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Schulterschluss im Grünen: Zahlreiche Landwirte aus dem Landkreis Freising ziehen bereits mit beim Projekt „boden:ständig“. 

Projekt „boden:ständig“: Gebündelte Massmahmen gegen Erosion

Landwirte packen das Übel an der Wurzel

Im März 2015 startete der Landschaftspflegeverband unter Leitung von Matthias Maino in Koperation mit dem Büro Ecozept und der Landschaftsarchitektin Angelika Ruhland das Projekt „boden:ständig“. Drei Einzugsgebiete von Bächen im Hügelland sind davon erfasst: Thalhauser Graben, Hutgraben und Ambacher Bach. Jetzt wurden die ersten Ergebnisse präsentiert.

LandkreisGemeinsam mit den betroffenen Gemeinden und den Landwirten sollten die vordringlichen Problembereiche in Bezug auf Hochwasserschutz, Gewässerschutz und Bodenschutz in der Landschaft festgestellt und Verbesserungsvorschläge entwickelt werden. Diese erste Projektphase geht Ende März zu Ende. Eine Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse, die Möglichkeiten des Kulturlandschaftsprogramms 2017 und ein Ausblick auf die nächste Projektphase wurden vom boden:ständig-Team nun in allen drei Gebieten präsentiert.

Zu den Veranstaltungen im Sportheim Bergen, im Feuerwehrhaus Wolfersdorf und im Gasthaus Hörger kamen jeweils die Bewirtschafter der drei Projektgebiete – und auch die Bürgermeister. Denn die Gemeinden unterstützen das Projekt, wo immer es ihnen möglich ist.

Umwelt- ist auch Hochwasserschutz

Angelika Ruhland gab einen kurzen Überblick über die Ziele und erläuterte anhand von Bildern aus den jeweiligen Gebieten die Verbesserungsmöglichkeiten in der Landschaft. Mögliche Maßnahmen können Uferstreifen an Gewässern sein, die weiterhin als Grünland nutzbar sind, aber auch kleine Sedimentbecken, um das erodierte Bodenmaterial des Ackers vor dem Eintrag in die Gewässer abzufangen und wieder auf diesen aufzubringen. In manchen Bereichen sei die Bereitstellung von Flächen für ökologische Zwecke wünschenswert, um den begradigten und eingetieften Bächen wieder mehr Raum für eine naturnahe Entwicklung zu geben. Das wiederum käme der Verhinderung oder zumindest der Verminderung von Hochwasserereignissen zugute. Manche Flächen werden heute nicht so genutzt, wie es Boden- und Wasserverhältnisse erfordern. Nur Wenigen ist die „Loung“ noch ein Begriff. So bezeichnete man im Bayerischen die langgezogenen und meist feuchten Wiesen der Seitentälchen – sie sind häufig dem Pflug zum Opfer gefallen. Ihre Wiederherstellung als „begrünte Abflussmulde“ ist eine weitere vorgeschlagene Maßnahme.

Erste Maßnahmen werden umgesetzt

In den vergangenen beiden Jahren wurde der Kontakt zu den zahlreichen Eigentümern und Bewirtschaftern hergestellt. Beratung und Detailplanungen für die teils sehr aufgeschlossenen Landwirte und Eigentümer wurden kostenlos angeboten. An einigen Stellen laufen nun bereits Vorbereitungen zur Umsetzung von Maßnahmen, die jeweils mit den Gemeinden und den Fachbehörden für Wasserwirtschaft und Naturschutz abgestimmt wurden.

Andreas Jändl von der Firma Ecozept appellierte nochmals an die Landwirte, die Möglichkeiten zur Verminderung der Bodenerosion in der landwirtschaftlich genutzten Fläche auszuschöpfen – und damit das Übel sozusagen an der Wurzel zu packen. Zwischenfruchtanbau, Mulchsaatverfahren und Querbewirtschaftung ließen sich in die landwirtschaftliche Produktion integrieren. Damit werde nicht nur der für alle Menschen lebenswichtige Boden als Produktionsgrundlage für Nahrungsmittel erhalten, sondern auch die Wasserspeicherfähigkeit der Landschaft erhöht und die Verschlammung der Gewässer verhindert, was wiederum den kieslaichenden Fischen in Bächen und Flüssen den Lebensraum sichert.

Förderung muss beantragt werden

Erfreulich war, dass sich 2016 zahlreiche Landwirte an der angebotenen Sammelbestellung für Zwischenfruchtsaatgut beteiligten und die Erfahrungen und Ergebnisse in gemeinsamen Feldbegehungen diskutierten. Unterstützt werden die boden- und wasserschonenden Maßnahmen auch durch die Programme der Landwirtschaftsverwaltung. Der Antragszeitraum für das Kulturlandschaftsprogramm läuft noch bis 17. Februar.

Neue Perspektiven für die Landwirte

Mirjam Pöllath vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern machte klar, dass mit der ersten Projektphase boden:ständig nicht abgeschlossen sei. Vielmehr solle durch die Anordnung eines Flurneuordnungsverfahrens im Sommer 2017 die Möglichkeit der finanziellen Förderung eines ersten Maßnahmenpakets geschaffen werden. Für weitere Maßnahmen kann dieses Verfahren dann vergrößert werden. Damit eröffnen sich für die Landwirte auch neue Perspektiven für den Tausch von Flächen.

Die Flurneuordnung sei laut Pöllath eine Chance nicht nur für die Umsetzung von boden:ständig-Maßnahmen, sondern auch für eine bessere Nutzbarkeit ihrer Felder und Wiesen.  ft

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