Räuber besprechen sich
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Lagebesprechung im Wald: Da ahnt die Räuberbande noch nicht, dass sie bald ernsthafte Probleme bekommt.

Buch- und Filmpremiere am 5. Dezember in Neufahrn

Ernst Kellers „Vergessene Geschichten“: Kriminell spannend – auf Leinwand und Papier

Der Fürholzener Heimatforscher Ernst Keller hofft, am 5. Dezember seine Buchvorstellung und Kinopremiere durchziehen zu können. Es geht um historische Krimis.

Neufahrn/Fürholzen/Freising – Buch und Film unterscheiden sich dabei vom Titel her nur minimalst: Während der Streifen, der am 5. Dezember um 17 Uhr im Neufahner Cineplex erstmals auf einer Kinoleinwand zu sehen sein wird (weitere Vorstellungen am 9. Dezember um 18.15 Uhr sowie am 12. Dezember um 13 Uhr), den Titel „Freising – Vergessene Geschichten aus unrühmlichen Zeiten“ trägt, heißt das parallel dazu erscheinende Buch „Freising –Vergessene Geschichten“. Wie Ernst Keller erzählt, „geht es dabei um ein paar exemplarisch ausgesuchte Kriminalgeschichten, die sich in Freising und Umgebung tatsächlich zugetragen haben und im Buch zusammen mit weiteren düsteren Geschichten ausführlich beschrieben werden“.

Das Buch besteht aus drei großen Kapiteln

Nachdem Keller 2008 mit „Damals … Unsere Heimat in der Zeit der Weltkriege“ und 2016 mit „Als der Luftkrieg in unsere Heimat kam“ die Nazi-Zeit und militärische Themen unter die Lupe nahm, hat er sich in seiner dritte Doku auf eine etwas andere Form von Mord und Totschlag konzentriert. „Der Zeitraum unserer Fälle, von der Tat bis zur Vollstreckung des Urteils, reicht vom 19. bis in die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts hinein“, so der Heimatforscher.

Doch zunächst zum Buch, das die drei großen Kapitel „Kriminalgeschichten aus den königlichen Gerichtsbezirken“, „Freisinger Wirtshausgeschichten“ sowie „Das Alte Gefängnis und seine Geschichten“ umfasst. Die erste Hinrichtungsstätte befand sich laut Ernst Keller in Freising ab der jüngeren Neuzeit nahe der alten Münchner Straße auf dem Schleiferängerl. Ab 1709 wechselte der Standort des Galgens beim Bau des Scharfrichterhauses auf die Anhöhe zwischen der heutigen Prinz-Ludwig-Straße und dem Plantagenweg.

Eine der wenigen Schilderungen einer Hinrichtung verwahrt die Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek. Danach war es am 20. Dezember 1748 zu einem dramatischen Zwischenfall gekommen: Beim Versuch, einen Geächteten zu hängen, soll zum großen Unwillen der Henkersknechte der Strang gerissen sein. Als diese nun den Verurteilten am Boden erdrosseln wollten, schritten Weihenstephaner Studenten ein, packten den armen Kerl auf ein bereitgestelltes Pferd und brachten ihn in das nahe gelegene Kloster Weihenstephan – „wo die Verfolger keinen Zutritt hatten, weil Weihenstephan damals für die Freisinger Schergen Ausland war“, so Keller weiter.

1803 Abschaffung der Hinrichtungen

Nach der Säkularisation 1803 gab es in der Domstadt überhaupt keine Hinrichtungen mehr. Todeswürdige Verbrechen wie Mord, Raub oder Brandstiftung wurden ab 1848 vor dem Schwurgericht München verhandelt und in München auch vollstreckt.

Seit der Strafrechtsreform 1848 bis Mitte 1862, also in 14 Jahren, verhängten die Richter 327 Todesurteile. 65 davon aber wurden nur noch in die Tat umgesetzt. „Einer von diesen Todeskandidaten kam aus dem königlichen Landgerichtsbezirk Freising –genauer gesagt aus dem Weiler Pallhausen“, weiß der Heimatforscher. Dort lebte und arbeitete Johann Krieger, 33 Jahre alt, genannt der Ochsenhans, als Dienstknecht bei einem Bauern. Er war wegen Raubes III. Grades mit Vermummung zu einer Kettenstrafe auf unbestimmte Zeit verurteilt worden – abzusitzen in der Strafanstalt München-Au. Keller: „Dazu ist zu sagen, die Kettenstrafe war eine bis ins 19. Jahrhundert verbreitete Art der Freiheitsstrafe für besonders schwere Verbrechen. Sie bestand darin, dass man den Verurteilten mit einer eisernen Kette an die Wand seiner Gefängniszelle festmachte oder dass man eine an seine Füße gelegte schwere Kette mit einer eisernen Kugel beschwerte.“

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Nachdem nun Johann Krieger, ein aggressiver Bursche, seine beiden Mithäftlinge aus nichtigen Anlässen – und trotz seiner Einschränkungen – des Öfteren brutal zusammengeschlagen hatte, machte Johann Herz, einer der Zellengenossen, eines Tages Meldung an die Anstaltsleitung. Die Folge war, dass man den Ochsenhans krummschloss. Keller sagt dazu: „Das Krummschließen war eine verschärfte Form des Strafvollzugs. Dabei wurde dem Delinquenten ein Handgelenk mit einer kurzen Kette mit dem Fußknöchel der entgegengesetzten Körperseite verbunden, so dass er sich nicht mehr aufrichten konnte.“

Als Krieger diese schmerzhafte Tortur nach einem Tag überstanden hatte, sollte Herz sein Verpfeifen mit dem Leben büßen. Während der andere Insaße Schmiere stand, brach der Ochsenhans einen Fuß aus dem buchenen Zellenstuhl und erschlug seinen Mithäftling damit. Nach kurzem Prozess stand das Urteil fest: Tod durch Enthauptung mit dem Fallbeil.

Maibaumfreunde spielen Fall nach

In der Film-Doku finden sich exemplarisch ausgesuchte Kriminalfälle aus dem Buch. Einer der Kriminalfälle wird dabei von der Theatergruppe der Maibaumfreunde Giggenhausen nachgespielt. Dabei geht es um ein im ganzen Königreich gefürchtetes Brüderpaar: Georg und Xaver Geiger, 28 und 30 Jahre alt, brechen am 3. September 1854 aus dem Zuchthaus Kaisheim im Donau-Ries aus. In nächtlichen Fußmärschen und in Sträflingskleidern flüchten sie in das 125 Kilometer entfernte Massenhausen, wo die Geliebte des Georg, die Oberdirn Josepha Wimmer, bei einem großen Bauern im Dienste steht. Diese besorgt ihnen Essen und Zivilkleidung. Zusammen gründen sie eine neue Räuberbande und überfallen vor allem abseits stehende Bauernhöfe. Die clevere Josepha wird bald zur Anführerin, weil sie als einzige der Bande Lesen und Schreiben kann.

In einem Waldversteck werden die Raubzüge gefeiert und die Beute verteilt. In ihrer Euphorie nach vielen geglückten Überfällen merken sie nicht, dass ihnen die Gendarmerie auf den Fersen ist. Ein Holzknecht hatte den entscheidenden Tipp gegeben. Mitten im Feiern stürmen die Gendarmen den Lagerplatz. Ein Bandenmitglied versucht noch zu fliehen, wird aber sofort niedergeschossen. Alle werden verhaftet und in die Freisinger Fronfeste abgeführt.

ft/ba

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