Schwere Vorwürfe gegen 47-Jährigen aus Neufahrn

Lkw-Fahrer betäubt und ausgeraubt?

War der 47-Jährige Türke aus Neufahrn ein spendabler Landsmann oder ein kaltblütiger Räuber? Vor der 1. Strafkammer des Landshuter Landgerichts wird der Reinigungskraft vorgeworfen, Lkw-Fahrer mit einem Beruhigungsmittel im Kaffee, den er spendierte, außer Gefecht gesetzt und sie dann „ausgenommen“ zu haben.

Neufahrn/Landshut – Laut der von Staatsanwalt Christian Rottmeier vertretenen Anklage war der arbeitslose 47-Jährige, der aus der Türkei stammt, bereits vor dem 6. Dezember 2012 zu dem Entschluss gekommen, mit vornehmlich türkischen Lkw-Fahrern auf Parkplätzen ins Gespräch zu kommen und sie auf ein Getränk einzuladen, in dem er zuvor das Beruhigungsmittel Oxazepam aufgelöst hatte. Nachdem die Opfer bewusstlos gewesen seien, habe er die Lkw nach Bargeld und Wertgegenständen durchsucht und mitgenommen. Zur letzten dieser fiesen Raubtaten soll es am 30. August 2014 gekommen sein. Da sprach laut Anklage die Reinigungskraft auf dem Parkplatz des BMW-Geländes in Eching einen türkischen Lkw-Fahrer an, lud ihn in ein Spielcasino in Neufahrn ein und spendierte ihm dort ein mit Oxazepam versetztes Getränk. Als das Opfer müde wurde, brachte es der 47-Jährige zurück zum Lkw. Dem Bewusstlosen soll er dann 400 Euro und zwei Handys entwendet haben. Die Anklage wirft dem 47-Jährigen noch einen zweiten Fall aus dem Jahr 2012 vor. Auch hier soll er einem Lkw-Fahrer den Kaffee mit Oxazepam „versüßt“ haben. Der Fahrer verlor das Bewusstsein, und der Angeklagte soll ihm 700 Euro, 700 türkische Lira und ein Handy geraubt haben. Als der Lkw-Fahrer gegen 2 Uhr nachts aufwachte und seine Tour fortsetzen wollte, baute er kurz darauf auf der B 11 bei Dietersheim einen Unfall.

Zum Prozessauftakt vor der 1. Strafkammer äußerte sich der 47-Jährige zu den Anklagevorwürfen nicht. In aller Ausführlichkeit schilderte er aber seinen Lebenslauf. In der Türkei habe er in einer Textilfabrik gearbeitet, ehe er seinen Militärdienst abgeleistet habe. Dabei sei es zu zwei Kampfeinsätzen gegen die PKK gekommen. Daher rührten seine Angstzustände her. 1999 sei er nach Deutschland gekommen und habe sich mit diversen Jobs durchgeschlagen. Seit sechs Jahren leide er unter Depressionen und Angstzuständen, dazu kämen Schmerzen. Deshalb sei ihm auch das Medikament mit dem Wirkstoff Oxazepam verschrieben worden.

Der psychiatrische Sachverständige Dr. Bernd Weigel bescheinigte dem 47-Jährigen zwar eine leichte Depression und Panikstörungen, allerdings hätten die keine Auswirkung auf seine Schuldfähigkeit. Ihm gegenüber, so der Gutachter, habe der Angeklagte den Raubvorwurf aus dem Jahr 2012 bestritten. Eingeräumt habe er aber, dem Fahrer vom BMW-Gelände in Eching zwei Oxazepam-Tabletten gegeben zu haben, weil der über Schlafstörungen geklagt habe. Aufgesucht habe er die Parkplätze nach seinen Angaben, „um soziale Kontakte zu knüpfen.“

So etwas wie bei dem Unfall in Dietersheim habe er noch nie erlebt, so einer der Polizeibeamten, die damals vor Ort waren. Der Lkw-Fahrer sei völlig verwirrt gewesen. Schon damals sei bekannt geworden, dass sich eine Person mit einem blauen Kombi auf Lkw-Parkplätzen herumtreibe. Es sei dann ermittelt worden, dass es sich bei dem Verdächtigen um den Angeklagten handle, der eine Vielzahl von Fahrern angesprochen und auf Getränke eingeladen haben soll.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Allerdings steht die Anklage auf wackligen Beinen: Die beiden Opfer erreichte die Ladung in der Türkei bisher offenbar nicht.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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