Prälat Michael Höck, "Vater" des Dombergs

Freising - Er war eine der eindrucksvollsten Gestalten, die den Freisinger Domberg prägten: Michael Höck. Eine Wanderaustellung auf eben jenem „mons doctus“ beleuchtet nun die schwersten Jahre des Prälaten - die Jahre im KZ Dachau.

Zum Auftakt der Schau am Donnerstag Abend war die Aula des Kardinal-Döpfner-Hauses (KDH) brechend voll. Weggefährten, Mitarbeiter und Freunde waren gekommen. Höck, so wurde deutlich, ist den Menschen - unten in der Stadt und oben auf dem Domberg - immer noch gegenwärtig.

Warum Höck, abseits jedes Jubiläums, plötzlich „aktuell“ ist, bedarf einer Erklärung. Seit zwölf Jahren treibt in Dachau Sabine Gerhardus das Projekt „Gedächtnisbuch“ voran. Verschiedene Autoren recherchieren und dokumentieren Schicksale von Dachauer KZ-Häftlingen, um sie dem Vergessen zu entreißen. 140 Biographien liegen schon als „Gedächtnisblätter“ in der Gedenkstätte Dachau auf - eines davon ist nun Michael Höck gewidmet. Die biographische Skizze stammt aus der Feder des früheren Leiters des Dom-Gymnasiums, Hans Niedermayer, der Höck einst als „Grandseigneur“ des Dombergs gewürdigt hat.

Das „Gedächtnisbuch“ aber hat sich weiterentwickelt zu einer durch ganz Europa tourenden Wanderausstellung, in der einzelne Häftlings-Schicksale exemplarisch gezeigt werden. Als nun die Vita Höck die Schau ergänzte, holte sie das Kardinal-Döpfner-Haus nach Freising.

In der Aula des Bildungszentrums fand nun so etwas wie ein Familientreffen statt, wo man sich auch schmunzelnd der markanten Priestergestalt Höcks erinnerte. „Väterlich, gütig“, sei er gewesen, sagte KDH-Direktor Rainer Boeck, „aber im Mittelpunkt stehend und die Dinge auf sich beziehend“. Legendär sei inzwischen, wie keiner an Höck vorbeigekommen sei, ohne von ihm angesprochen - und am Ärmel gepackt - zu werden. Auch Weihbischof Bernhard Haßlberger berichtete vom „großen Kommunikator“ Höck, aber auch vom „Ökumeniker“. Und von einem, der im tiefsten Herzen Seelsorger war, der den Beichtstuhl als „mein Wochenendhäuschen“ bezeichnete. Dort harrte er auch ohne viel Kundschaft aus: „Ich stelle den wartenden Gott dar“, beschied er Haßlberger, der vorgeschlagen hatte, man könne doch die Beichtzeit etwas verkürzen.

Die Jahre Höcks im KZ, seine Unbeugsamkeit, sein Mut - seine Art, versteckt und doch wirkungsvoll Kritik an den Nazis zu üben, das aber dominierte den Ausstellungsauftakt. Hier lieferte Herrmann Niemöller, Sohn des evangelischen Geistlichen und Höck-Mithäftlings Martin Niemöller, bewegende Zeitzeugen-Berichte ab. Das Publikum hörte gebannt, wie die im Lager Dachau „zusammengezogenen“ Geistlichen mit ihrem Glauben dem Terror trotzten.

„Nie Gras über die Nazi-Greuel wachsen lassen“, das ist für Hans Niedermayer seit Jahren Ansporn zu Recherchen und Publikationen. Nun ist er als Autor des Gedächtnisblattes seinem Freund und Domberg-Nachbar Michael Höck wieder ganz nahe gekommen. Vor Jahrzehnten war Niedermayer „bei ihm im Priesterseminar“. Er zweifelte, und entschied sich dann doch anders: Niedermayer wurde nicht Pfarrer, sondern Lehrer. Auf dem Domberg landete er trotzdem.

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