Über 100 Sänger trugen ihren Teil zu dem Meisterwerk im Bürgerhaus bei. Foto: Wilms

"Orpheus" begeistert im Bürgerhaus

Eching - Ein großartiges musikalisches Gemeinschaftswerk unter Leitung von Marita Bernt glückte rund 100 Sängern und Instrumentalisten mit Ouvertüre, Arien und Chor aus Christoph Willibald Glucks Oper „Orpheus“. Das Publikum im voll besetzten Bürgerhaus war restlos begeistert.

Die niveauvolle Inszenierung lebte vom gekonnten Zusammenspiel ambitionierter Laien und professionellen Musikern, darunter viele Musikschullehrer im Orchester. Besonders beeindruckend: Der überwiegende Teil der Mitwirkenden, im Chor Cantus Eho, dem Jugendchor und dem Kammerorchester der Musikschule, besteht aus einheimischen Kräften.

Als Solisten konnten neben Musikschulleiterin Katrin Masius (Euridice - Sopran) als Gäste Stefan Görgner (Orpheus - Alt) und Manuela Dill (Amor - Sopran) gefallen.

Rund ein Jahr lang haben die Chöre für diesen einen Auftritt geprobt. Dass sich der Aufwand gelohnt hat, war nicht nur am Applaus abzulesen, sondern auch an der Freude der Mitwirkenden. Bereichert wurde die Echinger Inszenierung durch die literarische Begleitung der Autorin Ursula Haas. Sie fasste inhaltlich den griechischen Mythos über den begnadeten thrakischen Sängers und Lyra-Spielers Orpheus zusammen, der seine jung verstorbenen Gattin Eurydice aus der Unterwelt wieder in die Welt der Lebenden holen will.

Ebenfalls sehr aufschlussreich gestaltete sie einige sicher weitestgehend unbekannte Details über die Entstehungsgeschichte der Oper und ihre verschiedenen Fassungen. Den Premieren in Wien 1762 und Paris 1774 ist beispielsweise gemeinsam, dass das tragische Ende aus der Antike zu einem „Happy End“ abgewandelt wird, bei der die Liebe über den Tod triumphiert. Anspruchsvoll waren ihre Zitate verschiedener Dichter und Lyriker von William Shakespeare über Rainer Maria Rilke bis zu Ingeborg Bachmann, die aufzeigen, dass die „Liebe über den Tod hinaus“ auch immer wieder nicht nur musikalisch, sondern zu allen Zeiten auch literarisch verarbeitet wurde.

Man vermag es gar nicht zu glauben, dass Glucks gefühlvoll-dramatischen Melodien, in denen die Macht der Liebe und der Musik besungen werden, bereits rund 250 Jahre alt sind. Die eingängige Komposition berührt und geht mit ihren bewegenden Tönen noch heute unter die Haut - beispielsweise mit der weltberühmten Klage des Orpheus „Ach ich habe sie verloren”.

Tragendes Element ist der ausdrucksstarke Chorgesang, von Marita Bernt einfühlsam angeleitet und vom Orchesters eindringlich begleitet. Besonders in Erinnerung bleibt da der Chor der Furien mit seinem kategorischen „Nein“ im „Zwiegespräch“ mit Orpheus, der um Erbarmen und Einlass in das Totenreich fleht - und letzten Endes erhört wird. Doch Orpheus‘ Versuch, seine Frau aus der Unterwelt ins Leben zurückzuführen, scheitert an Eurydices Unverständnis und an seiner übermächtigen Liebe - zunächst. Denn anders als in der griechischen Sage nimmt Glucks Oper auch in der Echinger Aufführung mit der fulminanten Schlussszene „Triumph sei Amor“ ein glückliches Ende.

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