Lernprojekt

Pflegeschüler mit Verantwortung

Freising – „Muffesausen“ hätten sie schon gehabt, erzählt Eva Gall. Sie ist Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege am Freisinger Klinikum und hat mit diesen Worten das Gefühl von 20 ihrer Schützlinge beschrieben, die derzeit in der Schulstation 3B Dienst schieben.

Das Lernprojekt, das erstmals in Freising angeboten wird (wir haben berichtet), ist laut Landrat und Klinikum-Aufsichtsratsvorsitzendem Josef Hauner auf jeden Fall „ein innovativer Weg“.

Innovativ ist es sicher, wenn auf diese Weise der so wichtige Theorie-Praxis-Transfer stattfinden kann. Aber es ist auch spannend – nicht nur für die 20 angehenden Krankenpflegeschüler, die jetzt für zwei Wochen „das Komplettprogramm“ einer Stationsorganisation übernehmen dürfen, sondern auch für die anderen Pflegekräfte und die Ärzte. Es sei „anstrengend“, erzählt die stellvertretende Stationsleiterin Tina Wohlrath, müsse man doch stets das richtige Maß zwischen gebotener Zurückhaltung und Wachsamkeit wahren. Denn man müsse sich schon zurücknehmen, berichtet Karl Heinz Kaiser, einer der Lehrer an der Berufsfachschule. Aber nur so könne man den Schülern „realitätsnahe Bedingungen“ liefern – was nicht nur die Versorgung der Patienten betrifft, sondern auch den ganz organisatorischen Aufwand einer Station wie der B3: Essensbestellungen, Medikamentenbestellungen, Dienstplaneinteilung und und und. Die Ärzte sind auch gefordert, denn wie die angehenden Krankenpfleger berichten, würden sie die Ärzte durchaus fragen und „löchern“. „Das müssen wir ja!“

Doch wie Wohlrath berichtet, gebe es bisher nur „positives Feedback“ – auch von den Patienten der Station für Allgemeine und Visceral-Chirurgie, die allesamt ihre Einwilligung gegeben haben, dass auch Krankenpflegeschüler sich um sie kümmern dürfen. „In besten Händen“ steht auf dem Plakat am Eingang zur Station B3, auf dem alle 20 Krankenpflegeschüler, die an diesem Projekt teilnehmen, abgebildet sind. Patienten können das nur bestätigen: Alles bestens, ein super Team – so die Stimmen aus den Krankenzimmern.

Und so freut sich ein Mann nach einem akuten Darmdurchbruch jetzt schon darauf, bald mit seiner Frau nach Venedig zu reisen und eine Kreuzfahrt in Angriff nehmen zu können. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt er zufrieden. Solches Lob zaubert nicht nur bei den examinierten Pflegekräften ein Lächeln ins Gesicht, sondern auch bei den Nachwuchskräften. Die Aussage einer Schülerin, am liebsten habe sie die Nachtschicht, löst bei ihren Kolleginnen hingegen leichtes Kopfschütteln aus. Sie ist offensichtlich die Ausnahme.

Ziel ist es selbstverständlich, dieses in Südbayern nur ganz seltene Angebot auch im kommenden Jahr wieder für die Examenskandidaten anzubieten, bevor die im Sommer ihre Prüfung ablegen werden. Denn auch das trage laut Klinikum-Geschäftsführer Andreas Holzner dazu bei, dass die Berufsfachschule für Krankenpflege modern und attraktiv bleibe.

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