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Offener Brief

Deutliche Worte von Neufahrns Kommandant: „Viele Notrufe sind unnötig“

„Viel zu viele Notrufe sind unnötig!“ Das sagt Neufahrns FFW-Kommandant Reinhold Kratzl. In einem Offenen Brief und aus aktuellem Anlass wendet er sich an die Bevölkerung.

Obwohl in vielen Fällen keine wirkliche Gefahr für Menschen, Tiere, Umwelt oder Sachwerte besteht, wählen viele Bürger die 112. Zu viele, wie Neufahrns FFW-Kommandant Reinhold Kratzl in einem offenen Brief an die Bevölkerung schreibt:

„Retten – Löschen – Bergen – Schützen, das sind seit jeher unsere Aufgaben. Wir übernehmen diese gerne – rund um die Uhr, als freiwillige Feuerwehr. Leider werden wir zunehmend für Ereignisse alarmiert, für die wir gar nicht zuständig sind. Immer häufiger besteht keine wirkliche Gefahr für Menschen, Tiere, Umwelt oder Sachwerte, so dass die Grenze zum Tatbestand des Notruf-Missbrauchs erreicht und sogar überschritten wird. Im Folgenden möchte ich einige Beispiele nennen:

Reinhold Kratzl

* Eine Taube wird von Raben angegriffen! Sicher ein unschönes Bild. doch muss hier die Feuerwehr mit acht Einsatzkräften anrücken?
* Eine Dame hat in ihrer Wohnung aufgeschrien! Einmal, ganz kurz! Der Nachbar alarmiert die Feuerwehr! Wir rücken mit 17 Einsatzkräften an. Als wir an der Wohnungstür klopfen, öffnete eine Dame und berichtet, dass sie einen Alptraum gehabt hätte. Hätte der besorgte Nachbar nicht selbst klopfen und die Notlage aufklären können?
* Eine andere Dame meldet sich bei der Rettungsleitstelle mit einem Wassernotfall. Als wir die Einsatzstelle erreichen, weiß keiner der anderen Mieter, warum wir alarmiert wurden. Als wir die Dame per Handy kontaktieren, ist sie bereits auf dem Weg nach München. Sie sagt, sie wollte sich eigentlich nur beschweren, weil kein warmes Wasser mehr aus dem Hahn käme. Zwölf Einsatzkräfte sind verärgert!
* Ein Mann alarmiert die Feuerwehr wegen eines Wohnungsbrandes im sechsten Stock. Die ganze Wache, Nachbarwehren und der Kreisbrandmeister rücken aus! Nach längerer Suche stellen wir fest, dass eine Frau Kartoffeln kocht und das Fenster gekippt ist – der Rauch ist nur Wasserdampf. Über 50 Einsatzkräfte sind irritiert.

Ich könnte diese Aufzählung nahezu endlos fortsetzen, aber es ist mir wichtig, einmal zu erklären, was eigentlich die Aufgaben der Feuerwehr sind: das Retten von Mensch und Tier aus höchster Gefahr für Leib und Leben, das Löschen von Bränden, das Bergen von Leichen, toten Tieren oder wertvollen Sachgütern. Ebenso schützen wir die Umwelt vor Gefahren, geben Hilfestellung beim Brandschutz und stellen Brandsicherheitswachen bei Großveranstaltungen.

Die FFW Neufahrn hat 80 aktive Mitglieder. Wenn wir jedoch schon in diesem Jahr ca. 70mal zu Fehlalarmen und durch Unachtsamkeit ausgelösten Brandmeldeanlagen gerufen werden, so wird unsere Mannschaft irgendwann immer kleiner werden. Irgendwann eilt niemand mehr mitten in der Nacht in die Feuerwache und rückt aus, um ein angeblich brennendes Fahrzeug zu löschen, welchem jedoch nur ein Kühlerschlauch geplatzt ist. Fakt ist: Viel zu viele Notrufe sind unnötig!

Daher möchte ich Sie im Zusammenhang mit dem Feuerwehr-Notruf um Berücksichtigung folgender Punkte bitten: Liegt eine wirkliche Notlage vor? Geben Sie einen präzisen Notruf ab! Erwarten Sie die Rettungskräfte auf der Straße, denn im Notfall zählt jede Sekunde! Sie dürfen sicher sein: Wir werden auch in Zukunft jedes Mal unverzüglich ausrücken wenn Sie uns rufen. Bitte rufen Sie uns aber nur bei einer wirklichen Gefahr!“

Lesen Sie auch: Auf Neufahrns Feuerwehr ist immer Verlass - trotz Kritik an der Homepage

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