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Sechs Jahre Knast, keine Sicherungsverwahrung. So lautete am Mittwoch das Urteil für einen 49-Jährigen, der seine zehnjährige Nichte 16 Mal missbraucht hat.

Urteil im Missbrauchsprozess

Nichte (10) 16 Mal sexuell missbraucht: Sechs Jahre Haft

Landkreis Freising  - Sechs Jahre Knast für den Missbrauch seiner Nichte (10): Ein 49-Jähriger ist knapp der Sicherungsverwahrung entkommen. Laut Staatsanwältin ist der Angeklagte eine "Gefahr für die Allgemeinheit".  Eine Gutachterin sprach von "erhöhter Rückfallgefahr".

Zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilte die Jugendkammer des Landshuter Landgerichts einen 49-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis, der seine damals zehnjährige Nichte in 16 Fällen sexuell missbraucht hat. Der Verhängung einer Sicherungsverwahrung entkam der Täter nur knapp. Abscheuliche Sexpraktiken, mit denen der Mann seine Nichte 2012 und 2013 traktiert hatte und von denen er auch noch pornografische Bilder schoss und Videos drehte, listete die Anklage auf.

Aufgeflogen war der 49-Jährige, weil sich die Schülerin vor zwei Jahren einer Lehrerin anvertraut hatte. Wie schon bei seinen ersten polizeilichen Vernehmungen so legte der 49-Jährige auch zum Prozessauftakt ein Geständnis ab, das er am zweiten Verhandlungstag bestätigte. Die sexuellen Übergriffe gab er zu. Bei der Nichte habe er „leichtes Spiel“ gehabt. Das inzwischen 13-jährige Opfer hatte bei den polizeilichen Vernehmungen die einzelnen Vorfälle geschildert und angegeben, dass ihr der Onkel zwar weh getan, sie sich aber nicht gewehrt habe, „weil er doch so groß und stark war.“

Die Sachverständige Dr. Susanne Lausch, Fachärztin für Psychiatrie, bescheinigte dem 49-Jährigen eine narzisstisch-dissoziale Persönlichkeitsstruktur: „Wenig Scham- und Schuldgefühle, Sado-Maso-Aspekte, große Selbstgefälligkeit und orgastische Erlebenssucht.“ Was seine Sexualität angehe, gebe es Hinweise auf Pädophilie, die aber als „Nebenströmung“ einzustufen sei, wobei er noch über Kontrollfähigkeit verfügt habe. Für eine verminderte bzw. gar aufgehobene Schuldfähigkeit gebe es keinerlei Anhaltspunkte, beteuerte die Gutachterin, die ausführlich zur Frage der Voraussetzungen einer Unterbringung in der Sicherungsverwahrung Stellung nahm. Sie verwies darauf, dass beim Angeklagten wohl schon über Jahre hinweg pädophile Neigungen, im aktuellen Fall eine aktive Tatplanung vorgelegen habe. Es bestehe eine erhöhte Rückfallgefahr.

Die Prognose sei derzeit ungünstig. Eine Behandlung sei notwendig, wobei es sich nur um risikomindernde Maßnahmen handeln könne, da Pädophilie nicht behandelbar sei. Inzwischen aber, so äußerte sich der 49-Jährige, sei er sich seiner Pädophilie bewusst und bereit, eine Therapie zu machen. Staatsanwältin Nina Wittig beantragte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und die Anordnung der Sicherungsverwahrung, da er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Seine im Prozess an den Tag gelegte angebliche Einsicht sei reine Taktik, wenige Tage vor dem Prozess habe er sich in Briefen noch als „Opfer der Justiz“ bezeichnet. Pflichtverteidiger Thomas Krimmel hielt eine Freiheitsstrafe von nicht über sechs Jahren für angemessen und hielt die Anordnung der Sicherungsverwahrung „höchstens unter Vorbehalt“ für angezeigt. Sein Mandant sei schließlich bereit, sich therapieren zu lassen. Die Kammer verhängte für insgesamt 16 Missbrauchsfälle, davon 13 des „schweren sexuellen Missbrauchs“, für Körperverletzungen und das Verschaffen von kinderpornografischen Schriften eine Gesamtstrafe von sechs Jahren. Für eine Sicherungsverwahrung lägen zwar die formellen Voraussetzungen vor, ein „Hang“ zu pädophilen Straftaten könne dem 49-Jährigen aber nicht mit letzter Sicherheit nachgewiesen werden. Auch die Frage der Verhältnismäßigkeit habe sich gestellt und da habe die Sachverständige einer Therapie, wie in den Vollzugsanstalten angeboten, Erfolgschancen eingeräumt.

ötl

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