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Da geht‘s lang: Reinhold Reck zeigte den ÖDP‘lern, in seiner Bewerbungsrede auf, wo der Weg hinführen sollte. 

Aufstellungsversammlung der ÖDP in Allershausen

Raus aus der strukturellen Nichtnachhaltigkeit

Allershausen - Reinhold Reck, Jahrgang ’58 und 58 Jahre alt, hält bei der Bundestagswahl die ÖDP-Flagge hoch. Am Donnerstag wurde Reck von seinen Parteikollegen als Direktkandidat für den Wahlkreis 214 nominiert.

Seine Vorstellung werde „ein bisschen ausführlicher“ ausfallen, hatte Reinhold Reck gleich zu Beginn angekündigt. Und tatsächlich: Der 58-jährige studierte Theologe, der vor 20 Jahren nach Freising kam, der seit 2008 Mitglied der ÖDP ist und seit eineinhalb Jahren als Asylsozialberater beim Landkreis Freising beschäftigt ist, nahm sich im Nebenzimmer des Fuchswirts zu Allershausen 40 Minuten Zeit, um sich, seine und die ÖDP-Forderungen darzustellen. 17 Stimmberechtigte lauschten ihm, 16 Ja-Stimmen gab es dann bei der Wahl.

Am Anfang ein Überraschungseffekt: Reck zitierte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, ohne dessen Namen zu nennen. Als das Geheimnis gelüftet wurde, wer da gegen das ständige Wirtschaftswachstum als Konzept der Zukunft redete, waren die ÖDP-Mitglieder baff: „Der ist in der falschen Partei.“ Müller, so war man sich einig, müsste eigentlich ÖDP’ler sein. Dass die Politik der Bundesregierung trotzdem ganz anders sei als das, was Müller fordere, dafür gebe es laut Reck nur eine Erklärung, ein „Grundmuster“: „Wir wissen alles und tun fast nichts.“ Beispiel: Die Wirtschaft „ein bisschen grüner zu machen“, genüge eben nicht. Da müsse schon ein grundlegender Wandel her.

Und dann nannte Reck konkrete Ziele und Forderungen: Keine Geschäfte mit Diktatoren, keine Kompromisse bei Menschenrechten, keine Rüstungsexporte außerhalb der NATO, faire Handelsverträge. Reck war sich auch sicher, dass man Flüchtlinge nicht mit Mauern und Zäunen abhalten könne. Denn: Flüchtlinge, auch Wirtschaftsflüchtlinge, kämen ja „nicht aus Lust und Laune“.

Reck und die ÖDP sagen grundsätzlich Ja zur EU, aber zu einer EU, in dem das Parlament auch direkt gewählt werde und über entsprechende Kompetenzen verfüge.

Und dann äußerte sich Reck auch noch zur Innenpolitik: Das derzeitige Rentensystem habe keine Zukunft, man brauche eine „konsequente Energiewende“, angesichts der seit 30 Jahren immer weiter auseinander klaffenden sozialen Schere brauche man eine grundlegende Steuerreform, und solle, so Recks persönliche Meinung, auch über einen „relativen Höchstlohn“ nachdenken. Will heißen: Innerhalb einer Firma sollte das höchste Gehalt maximal um soundsoviel höher sein als das durchschnittliche Gehalt.

Weitere Forderungen von Reck und der ÖDP: 1. Einführung einer Ersatzstimme. Will heißen: Wenn die Partei, der man seine Stimme gegeben habe, nicht in den Bundestag einziehe, solle man gleich festlegen, wer denn die Stimme dann bekommen solle. 2. Volksentscheide auf Bundesebene. 3. Stärkung der Kollektivorgane.

Und über allem schwebe laut Reck die alles entscheidende Frage: „Wie kommen wir aus dieser strukturellen Nichtnachhaltigkeit heraus?“ Wer eine Antwort auf diese Frage will, so die Botschaft des Abends, soll im Wahlkreis 214 ganz offenbar Reinhold Reck und die ÖDP wählen.

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