Geldstrafe

Postbote vor Gericht: Austräger beförderte Briefe in den Müll

Statt im Briefkasten der Kunden ist die Post im Altpapier gelandet. Der zuständige Briefträger (19) gab an, überfordert gewesen zu sein. Jetzt musste sich der 19-Jährige unlängst vor dem Amtsgericht Freising verantworten.

Landkreis – Klagen über viel zu groß geratene Zustellbezirke seien nicht neu. Und das 2013 eingeführte Arbeitszeitmodell, wonach ein Briefträger übers Jahr gerechnet nicht mehr als acht Stunden am Tag Post austragen soll, hatte zur Folge, dass Sendungen vielerorts liegen blieben, wusste auch der 19-jährige Angeklagte. Und: Trotz Smartphone und Social Media und obwohl die Deutschen immer weniger Briefe verschicken, steige in der Realität das Arbeitsaufkommen der Postboten. Grund seien in erster Linie die zahllosen Infosendungen und Werbezeitschriften.

Im Landkreis Freising ist der junge Briefträger an seinem Zustellbezirk verzweifelt. Das Gericht ließ er wissen, mit der täglichen Belastung in seinem Job nicht mehr fertig geworden zu sein. Dass der überforderte Briefträger die ihm anvertrauten Sendungen zumindest umweltverträglich entsorgte, stimmte das Gericht nicht milde. Bei allem Verständnis, das den Vorsitzenden Jugendrichter angesichts der häufigen Berichte über die Thematik durchaus berührt haben mag, konnte Richter Boris Schätz nicht umhin, an die Kunden der Post zu denken. 

Auch wenn 90 Prozent der täglichen Sendungen tatsächlich irgendwann im Altpapier landen, die verbleibenden zehn Prozent mögen von erheblichem, ja, von persönlichem Wert gewesen sein: Ein nettes Wort, vom Enkel an die Großmutter gerichtet, das nun niemals seinen Adressaten erreicht, das niemals wahrgenommen wird. Ein Wort, das für immer verloren ist. Oder schlimmer gar: Familienmitglieder, Freunde, die sich aus den Augen verloren, sich womöglich im Streit entzweit haben. Nach zehn Jahren dann der Versuch der Versöhnung. Doch der Brief landet in der Tonne. „Ist im Altpapier geschreddert“, sagte Schätz: „Für immer und ewig verloren.“ Gegen den Angeklagten verhängte Richter Schätz eine Geldauflage in Höhe von 1000 Euro. Das Geld geht an den FC Moosburg, die Katholische Jugendfürsorge Freising und die Schwangerenberatung Donum Vitae in der Oberen Hauptstraße.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Armin Weigel

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