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Seit gut einem Jahr gibt es in Paunzhausen einen Deandlverein, der sofort eingeschlagen hat. Im Dorfleben engagiert man sich ebenso wie der Burschenverein – „ein Miteinander“ sagen die Paunzhausener Damen.

Keine Gemeinnützigkeit für Männervereine?

Freising: Bedroht Minister Scholz unsere Burschenvereine?

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Bundesfinanzminister Olaf Scholz will Männer-Vereinen, die keine Frauen aufnehmen, die Gemeinnützigkeit aberkennen. Der Vorstoß wird heiß diskutiert, denn er hätte weitreichende Folgen

Landkreis – Folgen etwa für Vereine im Landkreis Freising: Die Satzung ändern und doch Frauen aufnehmen – oder die Gemeinnützigkeit verlieren? Das wäre die Alternative. „Das würde uns in jedem Fall treffen“, sagt etwa Maximilian Huber, Vorsitzender des Katholischen Burschenvereins Allershausen e.V..

16 Jahre muss man alt sein und männlich – das sind die Voraussetzungen, um beim Burschenverein Allershausen Mitglied werden zu können. Einige wenige Anfragen von jungen Damen habe es schon gegeben, räumt Huber ein. Und er könne den „Gedankengang“ von Olaf Scholz durchaus nachvollziehen. Andererseits: „Neben den vielen Burschenvereinen gibt es bei uns auch viele Mädelsvereine“. Dort engagierten sich die jungen Frauen, ebenso wie sich die Burschen in der Gemeinde einbrächten und Brauchtum pflegten. Das sei ein harmonisches Miteinander. „Die helfen uns, und wir helfen ihnen.“ Scholz mache da unnötig ein Fass auf: „Ich habe nicht das Gefühl, jemanden auszuschließen, da es Alternativen bei uns gibt.“

„Wir betreiben Brauchtumspflege“

Was aber, wenn sich Scholz’ Vorschlag durchsetzt? „Dann müssten wir das im großen Rahmen besprechen“, weiß Huber, denn bei den Burschen gebe es bei dem Thema unterschiedliche Meinungen: „Die einen hätten sicher gar keine Probleme mit Mädels im Verein. Andere aber sind der Meinung, dass der Name ,Burschenverein’ schon vorgibt, dass es nur männliche Mitglieder geben kann.“ Für Huber selbst wäre es ein harter Schlag, die Gemeinnützigkeit zu verlieren: „Wir nützen ja wirklich der Gemeinschaft, wir engagieren uns, wir gestalten das Dorfleben mit. Wir betreiben Brauchtumspflege.“

Neu und schlagkräftig: Der Paunzhausener Deandlverein

Vor gut einem Jahr gab es im Paunzhausener Dorfleben einen Neuzugang, der sofort ein absoluter Erfolg wurde: Den Deandlverein, aus der Taufe gehoben von Antonia Nadler (1. Vorsitzende) und Katharina Bachmaier (2. Vorsitzende). „Wir Mädels waren immer eine Art Anhängsel vom Burschenverein“, berichtet Katharina Bachmaier, „und wurden immer mitgenommen.“ Das sollte sich ändern. Nicht weniger als 45 junge Damen mischen jetzt beim Deandlverein mit, der gerade den zweiten Christkindlmarkt organisiert, also voll im Ortsleben angekommen ist. Die jungen Frauen machen jetzt ihr eigenes Ding – aber das sei, Schulter an Schulter mit den Burschen, „ein Geben und Nehmen“, wie Katharina Baumgartner sagt: „Beim Christkindlmarkt helfen uns die Burschen beim Aufbau der Hütten. Aber wenn es ums Bemalen der Faschingswagen geht, brauchen sie uns.“ Den Scholz-Vorschlag findet die Vize-Chefin der Deandl „ziemlich seltsam“ und „überflüssig“. Noch sind die Paunzhausener Damen kein Verein. Das sei eigentlich nicht notwendig, heißt es, und bringe nur Papierkram. Und sollte sich Scholz durchsetzen, werden die Deandl wohl auch nie ein Verein werden.

Was ist mit dem Kriegern?

Und die Kriegervereine? „Wir sind da gar nicht betroffen“, berichtet etwa Herbert Huber vom Kriegerverein Neustift: Erstens sei man kein eingetragener Verein, „zweitens sind bei uns auch Frauen mit dabei, und zwar zwei“. Beide seien im Krieg gewesen und daher selbstverständlich auch Mitglied. „Früher gab es noch viel mehr Frauen im Verein“. Huber hat ein ganz anderes Problem: Von 169 Mitgliedern im Jahr 1983 sei die Zahl auf 37 gesunken: „Fraglich, wie lange es uns überhaupt noch gibt.“

Eine „Schnapsidee“

Als „Schnapsidee“ bezeichnet Alfons Fischer den Scholz-Vorstoß. Der sei „völlig übertrieben“ und unnöttig, sagt der Vorsitzende des Langenbacher Männerchors. Man schließe die Frauen ja nicht aus, sondern feiere gerne mit ihnen. Nur Mitsingen wollte bisher noch keine Frau im Männerchor. Das, scherzt Fischer, „geht auch nur, wenn sie wirklich einen sehr guten Bass hat.“

Lesen Sie weiter: Paunzhauserinnen gründen Deandlverein – auch, um den Burschen Paroli zu bieten

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