Eine Umfahrung, zwei Teile: Alles, was westlich der Amper liegt und in seiner Trassenführung unumstritten ist (grüner Bereich), kann ganz unproblematisch den neuen Anforderungen angepasst werden. Der gelbe Bereich (östlich der Amper) wird aufgrund unterschiedlicher Vorschläge zur Linienführung viel detaillierter untersucht. Hier startet man den Planungsprozess mehr oder minder völlig neu.

Termin im Staatlichen Bauamt

Ortsumfahrung: Zurück auf Anfang

Allershausen/Kranzberg - Alles auf Anfang, alles von vorne. Die Planungen für die Ortsumfahrung von Allershausen müssen praktisch von Null an beginnen. Das ist das Ergebnis einer Besprechung der Bürgermeister von Allershausen und Kranzberg im Staatlichen Bauamt.

Bis zum Jahr 2011 war die Ortsumfahrung von Allershausen im Ausbauplan für die Staatsstraßen noch in der 1. Dringlichkeit. Doch bei der Neuauflage des Ausbauplans rutschte das Projekt plötzlich in die 2. Dringlichkeit zurück, die Planungen wurden eingestellt. Groß war der Ärger in Allershausen, das Unverständnis war noch größer. Jetzt hat sich, wie berichtet, durch den Wegfall eines Projekts in ähnlicher Größenordnung die Chance ergeben, doch wieder zum Zuge zu kommen. Doch die Hoffnung, dass man schnell zu einer Umfahrung kommt – möglichst zeitnah zur Eröffnung der Westtangente in Freising – hat sich gestern bei einer Besprechung im Staatlichen Bauamt zerschlagen. Denn die Botschaft, die Bauoberrat Alex Eder für die beiden Ampertalbürgermeister bereit hielt, war eindeutig: Die Planungen, wie sie bis zum Jahr 2011 gediehen seine, müsse man praktisch einstampfen. Wegen völlig neuer Ramenrichtlinien müsse man fast bei Null beginnen.

Vier Trassen und ein FFH-Gebiet

Vier Trassen hatte es bis zum Jahr 2011 gegeben, die sogenannte Waldrandtrasse war als aussichtsreichste für den Ausbauplan angemeldet worden. Diese Linie, so betonte Eder, sei auch diejenige, die den zwingenden rechtlichen Vorgaben des Naturschutzes entspreche. Denn die anderen, weiter nördlich verlaufenden Trassen, wie sie Kranzberg befürwortet, würden ein FFH-Gebiet schneiden beziehungsweise hätten starke Auswirkungen auf diese Gebiete. Eine Ausnahmeprüfung komme in diesem Fall nicht in Frage, weil es mit der Waldrandtrasse ja eine „zumutbare Variante“ gebe, erläuterte Eder im Gespräch mit dem Freisinger Tagblatt.

Die Unterlagen sind kaum zu verwenden

Doch das alles ist eh mehr oder minder hinfällig. Grund: Inzwischen wurde für Bayern die Kompensationsverordnung eingeführt, die eine ganz andere Bewertung der von solchen Maßnahmen betroffenen Flächen erfordert. Im Klartext: „Die bisherigen naturschutzfachlichen Unterlagen und Untersuchungen sind daher kaum mehr zu verwenden und müssen völlig neu erarbeitet werden.“ Die Folge laut Eder: „Wir müssen einen gewaltigen Schritt zurückgehen.“

Im Osten kommt alles auf den Prüfstand

Und wenn das schon so sei, dann wolle man die Gelegenheit nutzen, um auch den im Bezug auf die Trassenführung umstrittenen Umfahrungsabschnitt östlich der Amper ganz neu zu betrachten. Sprich: Mittels einer neuen Umweltverträglichkeitsstudie wird das Thema der Linienführung völlig neu aufgerollt. Eder rechnet zwar damit, dass im Endeffekt keine andere Trasse als die jetzige Waldrandtrasse herauskommen dürfte, weil sich die Gegebenheiten vor Ort wohl nicht gravierend geändert hätten. Dennoch: Wenn man eh schon von vorne beginnen müsse, dann auch richtig. Zusätzlichen Zeitverlust zu den notwendigen Anpassungen der technischen Planung bedeute dieses Vorgehen nicht.

Nicht ganz so aufwändig ist das Verfahren für den Abschnitt der Umfahrung, der westlich der Amper liegt. Hier sei die Linienführung ja nicht umstritten, hier könnten die durch neue Regelungen veranlassten Änderungen sofort vorgenommen werden.

Es werden noch viele Jahre ins Land ziehen

Wenn man weiß, dass die jetzt anstehende Umweltverträglichkeitsstudie ein Jahr Zeit in Anspruch nimmt (eine ganze Vegetationsperiode muss abgewartet werden), wenn man weiß, dass dem dann eine Voruntersuchung, dann ein Vorentwurf, schließlich die Genehmigungsplanung und schlussendlich die Ausführungsplanung folgen, dann kann man sich leicht vorstellen, dass bis zum Spatenstich und dann zur Fertigstellung noch einige Jahre ins Land ziehen werden. Dennoch, so Eder: Er habe den Eindruck gehabt, dass die Bürgermeister beim Gespräch dieses Vorgehen des Staatlichen Bauamtes nachvollziehen konnten.

„Ich hab nichts anderes erwartet“: Denn, so Allershausens Bürgermeister Rupert Popp, die Voruntersuchungen seien zum Teil schon älter als zehn Jahre und hätten im Laufe der Zeit ihre Aussagekraft verloren. „Natürlich muss alles erneuert werden.“ Laut Popps Prognosen könnten die Bauarbeiten – wenn alles glatt laufe – frühestens in fünf, sechs Jahren beginnen. „Aber ich rechne damit, dass das Mammutprojekt von irgendeiner Seite beklagt wird.“ Schon vor Jahren hätten „meine eigenen Leute, also Allershausener Gemeindebürger“ angekündigt, gerichtlich dagegen vorzugehen. „Bis all das über die Bühne gegangen ist, vergehen Jahre.“

Nicht ganz glücklich über „Betonriegel“

Allershausens Rathauschef weiß um die Dringlichkeit dieses Projektes, schließlich kann er jeden Tag den drohenden Verkehrskollaps in Allershausen vor der eigenen Rathaustür mitverfolgen. Dennoch ist ihm nicht ganz wohl bei der Sache: Eine Brücke über die Autobahn in sechs Metern Höhe, ein Betonriegel quer durchs Ampertal – „darüber bin ich natürlich nicht glücklich“. Doch eine Alternative gibt es nicht – „leider. – Ohne Umfahrung wird Allershausen im Verkehr ersticken, das wissen wir seit Jahren.“ Jetzt hoffen Rupert Popp und sein Kranzberger Kollege Hermann Hammerl, dass sich durch die neuen Untersuchungen eine Trassenführung ergibt, mit der beide Gemeinden leben können. Bislang konnte man sich auf keine Variante einigen. „Mit einer Trasse, die beide Gemeinden befürworten, würde sich die Gefahr von Klagen vielleicht minimieren“, hofft Popp. Und bei so einem Projekt wäre es schon wünschenswert, dass die Gemeinderäte beider Gemeinden damit einverstanden sind.

Hammerl indes hofft auch, dass sich bei den neuen Planungen auch Verbesserungen für den Bereich der Staatsstraße 2084 zwischen Göttschlag und Freising auftun. „Auch der Bereich muss entlastet werden“, findet Hammerl. Kranzbergs Rathauschef beschreibt das Gespräch mit dem Staatlichen Bauamt als sehr positiv, sehr konstruktiv und ergebnisoffen.

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