Papst Benedikt XIV: Skurrile Blüten eines Personenkults

Freising - Was hat Papst Benedikt XVI. mit Blumen gemeinsam? Beide strahlen Freude aus. Das jedenfalls meinte eine Metzgerei in Marktl am Inn und würzte die „Ratzinger-Bratwürste“ mit Blumen. Den Papstkult dokumentiert jetzt der Film "Wir sind Papst", der in Freising Vorpremiere feierte.

Der Dokumentarfilm von Regisseur Mickel Rentsch startete vergangenen Freitag in Freising mit einer Preview, im Freisinger Kino „Cherie“, bei welcher Rentsch persönlich anwesend war. Der Film spannt einen Bogen vom Bekanntwerden der Wahl Kardinal Ratzingers zum Papst bis zum Papstbesuch in Marktl 2006.

Nur selten greift Rentsch zum Untertitel, jedes gesprochene Wort im Film ist Originalton – was natürlich gewisse Baierisch Kenntnisse voraussetzt. Rentsch, der selbst Protestant ist, kam zu dem Thema „wie die Jungfrau zum Kinde“ wie er sagte. Als Kardinal Joseph Ratzinger im April 2005 zum Papst gewählt wurde, fuhr Rentsch spontan nach Marktl am Inn – dem Geburtsort des Papstes. Er wollte eigentlich nur den Kopf von seiner Arbeit freibekommen – und kam zu einer neuen Filmidee: Nach diesem ersten Spontanbesuch kam er noch einige Male: „Das hat mich so angezogen, dass ich mit der Kamera immer wieder gekommen bin.“

Zum Teil alleine, zum Teil mit einem Freund drehte er vor Ort, interviewte Verantwortliche der Stadt oder Ladenbesitzer, welche die Papst-Devotionalien mehr oder auch weniger überzeugt an die touristischen Pilgerströme verkauften.

Offensichtlich wird das gespaltene Verhältnis der Marktler zu den Touristen: Sie verkaufen ihnen Papstbier oder Ratzinger-Schnitten – beklagen aber auch das unmögliche Verhalten mancher Pilger. Obwohl er nach eigener Auskunft nie Termine vereinbarte, sondern immer einfach spontan erschien, fing Rentsch zahlreiche Details ein, die dieses Langzeitporträt eines kleinen Ortes einerseits so kurzweilig und amüsant, andererseits aber auch so tiefgründig machen. Dass er dennoch oft zur rechten Zeit am rechten Ort war erklärt Rentsch ganz einfach: „Ich bin ein sehr schicksalsgläubiger Mensch“.

Mittlerweile habe die Euphorie stark abgenommen erzählt Rentsch. Bezüglich der Werbung zu seinem Film seien „die Offiziellen etwas verunsichert“. Man habe wohl Bedenken, dass dadurch wieder etwas losgetreten werden könnte.

Ein Interview mit Regisseur Mickel Rentsch lesen Sie in der Ausgabe des Freisinger Tagblatts am Dienstag, 12. Mai.

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