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Ein Feuerwehrmann löscht am Donnerstagmorgen den ausgebrannten Stadl in Neufahrn. Der Eigentümer des Anwesens starb, als er zum Feuer eilen wollte.

Johann Kummer (51) ist tot

Feuer in Neufahrn: Gemeinderat stirbt auf Weg zu seiner brennenden Scheune

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Neufahrn - Gemeinderat Johann Kummer (51) ist tot: Der Landwirt aus Neufahrn brach zusammen, als er zu seiner brennenden Scheune eilte.

Ein Sitz wird leer bleiben bei der nächsten Gemeinderatssitzung in Neufahrn bei Freising: Johann Kummer, 51, Familienvater und Fraktionssprecher der „Bürger für Neufahrn“, ist am heutigen Donnerstagmorgen gestorben. Viele Jahre war er bei der örtlichen Feuerwehr aktiv – und brach nun ausgerechnet bei einem Brand auf dem eigenen Hof zusammen.

Es ist erst 6.30 Uhr in der Früh, doch mitten in Neufahrn ist es taghell: Meterhohe Flammen schießen aus einem Stadl an der Grünecker Straße, die Rauchsäule ist kilometerweit zu sehen. Als Johann Kummer das Feuer bemerkt, eilt er vom Wohnhaus zur Scheune – doch noch auf dem Weg bricht er zusammen: Sein Herz ist vor Aufregung stehen geblieben. Als ihn wenig später die ersten Rettungskräfte bei ihrer Anfahrt liegen sehen, ist es bereits zu spät. Die Reanimierung bleibt ohne Erfolg.

Der Brand ist rasch unter Kontrolle, die Löschkräfte aus Neufahrn, Eching und Mintraching verhindern mit Unterstützung des Freisinger THW das Übergreifen auf andere Gebäude und lassen die Lagerhalle kontrolliert abbrennen, niemand wird verletzt. Doch ihnen allen geht der Einsatz wie kaum ein anderer an die Nieren – denn bald macht die Runde, dass das Todesopfer ihr langjähriger Kamerad ist. Kommandant Reinhold Kratzl, selbst Nachbar des Toten, steht noch Stunden nach dem Einsatz der Schrecken ins Gesicht geschrieben: „Hans Kummer war auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst nach 25 Jahren ein hilfsbereiter und beliebter Kamerad.“

Fotos: Feuer in Neufahrn - Gemeinderat stirbt auf Weg zu brennender Scheune

Kummer hinterlässt neben seinen Eltern und seiner Frau auch zwei Töchter. Mit ihnen allen trauert ein kompletter Ort. 51-Jährige gehörte seit 2014 auch dem Gemeinderat an. Seine von ihm erst ein Jahr davor gegründete Gruppierung „Bürger für Neufahrn“ eroberte auf Anhieb drei Mandate. Auch auf das Amt des Rathauschefs hatte sich der gut vernetzte Vereinsmensch Johann Kummer damals beworben, jedoch ohne Erfolg.

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Neufahrns Bürgermeister Franz Heilmeier (Grüne) zeigte sich am Donnerstag ebenfalls tief betroffen. „Das ist eine tragische Geschichte und ein großer Verlust“, versucht es Heilmeier in Worte zu fassen. „Johann Kummer war ein absoluter Familienmensch und immer für seine Frau und seine Töchter, die er über alles geliebt hat, da. Im Gemeinderat hat er sich akribisch in alle Themen eingearbeitet und sich für Neufahrn und seine Bürger sehr engagiert.“

Die Schadenshöhe wurde mittlerweile von der Polizei auf rund 150.000 Euro geschätzt, über die Brandursache herrschte am Donnerstag noch Unklarheit. Wie aus Polizeikreisen zu erfahren war, gehen die Ermittler jedoch von einem technischen Defekt aus. Die Löscharbeiten dauerten den gesamten Donnerstag an.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mehrmals aktualisiert.

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