Prozess

„Maß überschritten“: Neufahrner übertreibt es mit „Zivilcourage“

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Neufahrn – Jugendliche vor seinem Haus hat ein Anwohner (45) aus Neufahrn  beschuldigt, Drogen konsumiert zu haben. Während der Auseinandersetzung soll der Mann einen 15-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Vor Gericht fand jetzt der Rückkampf statt.

Was ist los in der Siedlung? Der angeklagte Anwohner und ein Nachbar (37) beklagen furchterregende Zustände. Einem Familienmitglied seien bereits Scheibenwischer am Auto verdreht worden, fügte der 37-Jährige einer Aussage der Verteidigung an, wonach der Angeklagte nach dem Vorfall vom 16. Dezember 2016 bedroht worden sei.

„Wenn Sie wüsten, was da in Neufahrn alles läuft, wird ihnen schlecht“, versuchte der Angeklagte sein Verhalten gegen Ende des Prozesses vor dem Amtsgericht Freising zu erklären. Von Drogen war die Rede. Über ein Video, das er vor Wochen aufgezeichnet hatte, mühten sich der Angeklagte und sein Verteidiger, den 15-Jährigen wiederholt als Drogendealer darzustellen. Auf den Aufnahmen, die mit dem Verfahren laut Staatsanwaltschaft nichts zu tun hatten, sieht man den Schüler, wie er Geld von einem Jugendlichen annimmt, der seinerseits irgendwas in seinen Taschen zu verstauen scheint. Nach Angaben der Freundin (16) des 15-Jährigen ein Handy. Der Jugendliche selbst meinte, sich lediglich zu erinnern, verliehenes Geld zurückerhalten zu haben.

 Am Tattag, dem 16. Dezember nachmittags, trafen sich der 15-Jährige, seine Freundin und zwei Spezln an der Bank, „um eine zu rauchen“. Zigaretten drehte zumindest einer von ihnen selbst aus Tabak. Vermutlich alarmierte dieser Anblick den Angeklagten. Der 15-Jährige jedenfalls erinnerte sich, dass der Anwohner sich einem der Spezln näherte, ihm ins Gesicht langte und versuchte, in seine Taschen zu greifen. „Das dürfen Sie nicht“, habe er dem Angeklagten zugerufen und sich schützend vor den Spezl gestellt. Nach Angaben der Jugendlichen schlug der Anwohner dem 15-Jährigen zwei Mal mit der Faust ins Gesicht. 

 Auch wenn der Zeuge, der Nachbar, berichtete, den Geruch von Cannabis wahrgenommen zu haben, von Fausthieben dagegen nichts gesehen zu haben, wirkten die Aussagen der Jugendlichen doch auf das Gericht weder gestellt noch abgesprochen. Schlussendlich gelangte der Staatsanwalt zu der Überzeugung, der Angeklagte habe überzogen reagiert. Es ginge hier nicht darum, Zivilcourage zu bestrafen. „Aber Sie haben das Maß überschritten.“ Der Staatsanwalt schien zumindest überzeugt, dass sich der Angeklagte nach womöglich vorausgehenden Vorfällen provoziert wähnte. Gegen eine Geldauflage über 300 Euro stellte das Gericht das Verfahren daraufhin ein.

Rubriklistenbild: © dpa

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