Die sanierungsbedürftige Brücke am Neufahrner Kurt-Kittel-Ring.
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Bleibt vorerst befahrbar – unter strenger Beobachtung: die sanierungsbedürftige Brücke am Neufahrner Kurt-Kittel-Ring.

Brücken-Überbau für 2022 geplant

„Murks von Anfang bis Ende“: Sanierungsbedürftige Brücke in Neufahrn entgeht der Sperrung - noch

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Ein Totalschaden wird der Bahnbrücke am Kurt-Kittel-Ring in Neufahrn attestiert. Der erforderliche Neubau lässt allerdings auf sich warten.

Neufahrn – Diese Aussage ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Klemens Hampf vom gleichnamigen Ingenieurbüro sprach von einem „Totalschaden“. Dieses vernichtende Urteil war das Ergebnis der Untersuchung der Brücke Ost I am Kurt-Kittel-Ring in Neufahrn. Im Gemeinderat stellte Hampf mittels Bildern den desolaten Zustand der Brücke vor, die nun im Jahr 2022 teilerneuert werden muss. Denn auf der Notenskala von 0 bis 4 erhielt das Bauwerk aus dem Jahr 1970/71 die Note 4,0. Die Folgerung laut Hampf: „So kann es nicht weitergehen.“

Die Historie der Bahnbrücke ist seit 50 Jahren eine unerfreuliche. Das begann schon vier Jahre nach ihrer Fertigstellung, als Mängel in Bezug auf die Undichtigkeit des Bauwerks festgestellt wurden. Bei einer Teilsanierung wurden in den 1980er Jahren weitere Mängel festgestellt, 1987 wurden abermals eklatante Mängel konstatiert. Wieder kam es zu einer Teilsanierung. Als die Brücke 1996 bei einer Hauptprüfung die Note 3,8 erhielt, wurde für knapp eine Million Mark eine Generalsanierung veranlasst, die das Bauwerk aber nur kurzfristig in einen akzeptablen Zustand versetzte.

Die Brücke ist ein Fass ohne Boden

2011 erhielt die Brücke bei einer neuerlichen Prüfung zwar die Note 2,7, aber schon da wurde eine neuerliche Instandsetzung mittelfristig angemahnt. Weitere Sanierungen folgten, viel Geld floss in den Erhalt des Bauwerks. Jetzt aber soll Schluss damit sein, dass die Brücke zum Fass ohne Boden wird.

„Murks von Anfang bis Ende“ bilanzierte also Beate Frommhold-Buhl (SPD), die über die Historie der Brücke ebenso schockiert war wie über das Ergebnis der jüngsten Prüfung. Wie Hampf sagte, lägen die Mängel an dem damals gewählten Bauwerkstyp, der nicht im Stande sei, eine dauerhafte Abdichtung zu gewährleisten. Von „chronischen Instandsetzungsproblemen“ war die Rede, in seinem Bericht zum Zustand der Brücke sprach Hampf immer wieder von einem „großen Risiko“ und von einem „desolaten“ und „maroden Zustand“.

Noch ein Jahr warten - zu riskant?

Weil allerdings die Pfeiler der Brücke noch in Ordnung und zudem gleich neben den Bahngleisen gegründet sind, will man diese bei der Brückenerneuerung weiterhin verwenden. Daher schlug Hampf eine Teilerneuerung vor. Im Klartext: „Nur“ der gesamte Überbau soll neu hergestellt werden, wofür im Finanzplan der Gemeinde für das Jahr 2022 zwei Millionen Euro veranschlagt sind.

Genau das beschäftigte die Gemeinderäte. Diverse Nachfragen am Montag zielten darauf ab, ob es nicht zu gefährlich und riskant sei, noch ein Jahr zu warten. „Würden Sie die Brücke sofort sperren?“, fragte Norbert Manhart (FW) ganz direkt. Auch Bürgermeister Franz Heilmeier fasste die Bedenken zusammen und hakte nach, ob es „fahrlässig“ sei, die Brücke noch ein Jahr für den Verkehr offenzulassen.

Bauwerk bleibt unter ständiger Beobachtung

Hampfs Antwort: Ein Jahr könne man die Brücke schon noch befahren. Man müsse sie halt ständig beobachten. Und viel früher als im Jahr 2022 sei das Projekt eh nicht realisierbar, schließlich seien Planungen und Organisation (die auch die Deutsche Bahn und die Bahnstrecke betreffe) nicht in zwei Monaten zu schaffen, sondern würden längere Vorbereitungen in Anspruch nehmen. Der Beschluss, die Planungen für eine Teilerneuerung der Brücke voranzutreiben, um dann nach Abschluss der Planungen und Erstellung einer Kostenberechnung den Projektbeschluss zu fassen, erfolgte einstimmig.

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