„Unsere Kinder sollen ein Miteinander erleben können“, sagen Irmi und Martin Hierhager, hier mit ihren Sprösslingen Moritz und Ida. Deshalb sind sie bei der Genossenschaft mit von der Partie.
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„Unsere Kinder sollen ein Miteinander erleben können“, sagen Irmi und Martin Hierhager, hier mit ihren Sprösslingen Moritz und Ida. Deshalb sind sie bei der Genossenschaft mit von der Partie.

Interview

Rettung des Giggenhausener Metzgerwirts: Junge Eltern helfen mit - für ihre Kinder

  • Andreas Beschorner
    VonAndreas Beschorner
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Die Rettung des Metzgerwirts ist in greifbare Nähe gerückt: Über 750 000 Euro an Zusagen für Genossenschaftsanteile haben Bürger in einer ersten Runde zugesagt.

Giggenhausen - Noch läuft die zweite Runde, man ist zuversichtlich, die notwendige Million zusammenbekommen. Eine Familie, die sich schon eingebracht und ihre Unterstützung zugesagt hat, sind Irmi und Martin Hierhager. Dem Freisinger Tagblatt haben sie erzählt, wieso sie sich engagieren und was sie sich von dem Projekt erhoffen.

Was hat Sie bewogen, sich an dem Projekt „Rettung des Metzgerwirts“ zu beteiligen?

Wir wohnen seit zehn Jahren in Giggenhausen und haben historisch familiäre Wurzeln hier. Vor allem die sozialen und kulturellen Aspekte einer Dorfwirtschaft und Dorfmitte haben uns bewogen, uns an einer möglichen Genossenschaft zu beteiligen. Unsere beiden Kinder sollen hier vor Ort ein Miteinander erleben können und unser ehrenamtliches Engagement und Vereinsleben kennenlernen. Gerade in der heutigen Zeit gewinnt dies erfreulicherweise wieder an Bedeutung. Nur durch Erleben können zukünftige Generationen das äußerst wichtige Ehrenamt weiterführen. Ebenso waren die kulturellen Angebote der Dorfvereine ein gewichtiges Argument für den Erhalt einer Dorfmitte durch das Wirtshaus. Wir als Erwachsene sind dort engagiert, aber auch unsere Kinder haben dort schon Theater, Weihnachtsfeiern, Fasching, Maifest und anderes erlebt. Mit unserer Beteiligung erhoffen wir uns ein Weiterleben und Weiterentwickeln der Vereinsangebote. So wird das Leben hier im Dorf lebenswert und interessant bleiben. Auch zukünftige Aufgaben, ob Beruf oder Ehrenamt, für unsere Kinder könnten mit der Gründung der Genossenschaft einhergehen. Das würde uns freuen.

Einen finanziellen Gewinn fährt man mit dem Engagement aber wohl nicht ein?

Wir sehen in unserer finanziellen Beteiligung eine solide, langfristige und sichere Geldanlage in eine Immobilie im Speckgürtel von München, die für unsere Kinder und deren soziales und kulturelles Leben von großer Bedeutung werden kann. Die Rendite ist der Erhalt oder sogar die Verbesserung der Lebensqualität und des aktiven Vereinslebens hier im Dorf.

„Wir erwarten uns eine kulturelle und soziale Dorfmitte“

Sind Sie optimistisch, dass das Projekt ein Erfolg wird? Was erwarten Sie sich?

Nach anfänglicher Unsicherheit, Abwägen und vielen kreativen Ideen können wir jetzt ein klares Ja formulieren. Nach genauem Überlegen waren wir uns schnell einig, in diese Genossenschaft mehr als nur einen symbolischen Wert zu investieren. Nach dem ersten Votum des Dorfs und der darüber hinaus zahlreichen Rückmeldungen aus dem Bekannten- und Freundeskreis sowie der Vorstellung des kompetenten Teams sind wir optimistisch, dass das Projekt Genossenschaft für unsere Dorfwirtschaft erfolgreich sein wird. Wir erwarten uns eine kulturelle und soziale Dorfmitte, aber auch ehrenamtliche Arbeit und Engagement. Für uns als Familie hoffen wir auf einen persönlichen und privaten Mehrwert hier im Dorf. Geselligkeit ist uns persönlich wichtig sowie die Vermittlung von bayerischer Vereinskultur.

Wie sind Sie mit Giggenhausen und/oder dem Metzgerwirt verbunden?

Die geselligen Feste im Jahreskreis wie Weihnachten, Fasching oder Maifest sowie die Theaterveranstaltungen über den Maibaumfreunde-Verein, in dem wir beide Mitglied sind, verbinden uns mit dem Metzgerwirt und persönlich mit der jetzigen Wirtin. Unsere Kinder kennen unsere Wirtin „Lisi“, den Biergarten und den Saal, in dem sie ihre ersten kleinen Auftritte hatten. Sie erleben dort das ehrenamtliche Engagement von vielen Menschen hier im Dorf, lernen neue Leute und Kinder bei Festen kennen oder sehen bekannte Gesichter aus anderen Bereichen wie Kirche, Kindergarten, Schule wieder. Das schafft Verbindlichkeit und Beziehung. Unsere ersten Jahre im Dorf waren durch das Hineinwachsen über einen Verein, örtlich verankert in der Dorfwirtschaft, ganz wichtig dafür, dass dieses Dorf unsere Heimat wurde.

„Es war schnell klar, dass es einer richtigen Investition bedarf“

Mit welcher Summe sind Sie bei der Genossenschaft mit von der Partie?

Es war schnell klar, dass es einer richtigen Investition bedarf, um dieses Projekt realisierbar zu machen. Deshalb haben wir uns entschieden, gemeinsam mit einem fünfstelligen Betrag einzusteigen. Auch ehrenamtliches Engagement können wir uns vorstellen. Für unsere Kinder haben wir zwei weitere Absichtserklärungen mit einem geringeren symbolischen Wert unterzeichnet, um die generationenübergreifende Bedeutung zu unterstreichen. Zwei Freunde aus einiger Entfernung kamen auf uns zu und haben sich ebenso mit einer jeweils vierstelligen Absichtserklärung bereit erklärt, dieses regionale Projekt finanziell langfristig zu unterstützen – weil ihnen der kulturelle Schwerpunkt eines bayerischen Wirtshauses und einer Dorfmitte sowie die soziale Komponente einer solchen Geldanlage als wichtig und unterstützenswert erschienen. Das freut uns als Dorfbewohner sehr.

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