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Die singenden Ringer: Hecher-Brüder lassen Olympia 72 Revue passieren - Ein Team war „besonders arrogant“

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Von: Andreas Beschorner

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Alfons Hecher (l.) und sein Bruder Lorenz im Gespräch mit Ernst Lang
Reise in die Vergangenheit: Alfons Hecher (l.) und sein Bruder Lorenz (r.) erinnerten sich im Gespräch mit Ernst Lang an die Olympischen Spiele vor 50 Jahren. © Beschorner

Witzige Anekdoten, aber auch bittere Erlebnisse: Die einstigen Weltklasse-Ringer Alfons und Lorenz Hecher haben in Neufahrn ihre Olympia-72-Erinnerungen erzählt.

Neufahrn – Wenn sie eine Sauna sehen, machen sie einen weiten Bogen darum. Denn schwitzen und Gewicht verlieren, das hat das Leben von Alfons und Lorenz Hecher in jungen Jahren zur Genüge geprägt. Heute sind die Hecher-Brüder, Weltklasse-Ringer und Teilnehmer an den 20. Olympischen Spielen 1972 in München, 76 beziehungsweise 78 Jahre alt. Und wie man beim Zeitzeugengespräch des Heimat- und Geschichtsvereins Neufahrn am Dienstag erfahren konnte, haben sie viel zu erzählen aus ihrer aktiven Zeit als Sportler. Der Saal im Gasthaus Maisberger war bis auf den letzten Platz besetzt.

Sie waren deutsche Spitze, haben sich für das Großereignis in München qualifiziert. 1972 – eine Zeit, in der „die Ostblockmänner“, wie sie Lorenz Hecher im Gespräch mit Ernst Lang nannte, allesamt gedopt waren. Anders die beiden Hecher-Brüder: Amateure waren sie, Lorenz Landwirt, Alfons Maschinenbauer, zum Training in Leistungszentren ging es in den grauen Morgenstunden.

Mit Sakko und Sombrero

Und Geld? Bei Erfolgen gab es „ein bisschen Geld von der Sporthilfe“, berichtet Lorenz Hecher. „Aber nicht so viel, als dass man sich davon etwas kaufen konnte.“ Sein hellblaues Sakko, in dem die deutsche Olympiamannschaft vor 50 Jahren auflief, hatte Alfons Hecher mitgebracht, Lorenz hatte am Dienstag einen Sombrero dabei, den er einer Mexikanerin für 30 Mark abgekauft hatte. Alte Fotos und diverse Videos, die Lang mitgebracht hatte und auf einer Leinwand zeigte, ließen Erinnerungen auferstehen – beispielsweise an den legendären Kampf von Wilfried Dietrich gegen Chris Taylor.

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Selbstverständlich ging es auch um das Attentat der palästinensischen Terrororganisation Schwarzer September auf die israelische Mannschaft am 5. September. Bis morgens um 6 Uhr, so erzählte Lorenz Hecher, hätten sie überhaupt nicht mitbekommen, was sich nur 200 Meter Luftlinie entfernt von ihrem Zimmer im Olympischen Dorf ereignet habe. Das Attentat habe alles verändert, es war das Ende der „heiteren Spiele“.

Der Terroranschlag und seine Auswirkungen

Speziell auf die Ringerwettkämpfe hatte der Terroranschlag Auswirkungen: Denn nachdem verkündet worden war, die Spiele müssten weitergehen, wurden die Gruppen und Paarungen neu ausgelost, weil auch israelische Ringer unter den Opfern waren – Opfer, die auch Lorenz und Alfons Hecher kannten. Und weil sie Pech hatten und ein schweres Los erwischten, habe es eben für eine Medaille nicht gereicht. Außerdem: Gegen die gedopten Sportler aus dem damaligen Ostblock habe man eh kaum Chancen gehabt. Doch während man mit den Sportlern aus der UdSSR, Ungarn, Polen und anderen Staaten jenseits des Eisernen Vorhangs noch reden konnte, waren die Sportler aus der DDR „besonders arrogant“, erinnern sich die Hecher-Brüder. „Die waren einfach so gedrillt.“

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Anders Lorenz und Alfons Hecher. Die haben, so wusste Ernst Lang, bei Veranstaltungen immer mal wieder gemeinsam gesungen, waren sie doch Mitglieder im Männergesangsverein Giggenhausen und sozusagen im Nebenberuf Hochzeitslader. Das sei auch einfacher gewesen als Ringen, schließlich habe man als Hochzeitslader gewusst, was auf einen zukommt, so Lorenz Hecher. Und man hat nicht „Gewicht machen“, vor dem Wiegen tagelang kaum etwas essen und Entwässerungstabletten nehmen müssen. Oder in der Sauna schwitzen.

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