Eingeschneit: Die Traglufthalle am Keltenweg bereitet weiter Probleme. Die Neufahrner Feuerwehr musste bereits dreimal ausrücken, um das Dach von Schnee zu befreien. Vermutlich bis April soll sie nun abgebaut sein. Foto: Fischer

Sie ging nie in Betrieb

Nicht genutzte Traglufthalle könnte bis zu einer Million Euro kosten

Neufahrn – Die Traglufthalle am Keltenweg in Neufahrn hat etwas von einem Schildbürgerstreich. Eigentlich war sie für 300 Flüchtlinge gedacht. Sie ging nie in Betrieb - steht aber noch und verursacht Kosten.

Nein, es war kein Aprilscherz: Am 1. April des vergangenen Jahres stand die Traglufthalle in Neufahrn endlich. Das Landratsamt hat sie im Auftrag des Freistaats Bayern errichten lassen. Damals hieß es, in kurzer Zeit hätten Flüchtlinge einziehen sollen. Bis zum Sommer änderte sich allerdings nichts – und auf einmal sollte die Traglufthalle wieder abgebaut werden. Ohne, dass irgendjemand darin gewohnt hätte. Bis heute hat sich allerdings nichts gerührt – und das bleibt wohl erst einmal so: „Wir können noch keinen konkreten Abbautermin nennen. Er ist abhängig von den Verhandlungen mit der Betreiber-Firma Paranet“, teilte der stellvertretende Pressesprecher im Landratsamt, Robert Stangl, jetzt mit.

Uneinigkeit besteht ihmzufolge in der Frage „des Mietbeginns und der Mietzahlungen“. Die sind laut Stangl abhängig davon, ob und ab wann Paranet die Traglufthalle samt Zubehör vertragsgemäß hergestellt hat – und da herrschen offenbar unterschiedliche Auffassungen. „Auf weitere Vertragsdetails können wir nicht eingehen, zudem wir uns ja in laufenden Verhandlungen befinden“, erklärte der Pressesprecher.

Die Traglufthalle sei für zwölf Monate fest angemietet worden, so Stangl weiter. Auch sei „über eine vorzeitige Beendigung mit Ablösevereinbarung verhandelt“ worden. Es sei aber auch hierüber noch „zu keiner Einigung“ gekommen. „Das zieht sich“, sagte Stangl. Am Ende stellte er noch klar: „Vertragspartner ist der Freistaat Bayern, in dessen Auftrag das Landratsamt handelt. Er übernimmt auch die Kosten.“ Und die haben es in sich: Am Ende könnten sie sich bei rund einer Million Euro einpendeln, heißt es seitens des Landratsamts.

Die Betreiber-Firma verlangt wohl ihr Geld, unabhängig davon, ob die Halle genutzt wird oder nicht. Auf Anfrage hat Paranet bis dato noch nicht reagiert. Spekulationen, wonach im Monat etwa 250 Euro pro Person und Schlafplatz fällig sein sollen, wollte Landratsamtsprecherin Eva Dörpinghaus nicht bestätigen. Man zahle eine Pauschale und nicht pro Person, machte sie deutlich.

Das Grundstück am Keltenweg befindet sich im Besitz des Kommunalunternehmens „Freizeitpark Neufahrn“. Dessen Vorsitzender Hans Mayer erklärte auf Nachfrage: „Wir sind nur Verpächter.“ Mieter sei das Landratsamt respektive der Freistaat Bayern. Wann die Traglufthalle wieder abgebaut werde, wisse er noch nicht. Er gehe allerdings davon aus, dass es nicht mehr allzu lange dauern könne. „Es war immer von einem Jahr die Rede“, stellte Mayer fest. Klar sei, dass laufende Kosten entstünden. Allein schon wegen der Wasserleitungen, die nicht einfrieren dürften, spekulierte Mayer im Hinblick auf die Beheizung der Traglufthalle.

Dass es damit nicht allzuweit her ist, zeigte sich jüngst bei starkem Schneefall. Die Feuerwehr Neufahrn ist bereits dreimal ausgerückt, um die Halle vom Schnee zu befreien. „Der bleibt da liegen, weil die Firma die Heizung nicht angestellt hat“, teilte der stellvertretende Kommandant Robert Friedrich mit. Auch das kostet. Man werde die Einsätze der Betreiber-Firma in Rechnung stellen. Schließlich habe diese um Räumung des Daches gebeten.

Für das Grundstück hat die Gemeinde Neufahrn inzwischen schon eine andere Verwendung. Der Bau einer Kinderkrippe ist beschlossene Sache. „Die Planung läuft“, wie Rathaussprecherin Nicole Dobner mitteilte. Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein – aber wohl eher gegen Ende 2017. Bis dahin dürfte das Problem wohl erledigt sein.

Davon geht auch Eva Dörpinghaus aus. Sie bestätigte die ursprüngliche Vereinbarung von einem Jahr. Demnach könnte das leidige Thema Traglufthalle im April endlich Geschichte sein.

Auch in Gilching gab es Ärger mit der Traglufthalle. Mehr dazu lesen Sie hier.

Alexander Fischer

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