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Pfarrer Otto Steinberger, der das Mahnmal am Samstag einweihte, erlebte das KZ-Außenlager Neufahrn selbst noch als Kind. Der Text auf der Stele: „Zur mahnenden Erinnerung an 500 KZ-Häftlinge, die hier in Neufahrn, einem Außenlager des KZ Dachau, 1945 eingesperrt waren“. 

Stele erinnert nun an die Neufahrner KZ-Häftlinge

Ort der Erinnerung, Ort der Mahnung

Der Heimat- und Geschichtsverein Neufahrn hat zur Erinnerung an eine Außenstelle des KZ-Dachau eine Gedenk-Stele errichtet. Es war eine konzertierte Aktion von Kirchen, der Gemeinde, Unternehmen und Vereinen. Eine Aktion, die auch auf überregionales Interesse stieß. Das Mahnmal erinnert an 500 Häftlinge, die Unmenschliches erleiden mussten.

Neufahrn– Pfarrer Otto Steinberger erinnerte zunächst als Zeitzeuge daran, wie sinnlos das zur Errichtung eines Flugfeldes eingerichtete KZ-Außenlager kurz vor Kriegsende gewesen sei. Und er betonte, wie gnadenlos mit den Häftlingen umgegangen wurde. Als Bub war er am Stacheldrahtzaun gestanden und hatte ein Spielzeug in den Händen eines der Insassen entdeckt. Er tauschte es gegen ein Stück Brot. Die Häftlinge hätten gehungert, manche das Lager nicht überlebt, wusste Steinberger im Kreis von etwa 150 Zuhörern zu berichten. Errichtet wurde das Mahnmal exakt an der Stelle, wo die 500 Häftlinge vor 70 Jahren von den Amerikanern befreit wurden – an der heutigen Dietersheimer Straße 56, auf dem Gelände des Wasserzweckverbandes, der das Grundstück für das Mahnmal zur Verfügung stellte. Gestiftet hat die Stele der Neufahrner Unternehmer und FDP-Gemeinderat Markus Funke.

Viele hätten ihren Beitrag geleistet, betonte Bürgermeister Franz Heilmeier im Beisein von Landrat Josef Hauner und des Landtagsabgeordneten Benno Zierer. Allen voran nannte er den Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins, Ernest Lang. Im Fokus eines BR-Kameramanns sprach auch Heilmeier von dem „wahnwitzigen Plan“, so kurz vor Kriegsende noch ein KZ-Außenlager zu errichten. Das Lager, das an dem Mahnmal in Form einer Luftaufnahme zu sehen ist, habe tiefe Narben hinterlassen, jetzt aber zumindest einen „festen Erinnerungsplatz“ im Ort. Initiator Ernest Lang verwies auf die meist lange Leidenszeit, die die Häftlinge in den Lagern durchgemacht hätten. In Neufahrn seien die Verhältnisse nicht besser als anderswo gewesen. Die Häftlinge seien teilweise krankenhausreif geprügelt worden. Einer, Artur Taube, ein Landarbeiter aus Polen, sei gestorben.

Glücklich schätzte sich Lang, dass mit Ex-Staatssekretär Karl Freller der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten gekommen war, um bei der Enthüllung des Mahnmals dabei zu sein. Auch Freller sprach von schwerster körperlicher Zwangsarbeit in dem Außenlager. Die Schrecken der Nazi-Herrschaft in Neufahrn dürften genau so wenig in Vergessenheit geraten, wie etwa die in Auschwitz oder Buchwald, betonte Freller.

Gut zu wissen

Für alle, die noch mehr wissen wollen: Ernest Lang spricht am heutigen Dienstag (Beginn um 20 Uhr) im Neufahrner Gasthof Maisberger über das KZ-Außenlager Neufahrn.

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