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Ein Gemeinschaftswerk anno 1930: Die neue Isarbrücke bei Grüneck

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Die Brücke bei Grüneck
Gefährlicher Zustand: So sah die alte Holzbrücke bei Grüneck, die aus den 1860er-Jahren stammte, im März 1930 aus. Das Bauwerk war schadhaft und musste nach jedem Frühjahrshochwasser ausgebessert werden. © Landratsamt

Ein Gemeinschaftsprojekt war der Neubau der Isarbrücke bei Grüneck im Jahr 1930. Kreisheimatpfleger Bernd Feiler schildert die spannende Geschichte.

Landkreis - Über die Flüsse und die Bäche im Landkreis Freising führen insgesamt 51 Brücken, die alle nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Für 33 dieser Stahl- oder Spannbetonbauten trägt der Landkreis Freising die Baulast. Vor 90 Jahren waren zahlreiche Brücken im Bezirk Freising, dem Vorgänger des heutigen Landkreises, noch Holzkonstruktionen aus dem 19. Jahrhundert. Diese alten Flussübergänge waren für den sich entwickelnden Automobilverkehr nur bedingt geeignet und drohten unter der Last der Lkw und Autobusse zusammenzubrechen.

Die kaputte Schalung in der hochwasserführenden Isar
Zwischenfall: Eine Hochwasserwelle riss Mitte Mai 1930 die Schalung des dritten Strompfeilers weg. © Landratsamt

In den 1920er-Jahren setzte deshalb im Landkreis eine rege Bautätigkeit ein, die durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. Nach und nach ersetzten moderne Stahlbetonbauten die hölzernen Brücken oder ergänzten sie. Das Archiv der Kreisheimatpflege verwahrt ein Fotoalbum, das die Bauabschnitte einzelner Brückenbaumaßnahmen zur Zeit der Weimarer Republik sorgfältig dokumentiert. Das Album ist Karl Schels gewidmet, der als Chef des Bezirksamts Freising ein Vorgänger des heutigen Landrats war. Die Fotografien entstanden in den Jahren 1924 bis 1934 und stammen vermutlich größtenteils von Bezirksbaurat Ludwig Reissermeier. Er war für den Hoch- und den Tiefbau sowie für die Baudenkmalpflege verantwortlich.

Das Bild zeigt die geschalten Pfeiler.
Baubeginn: Schon Ende Mai waren die Schäden des Hochwassers am Bauwerk behoben. Als am 28. Mai 1930 das Foto entstand, waren sämtliche Pfeiler fertig betoniert. © Landratsamt

Eine neue Isarbrücke für Grüneck

Seit den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts führte bei Grüneck eine Holzbrücke über die Isar. Das Bauwerk war 1930 schadhaft und musste nach jedem Frühjahrshochwasser der Isar ausgebessert werden. Darüber hinaus hatte der Bezirk Freising den Anschluss an das Postbusnetz beantragt. Die Linie Freising – München sollte über Hallbergmoos und Grüneck, also auch über die dortige Isarbrücke führen.

Man sieht Bauarbeiten
Ausbau: Im Juli 1930 begannen die Arbeiter mit dem Betonieren der Fahrbahn und dem Auftrag des Zementestrichs auf den Fußwegen. © Landratsamt

Da die alte Holzbrücke die schweren Omnibusse nicht tragen konnte, forderte die Oberpostdirektion den Neubau einer Isarbrücke. Und so realisierten die Gemeinden Neufahrn und Hallbergmoos, die Bezirke Freising und Erding sowie Gutsbesitzer Josef Selmayr aus Erching den Brückenneubau als Gemeinschaftsprojekt.

Dieses konnte in der Rekordzeit von nur vier Monaten durchgeführt werden, obwohl die Arbeiten unter ungünstigen Bedingungen stattfanden. Im April 1930 begannen die Bauarbeiten mit der Errichtung einer Arbeitsbühne. Es folgte die Betonierung der ersten beiden Strompfeiler des Unterbaus. Die Arbeiten schritten rasch voran, bis Mitte Mai ein Hochwasser den Notsteg und die Schalung des dritten Strompfeilers mit sich riss. Schon eine Woche später, am 28. Mai, waren die Schäden behoben und alle sieben Pfeiler fertig betoniert.

VON KREISHEIMATPFLEGER BERND FEILER

Die neue Eisenbetonbrücke
Fertigstellung: Die neue Eisenbetonbrücke, 94 Meter lang, auf sieben Betonpfeilern mit Eisenbeton-Massivdecke, wurde Ende Juli 1930 fertiggestellt. © Landratsamt

Im Juni nahmen die Arbeiter den Überbau in Angriff, es folgte die Betonierung der Fahrbahn und Ende des Monats deren Asphaltierung. Am 3. August fand in Anwesenheit zahlreicher Gäste und der Bevölkerung die Einweihung der neuen, 94 Meter langen Brücke statt. Nachdem Domdekan Anton Scharnagl den kirchlichen Segen gespendet hatte, übergab Bezirkschef Oberregierungsrat Karl Schels das Bauwerk dem Verkehr. Im April 1945 sprengten SS-Einheiten die Grünecker Isarbrücke. Erst 1953 war eine neue Brücke vollendet, die seit 2009 ein Stahlverbundbau ersetzt.

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