Aktion „Gedeckter Tisch“ vor dem Neufahrner Gasthof Maisberger
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Es könnte so gemütlich sein: (v. l.) Elke, Günter und Claudia Maisberger an ihrem gedeckten Tisch.

Protestaktion „Gedeckter Tisch“ in Neufahrn

Maisberger fordert uneingeschränkte Öffnung - „das kann so nicht weitergehen“

Leere Tische, leere Betten: Verzweiflung und Unmut wachsen. Mit der Protestaktion „Gedeckter Tisch“ machten Gastronomen und Hoteliers am Montag auf ihre Situation aufmerksam - auch in Neufahrn.

Neufahrn - „Viele sind einfach mürbe“, sagt Claudia Maisberger, stellvertretende Vorsitzende des Freisinger Kreisverbandes des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA. Sie betont: „Es reicht jetzt! Wir brauchen Öffnungsperspektiven.“

Maisberger betreibt mit ihrer Familie den gleichnamigen Hotel-Gasthof an der Bahnhofstraße. Die Situation im Gastgewerbe macht sie am Beispiel ihres Betriebes deutlich: Man habe alles Erdenkliche getan, um mit Hygienekonzepten für die Sicherheit von Gästen und Personal zu tun. „Und jetzt wird so getan, als wären wir die Superspreader“, sagt sie kopfschüttelnd.Dabei habe das Gastgewerbe, so Bayerns DEHOGA-Präsidentin Angela Inselkammer, ein sehr viel weitreichenderes Konzept als der Handel. Dass Hotellerie und Gastronomie kein Pandemietreiber sei, habe das RKI jüngst in seinem Control-Covid-Plan bestätigt.

Derzeit kommen die Maisbergers nur auf 10 bis 15 Prozent des gewöhnlichen Umsatzes

Gerade mal zehn bis 15 Prozent des gewöhnlichen Umsatzes macht der Betrieb der Maisbergers aktuell unter der Woche – ausschließlich mit Gästen, die beruflich unterwegs sind. Am Wochenende tendiert das Geschäft, so Maisberger, gegen Null. Das Kurzarbeitergeld kommt zwar an. Die von der Regierung beschlossenen Unternehmenshilfen fließen dagegen spärlich. „Wir müssen an unsere Reserven gehen.“

Ohnehin sind finanzielle Hilfen nur ein Tropfen auf den heißen Stein – und nicht nur für die Gastronomie existenzgefährdend, sondern für viele, die dranhängen: Lieferanten und Wäschereien beispielsweise. Was der Branche am meisten zu schaffen macht ist, ist die Perspektivlosigkeit: „Wir wissen einfach nicht, wann und wie es weitergeht“, beklagt Maisberger. Und die Ungleichbehandlung. Frisöre, Nagelstudios, Blumenläden: Sie durften am 1. März wieder öffnen. „Unsere Bedienung ist nicht so lange am Gast wie ein Frisör“, unterstreicht sie. Dass eine weitere Verlängerung des Lockdowns nicht nur der Branche, sondern der Gesundheit schadet, davon ist Maisberger überzeugt: „Zusperren heißt doch, dass sich alles ins Private verlagert. Da ist alles viel enger als in Gaststätten mit ihren Registrierungs-, Abstands- und Hygienekonzepten. Die Situation gerät doch da viel leichter außer Kontrolle.“

Kritik am ständigen „Auf und Zu“

Maisberger stellt klare Forderungen an die Politik: Die uneingeschränkte Öffnung von Hotels und Gaststätten. Also nicht nur „draußen“ oder bis 20 Uhr. „Da muss die Politik einfach mutiger sein und verantwortbare Konzepte entwickeln.“ Das ständige „Auf und Zu“, die ausschließliche Orientierung an Inzidenzwerten – das kann’s aus ihrer Sicht nicht sein. „Ich habe jetzt eine Anfrage für eine Familienfeier im Mai bekommen und muss den Leuten sagen, dass ich sie nur mit einem Fragezeichen buchen kann. Das kann so nicht weitergehen.“ Schnelltests vor dem Restaurantbesuch? „Wenn das die Voraussetzung ist, gerne. Aber sie müssen bezahlbar und schnell durchzuführen sein.“

Eva Oestereich

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