Manfred Pointner sieht steigende Chancen für ein Startbahn-Aus

Pointner: Kerkloh wird langsam nervös

Freising - Die Schutzgemeinschaft Nord arbeitet an einer Resolution gegen die dritte Startbahn. Der neue Vorsitzende Manfred Pointner hat außerdem das MM-Interview mit FMG-Chef Michael Kerkloh interpretiert. Sein Fazit: „Der wird langsam nervös.“

Die gestrige Ausgabe des Münchner Merkur in der Hand, Argumente gegen die Startbahn und Neuigkeiten von der Schutzgemeinschaft im Gepäck - so kommt der neue Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Nord (SGN), Alt-Landrat und Ex-MdL Manfred Pointner, gestern in die FT-Redaktion. Und auch wenn Pointner zugibt, dass die Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen die Nichtzulassung einer Revision des VGH-Urteils wenig Chancen hat, sieht er optimistisch in die Zukunft - in eine Zukunft ohne dritte Bahn.

Pointner wundert sich allerdings zunächst, wo FMG-Chef Kerkloh denn eine Trendwende bei den Flugbewegungen erkenne. Seit 2008 sei die Zahl der Flugbwegungen rückläufig - auch in den ersten sieben Wochen des Jahres 2015 (minus 0,5 Prozent). Kerklohs Behauptung, mit einer dritten Bahn würde die Entwicklung anders aussehen, will Pointner nicht glauben. Beispiel: Frankfurt habe „seine“ vierte Bahn bekommen, die Flugbewegungen gingen trotzdem zurück. Pointners Eindruck: „Je weniger Flugbewegungen es gibt, umso drängender wird der Ruf nach der Startbahn.“

Vor allem, so weiß Pointner, wird die Entscheidung über den Bau der Piste eine politische sein. Und da sieht er gute Chancen. Da ist zunächst der Münchner Bürgerentscheid, an dem OB Dieter Reiter (SPD) nach eigener Aussage bis 2020 nicht rütteln wird. Bis dahin steht also das Veto des Gesellschafters München dem Startbahnbau entgegen.

Dann sei da noch die Zusicherung von Ministerpräsident Horst Seehofer, die Runway werde nur gebaut, wenn sämtliche Infrastrukturmaßnahmen zur Flughafenerschließung unumkehrbares Baurecht hätten und finanziell gesichert seien. Beim Erdinger Ringschluss, so Pointner, gebe es ja noch nicht einmal ein Raumordnungsverfahren - von einem nicht mehr anfechtbaren Planfeststellungsbeschluss ganz zu schweigen. Kombiniere man diese Zusicherung Seehofers mit der Aussage Kerklohs, in den kommenden zwei Jahren müsse die Entscheidung über den Startbahnbau fallen, „dann kann man jetzt schon entscheiden, dass sie nicht gebaut wird“. Zum dritten sei da noch die Sache mit der bayernweiten Volksbefragung: Pointner sieht „sehr gute Chancen“, dass die Startbahngegner auch da die Oberhand behalten würden. Denn in Franken mit dem schwächelnden Nürnberger Airport oder auch im Allgäu mit dem Flugplatz Memmingen könne man mit einem Ausbau des MUC nicht punkten. Und abgesehen von den Betroffenen im Aiport-Umland und in München interessiere das Thema sonst wohl kaum. Wenn nun Seehofer, Staatsregierung und CSU im Landtag eine solche Volksbefragung anstrebten, könnte das möglicherweise der „elegante Weg“ zum Ausstieg aus dem Projekt ohne Gesichtsverlust sein, spekuliert Pointner. Nichts hält er von der Idee Kerklohs, neuerlich die Münchner in einem Bürgerentscheid zu befragen: „Dafür gibt es doch keinen Anlass.“

Vor allem: Der Eindruck, den Heimatminister Markus Söder gerne erwecke, der Flughafen München würde ohne dritte Bahn „untergehen“, sei völlig falsch. Der Flughafen sei für die Zukunft gut gerüstet, habe noch rund 100 000 Flugbewegungen pro Jahr an Kapazitäten frei.

Das politische Aus für die Startbahn will Pointner vorantreiben, indem die 44 Gemeinden und drei Landkreise, die der SGN angehören, eine Resolution gegen das Projekt verfassen. Er und der Vorstand arbeiteten derzeit an einer solchen Stellungnahme. Auch wenn die finanzielle Unterstützung der Musterkläger sehr wichtig und zentral sei - „wir wollen uns stärker artikulieren“.

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