Gericht

Prozess: Opa (77) aus dem Landkreis Freising missbraucht Stiefenkelin (5)

Er lockte mit Schokoladenkugeln. Das war die Belohnung für eine damals Fünfjährige, die ihren Stiefopa „massieren“ musste, wie sie es nannte.

Ampertal/Landshut – Der im Ampertal lebende Rentner (77) kam vor dem Landgericht Landshut für fünf Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung davon.

Der Rentner hatte von Februar 2016 bis zu seiner Festnahme im Juni 2017 im Haus seiner Stieftochter mit deren Ehemann und beiden Kindern gelebt. In dieser Zeit, so warf ihm die Staatsanwaltschaft vor, habe er sich bei Besuchen seiner Stiefenkelin in seiner Wohnung in mindestens fünf Fällen vor ihr entblößt und das Kind veranlasst, seinen Penis zu berühren und zu „massieren“. Aufgeflogen waren diese sexuellen Übergriffe, nachdem die Fünfjährige davon ihrem älteren Bruder erzählt hatte.

Angeklagter liefert Geständnis ab

Zum Prozessauftakt vor der Jugendschutzkammer informierte Richter Theo Ziegler, dass im Vorfeld bereits Verständigungsgespräche stattgefunden hätten. Dabei habe man sich einvernehmlich darauf geeinigt, dem 77-Jährigen im Falle eines umfassenden Geständnisses und einer angemessenen Schmerzensgeldzahlung im Urteil entgegenzukommen.

Über eine Erklärung seiner Verteidiger Walter Huber und Thomas Novak räumte der Rentner dann die Tatvorwürfe ohne Abstriche ein und beteuerte, dass ihm „alles außerordentlich leid“ tue. Zudem erklärte er sich bereit, der Stief-Enkelin ein Schmerzensgeld von 5000 Euro zu bezahlen. Angesichts des Geständnisses des Rentners blieb den beiden Kindern eine Aussage vor Gericht erspart, die Prozessbeteiligten informierten sich stattdessen anhand der Videoaufzeichnung der Vernehmungen der Geschwister durch die Untersuchungsrichterin.

Das Kind leidet immer noch unter Schlafproblemen

Ihr Vater (44) berichtete, dass die Tochter bei der Vernehmung völlig „durch den Wind“ gewesen sei, sie habe auch Probleme im Umgang mit Männern, zum Beispiel auch mit ihrem Lehrer in der Schule und bei Besuchen beim Kinderarzt gehabt. Außerdem habe sie nach wie vor Schlafprobleme. Insgesamt gehe es ihr aber inzwischen gut, der „Opa“ werde nicht mehr erwähnt.

Das Urteil war dann für den ursprünglich auf fünf Verhandlungstage angesetzten Prozess keine Überraschung mehr: Die Kammer verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und setzte diese für die Dauer von drei Jahren zur Bewährung aus. Zwar habe der Angeklagte das ihm entgegengebrachte Vertrauen als „Großvater-Ersatz“ in mehreren Fällen missbraucht, wie der Richter betonte. Milderungsgründe waren laut Theo Ziegler des „opferschonende Verhalten“ des Angeklagten durch dessen vollumfängliches Geständnis, die Bereitschaft, einen angemessenen Täter-Opfer-Ausgleich zu leisten und das bisher vorstrafenfreie Leben des Rentners.  

ötl

Rubriklistenbild: © dpa / Uli Deck

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