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Um die „Megathemen der Zeit“ will sich der Green Campus Neufahrn kümmern, der – so das Ansinnen der Jost Energy AG – südlich des Gewerbegebiets Am Römerweg entstehen soll. 

„Imagegewinn“ - Gemeinderat sagt Ja 

Der „Green Campus“, Neufahrns neues Leuchtturmprojekt

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Den Fokus hat die Jost Energy AG auf Energiethemen gerichtet. Jetzt will das Unternehmen in Neufahrn einen Green Campus errichten - auf einer zwölf Hektar großen Fläche südlich der Römerstraße. Die Gemeinderäte versprechen sich einen Imagegewinn für Neufahrn.

Neufahrn – Nachhaltig, innovativ, ökologisch und ökonomisch, zukunfts- und wegweisend. Die Pläne der Jost Energy AG, auf der Fläche südlich der Römerstraße und des Gewerbegebiets Am Römerweg einen „Green Campus Neufahrn“ zu entwickeln, sind im Gemeinderat auf große Zustimmung gestoßen. Nachdem vor einigen Jahren Anträge der Firmen ProLogis und Transgourmet zur Ansiedlung auf dieser Fläche abgelehnt worden waren, ist man sich im Gemeinderat jetzt mehrheitlich sicher, ein Leuchtturmprojekt realisieren zu können.

Jürgen Jost und seine Firma sind seit 30 Jahren Projektentwickler – „den Fokus stets auf die Energiethemen der Zeit gerichtet“, wie Jost am Montag im Gemeinderat sagte. Beispiel: das Projekt „Brucklyn“ in Erlangen. Was man in Neufahrn vorhat, präsentierte dann Professor Mike de Saldanha: Zwischen Flughafen, der TU in Garching und Freising sowie der Autobahn wolle man sich hier in Neufahrn um die Megathemen der Zeit wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Mobilität kümmern.

Jost Energy AG hofft auf S-Bahn-Haltepunkt im Gewerbegebiet

Der künftige „Green Campus“ sehe nicht nur vor, dass die verschiedenen Gebäude digital und energetisch verknüpft werden, man stelle sich auch einen Nutzungsmix vor: Da werde es Produktion und Verwaltung geben, aber auch Labore, Räume für Start up-Unternehmen, green farming, Firmen, die an neuen Antriebstechniken oder an der Energiespeicherung arbeiten, aber auch Kinderbetreuung und Wohnen – ein echter Campus eben, der da nach den Vorstellungen der Jost Energy AG auf der zwölf Hektar großen Fläche südlich der Römerstraße realisiert werden soll. Und man hofft auf einen S-Bahn-Haltepunkt.

Zeitlich sehe die Sache so aus, dass man in einem Jahr den Masterplan erarbeitet habe, der dann die Grundlage für den Bebauungsplan sei. Im Jahr 2026 sollen die ersten Gebäude stehen, sollen die ersten Beschäftigten hier ihrer Arbeit nachgehen. Wenn es nach der Mehrheit im Neufahrner Gemeinderat geht, dann wird das so sein.

Viele hochwertige Arbeitsplätze am Green Campus in Neufahrn

Zwar fragte Attila Szalontay (AfD), „Was wollt ihr da bauen?“, Maximilan Heumann (SPD) hingegen betonte, Neufahrn brauche mehr Gewerbe. „Aber nicht irgendein Gewerbe“, sondern so eines, wie es die Jost Energy AG hier anstrebe: ökologisch und innovativ, mit hochwertigen Arbeitsplätzen. Christopher Aichinger (FW) tat sich etwas schwerer: Grundsätzlich sei man dem Vorhaben gegenüber positiv eingestellt, denn es bedeute einen „Imagegewinn für Neufahrn“. Aber es bedeute auch mehr Verkehr und neue Belastungen für die Mintrachinger.

Freilich: So eine „tolle Zukunftschance“, wie Felix Bergauer (ÖDP) das Projekt nannte, dürfe man nicht den Nachbargemeinden überlassen, so Aichinger. Christian Meidinger fasste die Einstellung der Fraktion der Grünen so zusammen: Man sei gegen eine Versiegelung der Landschaft. Wenn man aber dem Druck auf die Region auf die Weise nachgebe, wie es die Jost Energy AG hier vorhabe, wenn das neue Gewerbegebiet so umgesetzt und nachhaltig entwickelt werde, wie man das jetzt gehört habe, dann sei das die Art von Gewerbegebiet, die „wegweisend“ sei. Hier würden die Themen bearbeitet, die für die Zukunft wichtig seien. Freilich: Man werde genau hinsehen, wie sich das Projekt entwickele und dass es sich nicht in eine falsche Richtung entwickele. „So ein Projekt suchen und fordern wir seit 15 Jahren“, war Umweltreferent Frank Bandle (Grüne) begeistert.

Zustimmung und Rückenwind auch von der CSU: Ozan Iyibas hob die Kompetenzen und die gute Vernetzung der Jost Energy AG hervor, schwärmte davon, dass man hier „im magischen Dreieck“ zwischen den TU-Standorten und dem Airport alles bündeln könne. Es gehe jetzt um eine Absichtserklärung, die noch zu klärenden Themen wie beispielsweise die Verkehrsanbindung müsse man im Laufe des Verfahrens Punkt für Punkt abarbeiten.

Skeptiker: Falscher Standort, schlechte Anbindung

Doch es gab auch Skeptiker: Norbert Manhart (FW) beispielsweise fand das Projekt zwar auch zukunftsweisend, fand den Standort aber falsch. Was, wenn sich der „Green Campus“ tatsächlich so erfolgreich entwickle, wie man das erhoffe? Dann gebe es auf diesem Areal mit zwölf Hektar keine Erweiterungsmöglichkeit. Und auch die Bürger für Neufahrn waren dagegen: Der Standort sei falsch, die Anbindung nicht gut, der Gemeinde gehe „viel Geld durch die Lappen“, wenn sie die Fläche an einen Investor verkaufe, den Grund solle man lieber heimischen Firmen geben, die nach Gewerbeflächen suchen.

Der Beschluss des Gemeinderats, einen Gewerbecampus auszuweisen, die Entwicklung des „Green Campus“ mit der Jost Energy AG voranzutreiben und die Flächennutzungsplanänderung vorzubereiten, fiel mit großer Mehrheit: 19:6, so das Abstimmungsergebnis. Dagegen votierten Norbert Manhart (FW), Attila Szalontay (AfD), Christa Kürzinger (CSU), Franz Eckl (FDP) und Christian Buschendorf sowie Johannes Häuser (beide BfN).

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