Das Seniorenzentrum in Neufahrn.
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Corona-Tests vor Ort kann das Seniorenzentrum Neufahrn seit 4. Januar bei Besuchern nicht mehr durchführen. Eine Mail der Heimleitung an Angehörige und Betreuer sorgt für viele Fragen, für Unmut und Unverständnis.

Corona stellt Einrichtung vor Problem

Zu wenig Personal: Keine Schnelltests für Besucher in Seniorenzentrum Neufahrn möglich

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Im Seniorenzentrum Neufahrn werden seit dem 4. Januar keine Schnelltests mehr bei Besuchern durchgeführt. Es fehlt an Personal. Angehörige sind sauer.

NeufahrnSchnelltests unmittelbar vor dem Besuch eines Seniorenheims sind ein wichtiger Baustein im Kampf gegen das Corona-Virus. Doch im Neufahrner Seniorenzentrum – einer Einrichtung der Firmengruppe Pichlmayr – werden laut Mitteilung der Heimleitung solche Schnelltests seit 4. Januar nicht mehr durchgeführt. Das stößt einer FT-Leserin und Angehörigen sauer auf.

Leider ist es uns nicht mehr möglich, für Besucher die Corona-Schnelltests durchzuführen.“

Heimleiterin Gertraud Edenharter in einer Mail an die Angehörigen

Ende Dezember schickte die Leitung des Seniorenzentrums eine E-Mail an Angehörige und Betreuer, in der man „leider mitteilen“ musste, „dass es uns demnächst nicht mehr möglich ist, für Besucher die Corona-Schnelltests durchzuführen“. Wer also Angehörige besuchen wolle, müsse sich ab 4. Januar „eigenverantwortlich vor jedem Besuch“ testen lassen, müsse sein negatives Testergebnis dann mitbringen, das bei einem Schnelltest nicht älter als 48 Stunden und bei einem PCR-Test nicht älter als drei Tage sein dürfe.

Die Heimleitung zitiert eine Auskunft des Freisinger Gesundheitsamts, nach der es für das Seniorenzentrum keine Verpflichtung gebe, „die Besucher unmittelbar beim Besuch unserer Einrichtung mit Schnelltest zu prüfen“. Eine Angehörige hat sich nun an das FT gewandt: Sie und andere Angehörige könnten das nicht nachvollziehen. Ein zwei Tage alter Schnell- und ein drei Tage alter PCR-Test seien ja wohl ungeeignet, die Bewohner des Pflegeheims zu schützen. Zwischen Testung und Besuch gebe es da viele Möglichkeiten, bei denen man sich infizieren könne. Zudem müssten die rund 250 Angehörigen jetzt quer durch verschiedene Landkreise fahren, um die Testzentren zu erreichen – was für die selbst schon teilweise betagten Angehörigen manchmal auch nicht möglich sei.

Gertraud Edenharter, die Leiterin der Neufahrner Einrichtung, reagierte leicht ungehalten auf die Nachfrage des FT: Was man denn eigentlich glaube, dass die Mitarbeiter zu tun hätten? „Wir müssen die Bewohner versorgen, nicht die Besucher.“ Und wo stehe denn geschrieben, „dass wir testen müssen“? Die Antwort auf diese Fragen kommt vom Gesundheitsamt Freising. Das teilte auf FT-Nachfrage mit, dass es keinerlei Absprachen zwischen der Behörde und dem Neufahrner Seniorenzentrum gegeben habe. Und, wichtig: Besucher dürften zwar, wenn sie das Ergebnis eines Schnell- oder eines PCR-Tests (maximal zwei beziehungsweise drei Tage alt) vorlegen, eine Pflegeeinrichtung besuchen. Das große Aber: Wenn Besucher verlangen, vor Ort und vor dem Besuch in der Einrichtung getestet zu werden, dann müsse laut Testverordnung das Seniorenzentrum das auch machen. Eine Rückfrage der Behörde beim Seniorenzentrum habe nicht zur Gänze klären können, wie es zu dieser Situation in der Neufahrner Einrichtung gekommen sei, teilte Landratsamts-Pressesprecher Robert Stangl mit.

Verantwortlicher spricht von „unglückliche Formulierung“

Florian Pichlmayr gibt dem FT gegenüber zu, dass die in der Mail gewählte Formulierung unglücklich sei. Tatsächlich habe die Firmengruppe Pichlmayr schon vor Wochen ein Testkonzept vorgelegt, das auch von den Landratsämtern für die insgesamt 20 Pichlmayr-Heime genehmigt worden sei. Und schon darin habe man festgehalten, dass es die personelle Situation nicht ermögliche, alle Besucher zu testen. Deshalb habe man den Heimleitungen erlaubt, 450-Euro-Kräfte für die Testung anzuwerben. In Neufahrn sei das eben nicht gelungen, die Ressourcen seien erschöpft. Wie das dann in Neufahrn vor dem 4. Januar gehandhabt worden sei, müsse er noch klären. Vor allem werde Florian Pichlmayr aber zusammen mit den Zuständigen in der Firmengruppe am Montag klären, wie man zumindest vereinzelt Testungen von Angehörigen doch durchführen könne.

Die von der FT-Leserin angestellte Vermutung, man kassiere die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zugesagte Pauschale von neun Euro pro Monat und pro Besucher der 115 Bewohner in Neufahrn, verneint Pichlmayr. Man bekomme neun Euro Personalkostenzuschuss nur für nachweisbar durchgeführte und auch dokumentierte Schnelltests. Und noch etwas: Man würde gerne mehr solcher Schnelltests an Besuchern durchführen. Es sei, das wisse er, umständlich und schwierig, sich mit einem Schnelltest anderswo oder einem PCR-Test um einen Besuchstermin zu bemühen. Es fehle aber an Personal, denn schließlich würden auch Krankenhäuser Mitarbeiter zur Durchführung von Tests einstellen.

Lesen Sie auch: Alle Infos zur Corona-Impfung im Landkreis Freising.

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