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Den virtuellen Geldbeutel von mindestens vier Senioren hat die Angestellte geplündert.

Angestellte erbeutete mindestens 20 000 Euro

Taschengeldkonten im Seniorenheim geplündert

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Bewohner eines Seniorenheims in Neufahrn hat eine Angestellte (57) um ihr Taschengeld gebracht. Mindestens ein Jahr lang plünderte die in der Verwaltung tätige 57-Jährige die Taschengeldkonten der alten Leute, ergatterte rund 20 000 Euro. Der Betreiber des Senioren-Zentrums hat die Opfer zwischenzeitlich entschädigt. Die Staatsanwaltschaft geht von einem noch höheren Gesamtbetrag aus.

Neufahrn – Seit Juli 2000 war die Frau in dem Seniorenheim beschäftigt. Beweise für die Taten aber vermochte die Anklage nicht vorzulegen. Vergeblich hatte man einen Computer-Stick mit den erhofften Informationen bei der Durchsuchung des Hauses der im Landkreis Erding lebenden 57-Jährigen gesucht. Der Anklagevertreter, der der Frau ein erhebliches Maß an krimineller Energie vorwarf, formulierte ein „ungutes Gefühl“: „Immerhin hat sie fast 15 Jahre dort gearbeitet.“ Von ihrem Taschengeldkonto begleichen die Senioren kleinere Anschaffungen, bezahlen den Frisör oder die Fußpflege.

In dem wegen Untreue eingeleiteten Prozess vor dem Amtsgericht Freising ließ die Angeklagte ihren Anwalt erklären, für ihren Sohn (35) straffällig geworden zu sein. Der 35-Jährige habe sich mit den „falschen Leuten“ herumgetrieben. Möglicherweise sah sie sich gezwungen, Schulden des Sohnes zu bezahlen.

Was genau hinter dieser Geschichte steckt, ob es um Drogen ging, um Spielsucht oder anderweitige Unternehmen außerhalb des Toleranzbereichs der Gesetzgebung, blieb im Dunkeln. Der Anwalt beantragte, die 57-Jährige unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu befragen. Die Mandantin würde nach wie vor bedroht. Das Gericht zog sich daraufhin mit dem Verteidiger zur Beratung zurück, erschien jedoch vor Ablauf von zwei Minuten wieder im Sitzungssaal.

Zum 28. Februar 2015 war der Angeklagten die außerordentliche, verhaltensbedingte Kündigung ausgesprochen worden. Vier Fälle von Untreue konnte man ihr nachweisen. Wobei sie in den ersten drei Fällen von Taschengeldkonten dreier Seniorinnen Beträge zwischen 90 und 3000 Euro entnahm. Eine der Damen ist inzwischen verstorben. In dem vierten angeklagten Fall beläuft sich der Schaden auf annähernd 15 000 Euro. Nach Informationen des Gerichts habe man diesen Fall nicht gänzlich aufschlüsseln können. Die Anzahl der Opfer ist offensichtlich nicht bekannt.

Richterin Tanja Weihönig verurteilte die bis dato nicht vorbelastete 57-Jährige zu einer elfmonatigen Bewährungsstrafe. Der Staatsanwalt hatte zwölf Monate beantragt. Die zur Zeit arbeitslose Frau ist vom Gericht darüber hinaus verpflichtet worden, binnen Jahresfrist 180 Sozialstunden abzuleisten. Wie Richterin Weihönig betonte, wirkte sich vor allem ihr umfassendes Geständnis strafmildernd aus. Dem Gericht war somit eine umfangreiche Beweisaufnahme erspart geblieben – und damit ein sich womöglich über Jahre hinziehender Prozess.

Vor dem Arbeitsgericht hatte sich die 57-Jährige im Vorfeld des Prozesses mit ihrem damaligen Arbeitgeber verglichen. Um den Schaden über insgesamt 20 500 Euro zu ersetzen, verkaufte sie das elterliche Haus, zog mit Sohn, Schwiegertochter und ihren beiden Enkeln nach Niederbayern, wo sie mittlerweile lebt.

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