Blick auf den Bildschirm während des virtuellen Treffens
+
An ein Computerspiel erinnert die Plattform, auf der die Neufahrner Grünen bei ihrem virtuellen Treffen den Fragen der Gleichberechtigung nachgegangen sind.

Debatten bei virtuellem Treffen

Frauen und Corona: Neufahrns Grüne sorgen sich um Gleichberechtigung

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Frauen? Was macht sie mit der Gleichberechtigung? Dem sind die Neufahrner Grünen bei einem virtuellen Treffen nachgegangen. Fazit: Frauen sind von der Krise besonders betroffen.

Neufahrn - Helga Stiegelmeier, frauenpolitische Sprecherin des Landesverbandes der Grünen in Bayern, warnte: „Die Corona-Krise wirft die Gleichberechtigung um 30 Jahre zurück.“ Sie verwies sie auf eine Studie der Berliner Soziologin Jutta Allmendinger. Die Corona-Krise habe die Situation von Frauen deutlich verschlechtert: Frauen kümmern sich wieder stärker um Kinder und Haushalt, haben niedrigere Einkommen und müssen häufiger um ihre Arbeitsplätze bangen. Aufgrund der Schließung von Kitas und Schulen bleibt das Gros der Betreuung und des Homeschoolings an ihnen hängen.

Stieglmeier wie auch ihre virtuellen Diskussionspartner fürchten überdies, dass es zu einer „Retraditionalisierung“ – einen Rückfall in alte Rollenmuster – kommt. „In meiner Jugend waren wir schon weiter“, so Kreisrätin Claudia Bosse. Die Rückkehr der „rosa-hellblau Separierung“ macht auch ihr Sorge.

Mit Applaus, schönen Worten und Blumen ist es nicht getan

Frauen als Krisenmanagerinnen haben sich bewährt –sei es in systemrelevanten Berufen als Ärztinnen, Kassiererinnen, Krankenschwestern oder Kindergärtnerinnen. Selbst wenn sie im Homeoffice arbeiten, übernehmen sie das Gros der „Care“-Arbeit – also Haushalt, Kinderbetreuung und Co. Mit Applaus, schönen Worten und Blumen sei es nicht getan, betonte Stieglmeier. Ungleiche Bezahlung und Karrierechancen bleiben – und verstärken sich womöglich. Homeoffice könnte sich, so Stieglmeiers Befürchtung, zur „Falle für Frauen“ entwickeln – ihre Rückkehr zur Außer-Haus-Arbeit und letztlich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verschlechtern. „Frauen werden wieder unsichtbarer.“

Mehr denn je sei ein gesellschaftliches Umdenken gefordert – und auf politischer Ebene eine Verbesserung der Rahmenbindung: Verpflichtende Frauenquoten beispielsweise. Und Modelle, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen fördern. „Erfreulicherweise hat das mit Corona zumindest begonnen“, so Stieglmeier. Es lässt sich auch auf kommunaler Ebene und beim Ehrenamt ansetzen, so das Ergebnis der Diskussion, wo es auch um persönliche berufliche Erfahrungen der Teilnehmerinnen ging.

In der Kommune sollen verstärkt Stellen in Teilzeit ausgeschrieben werden

Melanie Fischer, Gemeinderätin und Ortsvorsitzende, will hier konkret ansetzen und, wie sie sagte, als Mandatsträgerin darauf hinwirken, dass in der Kommune verstärkt Stellen in Teilzeit ausgeschrieben werden. Denn das Gros der Frauen (67 %) mit minderjährigen Kindern arbeitet in Teilzeit. Männer arbeiten indes überwiegend (95 %) in Vollzeit.

Eva Oestereich

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare