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Spezielles Geschirr für Demenzpatienten stellten Ernährungswissenschaftlerin Marina Fink, Dr. Petra Michel und Franz Donauer (v.l.) vor. Der Vortrag war gut besucht, das Interesse an der Thematik war enorm. 

Vortrag in Haag

Richtig essen bei Demenz

Haag - Viele Menschen fürchten sich vor der Krankheit Demenz, denn sie kann jeden treffen. Ein Aspekt, der oft nicht beleuchtet wird: Die Ernährung bei Demenz. Bei einem Fachvortrag in Haag richteten eine Ärztin und eine Ernährungswissenschaftlerin den Fokus darauf.

Es beginnt mit dem Nachlassen des Kurzzeitgedächtnisses und der Schwierigkeit, die richtigen Worte zu finden, sagte die Haager Ärztin Dr. Petra Michel, die einzelne Stadien der Demenzerkrankung aufzeigte. Alltägliche Dinge fallen dann schwerer, die Orientierung ist gestört, und später vergessen die Kranken Namen, erkennen ihre Angehörigen nicht mehr und man weiß nicht mehr, wo man lebt. Es folge der Verlust des Zeitgefühls, und es entstehen Schwierigkeiten bei den alltäglichen Verrichtungen. Fest steht, dass die Anzahl von Demenzkranken im Rahmen der allgemeinen demographischen Entwicklung in den kommenden Jahren deutlich zunehmen wird. Vorbeugen können die Menschen durch geistige Aktivitäten, viel Bewegung sowie soziale Aktivitäten und die Förderung der Selbständigkeit. Daneben gibt es eine medikamentöse Behandlung, die das Fortschreiten verlangsamen kann. Heilbar ist Demenz nicht, sagte die Ärztin.

Eines der drängendsten Probleme in der Betreuung dieser Patienten sei das Fehlen der angemessenen Ernährung in den verschiedenen Krankheitsstadien, meinte die Ernährungswissenschaftlerin Marina Fink, die auf Einladung des Haager Seniorenreferenten Franz Donauer von Ebersberg in die Ampergemeinde gekommen war. Inzwischen sind Demenzerkrankungen die Herausforderung unserer Zeit geworden. Obwohl es keine Wunderpille gegen diese tückische Krankheit gibt, könne jeder das Erkrankungsrisiko verringern. Die steigende Lebenserwartung und die Zunahme des Anteils älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung führe laut Martina Fink zu einem erheblichen Anstieg an fortgeschrittenen Demenzkranken. Alle diese Kranken hätten ein erhebliches Ernährungsrisiko mit negativen Folgen, die nur durch eine adäquate Ernährungstherapie verhindert werden könne. „Wenn die Bewusstseinsscheinwerfer in den Arbeitsgedächtnissen, im zentralen Bewertungssystem auf ein Dämmerlicht eingestellt sind, verlieren wir das Anpassungsvermögen unserer Organe, die uns als Menschen auszeichnen“, sagte Fink. Der betroffene Mensch verliere seine Intelligenz, die Sprache und Lernfähigkeit sowie die Verwendung seiner Hände zur Handhabung von Objekten und gleichzeitig auch die Fähigkeit, Nahrung bedarfsgerecht aufzunehmen.

Die Ess- und Trinkstörungen bei Demenzkranken sei oft begleitet von einer appetitlosen Störung im Alter. Betroffen ist das Emotional-Gehirn – es fehlen der Appetit und das Hungergefühl. Wichtig sei, dass eine entstehende oder bereits manifeste Mangel- und Fehlernährung rechtzeitig erkannt werde. Der Demenzkranke entwickle im späten Krankheitsverlauf oft eine intentionale Ess- und Trink- sowie eine Schluckstörung. Wird dieses Fehlverhalten nicht rechtzeitig wahrgenommen, kann es schlimme Auswirkungen haben: Bereits kurzfristige Fehl- und Mangelernährungsepisoden gefährden den betagten Demenzkranken irreversibel. Längerfristige Nahrungskarenz bringt ihm zusätzliches Leiden – der Tod Tod durch Erschöpfung. Deswegen muss der Kranke einer angemessenen Ernährungstherapie zugeführt werden, denn die Ernährung mit einer anregenden Tischgestaltung zum Ansprechen der Sinne spielt zweifellos zur Gesunderhaltung eine wichtige Rolle. Die Essenszeiten sollten aktiv gestaltet werden, wobei regelmäßige Tagesabläufe wichtig seien.

Für Demenzkranke müssen die Speisen mit Kräutern stärker gewürzt werden, damit sie das Essen im Mund besser spüren. Wichtig seien farbige Getränke, weil Wasser nicht mehr erkannt werde. Am Ende der beiden Vorträge zeigte Martina Fink den Besuchern Spezialgeschirr für die Bedürfnisse bewegungs- und koordinationsbeeinträchtigter Menschen. Damit ein selbständiges Essen weiterhin möglich sei, wurde zum Beispiel der Tellerrand mit einer Schiebekante und speziellen Kontrastfarben entwickelt. Geschirrelemente verfügen über einen Sicherheitsfuß und Spezial-Griffe. Spezialbestecke haben ein ausgewogenes Gewicht und sind ergonomisch geformt.

Wolfram Riedel 

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