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Zweifel über die Gold- und Bernsteinfunde von Bernstorf  räumte Professor Rüdiger Krause jetzt aus. 

Bernstorf-Vortrag 

Professor Krause bestätigt: Funde sind echt

Kranzberg - „Querschüsse und Ärger“, dazu ein „unsäglicher“ Beitrag im Bayerischen Fernsehen – die Gold- und Bernsteinfunde von Bernstorf haben Professor Rüdiger Krause „viel Nerven“ gekostet. Doch die Funde sind echt. Eine umfangreiche wissenschaftliche Publikation und sein Vortrag am Donnerstag belegen das.

Der Saal auf dem Pantaleonsberg zu Kranzberg war extrem gut besucht. Bernstorf, genauer: die Gold- und Bernsteinfunde elektrisieren die Menschen. Zumal der seit fast 20 Jahren schwelende Streit um die Echtheit der Funde in den vergangenen zwei Jahren offen ausgebrochen und eskaliert ist. Professor Rüdiger Krause von der Uni Frankfurt, Grabungsleiter in Bernstorf, hat nun zusammen mit seinem Kollegen und „Freund“ Rupert Gebhard, dem Leiter der Archäologischen Staatssammlung, eine umfangreiche Analyse der Funde vorgelegt. Das Ergebnis fasste Krause bei seinem Vortrag in Kranzberg so zusammen: „Es gibt kein einziges stichhaltiges Argument dafür, dass es eine Fälschung ist.“ Und wenn, dann müsse es sich um einen in der Geschichte der Archäologie einzigartigen „Superfälscher“ handeln. Und: Auch der Fundort ist authentisch, so das Resultat der vielfältigen Untersuchungen der Funde durch weltweit ausgewiesene Spezialisten und Fachleute.

Beweise für die Echtheit gebe es viele. Beispiele: Die von Ernst Pernicka, einem der schärfsten Kritiker der Echtheit der Funde, als Beleg für eine Fälschung angeführte Reinheit des Goldes konnte – und dafür habe man Beispiele und Quellen – in der Antike durch das Zementationsverfahren erreicht werden. Untersuchungen der Goldfunde mit dem Rasterelektronenmikroskop zeigten eindeutig, dass das Gold nicht gewalzt, sondern wie eben in der Antike üblich, geschlagen worden sei, dass auch die Kanten nicht mit einer Schere oder einem Skalpell geschnitten worden seien. Der Eichenstab, um den ein Teil des Goldfundes gewickelt war, stamme laut C14-Analyse aus der Zeit zwischen 1339 und 1326 vor Christus. Messungen des Tschernobyl-Fallouts per Caesium 137-Belastung bewiesen, dass beide (!) Funde in 15 bis 20 Zentimeter Tiefe gelegen hätten. Die „Ummantelung“ der Goldfunde zeige Goldspuren, wie sie nach sehr langer Bodenlagerung zu erwarten seien. Analysen hätten eindeutig ergeben, dass das Material in Ritzungen der Bernsteinfunde kein moderner Bernsteinstaub (wie behauptet wurde), sondern eindeutig altes Sediment sei. Und das Wort „ti-nwa-to“ auf dem Bernsteinsiegel (wohl der Name einer mykenischen Siedlung), das laut dem Spezialisten für mykenische Schrift schlechthin, Richard Janko, entziffert worden sei, könnten nur eine Handvoll Menschen auf der Welt lesen. „Und das soll in Kranzberg oder Haimhausen gefälscht worden sein?“, fragte Krause leicht spöttisch.

Und so sind in Band 3 „Bernstorf“ noch viele andere wissenschaftliche Resultate verzeichnet, Ergebnisse chemischer, archäologischer und kunsthistorischer Analysen aufgeführt, die laut Krause nur einen Schluss zulassen: die Bernstein- und Goldfunde von Bernstorf sind echt. Viele der Ergebnisse seien praktisch unmöglich zu fälschen, zudem müsste der Fälscher dann ein Spezialist als Archäologe, Chemiker, Historiker, Handwerker, Goldschmied und und und gewesen sein. Wer nach diesen jetzt veröffentlichten Ergebnissen noch immer behaupte, es handele sich in Bernstorf um „untergejubelte Funde“, der hantiere mit „postfaktischen Wahrheiten“, so Krause. 

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