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Stark drogenabhängig war der 20-Jährige aus Neufahrn, der vor dem Amtsgericht Freising stand. Mittlerweile hat er den Sprung aus der Sucht geschafft.

20-Jähriger Neufahrner vor dem Amtsgericht Freising

Neuanfang nach Drogen-WG geglückt

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Immer wieder hat sich ein 20-Jähriger im Frühsommer 2017 bei seinem Dealer mit Marihuana und Ecstasy eingedeckt. Damals lebte er auf einer norddeutschen Insel in einer elfköpfigen Drogen-WG. Inzwischen in Neufahrn angelangt, stand er nun vor Gericht.

Neufahrn Trotz seiner noch jungen Jahre blickt der Angeklagte auf einen turbulenten Lebensweg zurück. Nach der Scheidung der Eltern verschlug es ihn über Nordrhein-Westfalen und Württemberg auf eine ostfriesische Insel. Dort fand er in einer Elfer-WG Zuflucht. Gedanken an die Trennung der Eltern ließen ihn nicht los. 

Er begann zu kiffen, zog nach Bayern und landete schließlich in Neufahrn. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft folgte dem 20-Jährigen den langen Weg bis in den Landkreis Freising. Wegen des Handels und Besitzes von Drogen musste er sich dieser Tage vor dem Amtsgericht Freising verantworten. 

Geplagt von Depressionen pilgerte er durch die Republik

Psychologen würden seinen eingeschlagenen Lebensweg vermutlich als klassische Flucht interpretieren. In der Tat weisen die zurückliegenden Monate Kennzeichen einer „Flucht vor sich selbst“ auf. 

Im hohen Norden versuchte er Frieden zu finden: „Es ging ziemlich rund bei uns in der WG“

Niemals hielt er sich lange an einem Ort auf. Geplagt von Depressionen pilgerte er durch die Republik. Denn nicht nur seine Eltern ließen sich scheiden, sondern auch seine Freundin hatte ihm den Laufpass gegeben. Der Angeklagte nahm Antidepressiva. Im hohen Norden hoffte er, Frieden zu finden.

Tatsächlich scheint sich das bewegte Leben in der WG zunächst segensreich auf seine gequälte Seele ausgewirkt zu haben. Jede Menge Kumpels, ständig war was los. 

Keine Zeit für Depressionen. „Ihr habt es ganz schön krachen lassen, was?“, schlussfolgerte Jugendrichter Boris Schätz. Der Angeklagte setzte die Antidepressiva auf der Insel ab, nahm stattdessen Drogen: „Es ging ziemlich rund bei uns in der WG.“

Mittlerweile lebt der 20-Jährige drogenfrei

Die Staatsanwaltschaft Landshut, die den Fall inzwischen übernahm, beschuldigte den 20-Jährigen, mehrmals Cannabis und Ecstasy gekauft zu haben. Die Anklage ging von wenigstens 15 Fällen aus, wobei sich die Mengen an sich in Grenzen hielten. Dem 20-Jährigen wurde vorgeworfen, zwischen einem und vier Gramm Marihuana sowie auf einen Schlag maximal zehn Ecstasy von seinem Dealer bezogen zu haben. 

Richter: „Für einen, der so tief drin gesteckt hat, ist es Ihnen gut gelungen, sich etwas Neues aufzubauen“

Einen eher geringen Teil davon soll er weiterverkauft oder an Spezln verschenkt haben. Das Gros der Drogen konsumierte der Angeklagte anscheinend selbst. Wie er dem Gericht versicherte, lebt der 20-Jährige mittlerweile drogenfrei: „Ich habe meinen Lebensstil total geändert.“ Als durchaus hilfreich erwies sich, dass seine neue Freundin nicht viel davon hält, wenn ihr Freund in düsteren Momenten zum Joint greift. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Geldauflage über 250 Euro, ordnete 20 Sozialstunden und Gespräche mit der Drogenberatung an. 

Richter Schätz gefiel, dass der junge Mann relativ zügig begonnen hatte, sein Leben neu zu ordnen. „Für einen, der so tief drin gesteckt hat, ist es Ihnen gut gelungen, sich etwas Neues aufzubauen.“ 

Erheblich strafmindernd dürfte sich das Geständnis auf das Urteil ausgewirkt haben. Dadurch ersparte er dem Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme mit diversen Zeugen, die möglicherweise aus allen Teilen Deutschlands hätten herangekarrt werden müssen.

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