Auf der Schwelle zwischen Leben und Tod steht die namenlose Drogenabhängige (Ana Maria Matos Mendoza). Ihre Schwester (Larissa Sammer) stellt sie vor die Wahl: Entzugsklinik oder Gefängnis. Foto: Lehmann

Rendevous mit dem Tod

Freising - Der Theaterverein "KreativeSchauspielEnsemble" feierte im Lindenkeller erfolgreiche Premiere mit Sergi Beibels Stück "Ein Augenblick vor dem Sterben".

Sollen wir uns mit dem Tod beschäftigen? Oder sollen wir das Leben feiern, ohne daran zu denken, dass es einmal enden wird? Das Drama „Ein Augenblick vor dem Sterben“ lässt uns keine Wahl. Es bewegt sich auf der Schwelle, die das Leben vom Tod trennt. Sergi Beibel (51), katalanischer Schriftsteller, Regisseur und Übersetzer erhielt für dieses Stück 1996 den spanischen Nationalpreis für Dramatische Literatur. Das „KreativeSchauspielEnsemble“ (KSE) setzte das Stück bei der Premiere im Oberhaus des Lindenkellers dank der hervorragenden Darsteller auf brutale, tragikkomische oder melodramatische Weise um. Einmal mit schlechte Ausgang, also dem Tod, einmal in spiegelbildlicher Weise mit glücklichem Ende. Trotzdem lässt es den Zuschauer, der gerade wieder durchatmen konnte, irritiert und mit einem beklemmenden Gefühl zurück.

Philipp Schreyer hat mit seiner Inszenierung wieder einmal sein Talent als Regisseur bewiesen. Seine starke Truppe bannt den Blick des Zuschauers auf die Bühne. Dabei wird sie von dem Fehlen fast jeglicher Requisiten besonders herausgefordert. Der Zuschauer hat dafür die Möglichkeit, sich ganz auf die Darsteller zu konzentrieren. Drei Stunden lang (eine Pause) reißen sie ihn hin und her: Er muss lachen, mit den Tränen kämpfen oder kann einfach nur die schauspielerische Leistung genießen.

Sollen wir uns mit dem Tod beschäftigen? Die Frage kann nach diesem Theaterabend nur mit einem eindeutigen „Ja!“ beantwortet werden.(tp)

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