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Sie wissen, wie’s geht: Nach 20Jahren Bühnenerfahrung wissen die Akteure, was die Zuschauer sehen wollen.

20. Starkbierfest

Der TSV macht Theater – und ganz Paunzhausen schaut zu

Paunzhausen - Aus einem traurigen Anlass heraus geboren ist das Starkbierfest in Paunzhausen nach 20 Jahren die Veranstaltung schlechthin in der Gemeinde. Drei Mal spielt man vor vollem Haus - das ganze Dorf ist an diesem Wochenende im Starkbierfest-Modus.

Mit dem Dreiakter „Der Himme wart net“ brachte die Theatergruppe des TSV Paunzhausen die mit fast 500 Leuten besetzte Turnhalle zum Beben. Standing Ovations zeigten den Schauspielern und Organisatoren, dass ihre wochenlangen Proben dem 20. Jubiläum würdig waren.

Wie alles begann: Im Spätherbst 1995 probte eine ausgewählte Truppe des Gemeinderats, wie auch schon die Jahre davor, Sketche für den Seniorennachmittag anlässlich der Weihnachtsfeier. Doch in diesem Jahr kam alles anders. Unverhofft starb ein Mitglied dieser Truppe. Damit war klar, dass die Sketche aus Pietätsgründen nicht aufgeführt wurden. Nun hatte die Truppe aber schon alles einstudiert und dies einfach fallen zu lassen, fanden alle zu schade. Plötzlich kam einer auf die Idee, man könne ja ein Starkbierfest organisieren und die Leute dabei mit den Sketchen unterhalten. Gesagt, getan – und, weil diese Sketche beim Publikum so gut ankamen, beschloss man eine richtige Theatergruppe zu gründen und so kam es, dass im Jahr 1997 mit „Der gscheide Schuster“ das erste richtige Theaterstück zur Aufführung kam. Nach und nach wurde das Ambiente verbessert. Auch bei der Bühne ließen sich die Organisatoren jedes Mal etwas neues Raffiniertes einfallen. Zum Bühnenbau kam die Technik hinzu, Ton, Licht und Musik wurden modernisiert und ein Hochglanzflyer im DIN A4 Format informiert seit Jahren über das Stück, die Schauspieler sowie, wer hinter den Kulissen steckt. Die Bewirtung mit Starkbier und kalter wie warmer Brotzeit scheint hier allenfalls als Grundlage zu dienen, denn die Schauspieler schreiben die Theaterstücke geschickt um und lassen aktuelle Politiker sowie bekannte Paunzhausener Persönlichkeiten und Ereignisse in ihre Stücke mit einfließen. So schaffen siees, an zwei Tagen die Turnhalle, in der fast 500 Leute Platz finden, drei Mal zu füllen. Bei einer Einwohnerzahl von rund 1500 also die gesamte Bevölkerung.

„Der Himme wart net“ lautete der Titel der diesjährigen Komödie von Markus Scheble und Sebastian Kolb: Es begann mit dem Tod des Polizeibeamten Stelzl, authentisch gespielt von Christian Liebhardt. Gerade wollte er sich die Polizeihose über die lange Unterhose ziehen, als ihn der Schlag traf und er sich hoch oben im himmlischen Wartezimmer wiederfand, in dem er natürlich auch alte Bekannte traf. Die himmlische Stimme von Carina Geyer informierte ihn schließlich über seine Aufgabe, die er zu erfüllen habe, um Engel werden zu können. Binnen 24 Stunden muss er den soeben verstorbenen Schreinermeister Bömmerl – Johannes Bauer erweist sich hier wieder als Minenspielakrobat – abholen und heraufbringen, denn danach schließen die Himmelspforten bis zum Sankt Nimmerleinstag – eine turbulent-witzige Komödie beginnt. Natürlich endet alles gut, nicht nur im Stück, sondern auch für alle die zum Gelingen beitrugen. 

Es sind nämlich die vielen Kleinigkeiten, die das Publikum so stark zum Lachen bringen, dass die Schauspieler minutenlang innehalten müssen, bevor sie weiterspielen können, wenn der tote Schreiner beispielsweise mit seiner Hand durch die Materie „Tisch“ durchfährt oder wenn Poltergeister die Schubläden aufgehen lassen. Und ob Souffleuse Silke Hausner oft nachhelfen musste, bleibt wohl ihr Geheimnis. Eine Leistung, die des Jubiläums würdig ist und damit haben die Hobbyakteure die Messlatte für das kommende Jahr wohl sehr hoch gesteckt.

Birgit Schmid

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