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Tauschten sich gegenseitig aus: (v. l.) Weihbischof Bernhard Haßlberger, Dekan Jochen Hauer, Gina Atzeni (Soziologin) und Professor Heinz Schilling.

„WEiter-sehen“ im Kardinal-Döpfner-Haus

Ökumenische Debatte: Luthers Impulse für die Kirche von heute

Freising -Martin Luther ist als „Mann seiner Zeit“ im Kardinal-Döpfner-Haus beleuchtet worden. Der Historiker Heinz Schilling gab damit den Auftakt zur Impulsreihe „Weiter-Sehen“ der Erzdiözese im Rahmen des Jubiläums 2017. Diskussionsbedarf war vorhanden.

Die vielfältigen religiösen Bewegungen der damaligen Zeit muss man im Blick haben, wenn man sich mit Luther beschäftig: Das stellte Heinz Schilling gleich zu Beginn seines Vortrags heraus. Das magische Weltbild sei in allen Gesellschaftsschichten verankert gewesen, Ängste und Aberglaube hätten das Leben bestimmt. Die Menschen waren auf der Suche nach verlässlichen Werten: „Ähnlich, wie wir das heute auch erleben“, bekräftigte Schilling. So seien die Ideen Martin Luthers, der seine 95 Thesen 1517 an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte, auf fruchtbaren Boden gefallen.

Die Botschaft des Mönches und Theologieprofessors für die Neuzeit sei für ihn eine existenziell verstandenen Religion, betonte Schilling. Mit der Reformation sei „das Christentum der Welt auf den Leib gerückt“, zitierte er den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer. Entwicklungsimpulse für die gesamte europäische Zivilisation hätten sich in Folge der Reformation ergeben.

Das Ringen um die Religion und ihre Rolle in der Welt sei immer noch ein hochaktuelles Thema, leitete der Moderator des Abends, Florian Schupp zur nachfolgenden Diskussion über, in der sich Weihbischof Bernhard Haßlberger, Dekan Jochen Hauer und die Soziologin Gina Atzeni austauschten. Wie sich eben diese Rolle der Religion verändert habe, wollte Schupp von Weihbischof Bernhard Haßlberger wissen. Dieser hatte den Eindruck, die christlichen Kirchen hätten in der Vergangenheit „mehr existentielle Fragen“ aufgreifen müssen. „Die spirituelle Tiefenbohrung hat gefehlt“, sagte Haßlberger. Eine „große Suche“ der jungen Leute nach „Gott, Halt und Glauben“ sei besonders beim Weltjugendtag der Kirchen spürbar. Existentielle Fragen könnten in der Bibel beantwortet werden. „Bibelarbeit ist ein Schlüssel“, formulierte es Haßlberger.

Dass es „höchste Zeit“ sei, den biblischen Auftrag für die Freiheit Andersgläubiger einzutreten, das stellte Dekan Jochen Hauer heraus. Auch auf die anwachsende Zahl der „Nicht-Gläubigen“ müsse man reagieren. Es gebe nämlich nirgends so wenige Christen wie in Luthers Heimat. In Wittenberg in Sachsen-Anhalt würden nur 17 Prozent Christen leben.

Ihre soziologische Sicht auf die Religion brachte Gina Atzeni vom Institut für Soziologie von der LMU München ein. Sie lenkte den Blick auf den Wandlungsprozess in der Gesellschaft, die sich zunehmend der islamische Glaubenslehre gegenübergestellt sehe.

Maria Martin

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