„Nicht zu tolerieren“

Wütender IAA-Protest: Aktivisten überkleben im Kreis Freising Autobahnschilder - mit eindeutiger Botschaft

  • Manuel Eser
    VonManuel Eser
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  • Katharina Haase
    Katharina Haase
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Eine riesige Protest-Aktion gegen die Internationale Automobilausstellung IAA in München hat am Dienstag den Verkehr auf mehreren Autobahnen lahmgelegt.

Neufahrn - Eine Protest-Aktion gegen die Internationale Automobilausstellung IAA hat am Dienstag, 7. September, den Verkehr rund um München lahmgelegt. Auf mehreren Autobahnen seilten sich Aktivisten von den Brücken ab, überhängten Autobahnschilder mit Protest-Nachrichten und blockierten den Verkehr. Betroffen waren davon auch zwei Posten im Kreis Freising: die A 92 auf Höhe Neufahrn und die A 9 bei Fürholzen.

Auf der A 9 hatten die Aktivisten die Autobahnschilder überklebt. Statt Ortsnamen waren dort nun Botschaften wie „Verkehrskollaps in 2000 Metern“ oder „Smashcarlobby&Industrie - NO IAA“ zu lesen. Autofahrer, die die Aktion beobachteten, alarmierten die Polizei.

Protestaktion sorgt für Staus von mehr als zehn Kilometern

Gegen 8.30 Uhr rückten die Polizeikräfte aus, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord dem FT auf Nachfrage mitteilte. Um die Umweltaktivisten zu „sichern“, wie es im Polizeijargon heißt, mussten die Fahrbahnen zeitweise komplett gesperrt werden. „Unter anderem waren hierzu Spezialkräfte der Höhenrettung, eine Drehleiter der Feuerwehr sowie ein Polizeihubschrauber im Einsatz.“

Eine Aktivistin seilt sich an der A94 bei Markt Schwaben an der Autobahnbrücke ab.

Durch die Sperrungen bildeten sich Staus mit einer Länge von bis über zehn Kilometern. Erst gegen 11 Uhr konnten alle Autobahnen wieder vollständig für den Verkehr freigegeben werden.

Protest-Aktion gegen die IAA auf der A9 bei Fürholzen.

Nach den bisherigen Ermittlungen beteiligten sich insgesamt rund 15 Personen an der Protestaktion, die sich auch auf die Autobahnen A 94 (bei Neufarn/Vaterstetten) und A 96 (Höhe Germering) erstreckten. Wie der Polizeisprecher mitteilte, wurden die Aktivisten vorübergehend in Gewahrsam genommen. In enger Absprache mit den zuständigen Staatsanwaltschaften wird unter anderem wegen Straftaten der Nötigung und des Gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt.

Größter Polizeieinsatz seit 20 Jahren: Aktivisten wollen IAA stoppen - Autobahnen blockiert

Bis zu 4500 Beamte sind wegen der IAA im Einsatz. Es wird mit der Beteiligung von bis zu 50.000, dem linksextremistischen Milieu zuzuordnenden Aktivisten, gerechnet. Wie Innenminister Joachim Herrmann mitteilte, könnte es der größte Polizeieinsatz in München seit 20 Jahren werden.

Verkehrschaos wegen IAA-Protesten. Hier auf der A9 bei Fürholzen.

Nachdem es bereits in den Vorjahren am Messe-Standort Frankfurt am Main immer wieder zu massiven Protesten gegen die IAA gekommen war, wurde das Konzept verändert und die Messe nach München verlegt. Dies besänftigte die radikalen Protestler jedoch kaum. „Wir fordern autofreie Städte, einen stark ausgebauten und kostenlosen ÖPNV - vor allem auf dem Land. Und den sofortigen Baustopp aller Autobahnprojekte“, heißt es in einer Pressemitteilung der Aktivisten.

VDA weist Kritik an IAA zurück und fordert Aktivisten zum Dialog auf

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wies die Kritik zurück. „Die IAA Mobility zeigt den Weg zur klimaneutralen Mobilität“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Gewalt sei jedoch keine Lösung bei Meinungsverschiedenheiten. „Unser Angebot zum Dialog steht.“

Nach IAA-Protesten auf Autobahnen: Staatsminister kritisiert Aktion scharf

Auch Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann reagierte scharf auf die Proteste. Selbstverständlich seien Demonstrationen,
Proteste und Meinungsäußerungen immer möglich, aber auch für sie gebe es einen Rahmen der Gesetze, sagte der
CSU-Politiker am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Wenn andere Menschen durch die Aktionen
gefährdet würden, sei dies nicht zu tolerieren.

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