: Lärm, Lkw-Verkehr, Grundwasserschutz.

Neufahrns Gemeindechef Schneider hat auch einen großen Wunsch auf dem Herzen: Einen S-Bahn-Halt im Gewerbepark Mintraching, der dort sicher für einen Wachstumsschub sorgen würde. Mit der neuen Gegenkurve würden dafür die technischen Voraussetzungen geschaffen. „Die Anbindung wäre ideal. Man bräuchte nur noch den Bahnsteig bauen“, sagt Schneider, der hier auf die Unterstützung der drei Landtagsabgeordneten hofft.

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