Umspülte Häuser an der Kirchdorfer Straße in Rudelzhausen, unweit des Volksfestplatzes.
+
Umspülte Häuser an der Kirchdorfer Straße in Rudelzhausen, unweit des Volksfestplatzes.

Gravierende Überschwemmungen in der Gemeinde

Nach Hochwasser: Rudelzhausens Bürgermeister appelliert an Solidarität „zum Schutz unserer Dörfer“

  • Armin Forster
    VonArmin Forster
    schließen

Eine Jahrhundertflut wie 2018 blieb Rudelzhausen erspart. Doch auch jetzt gab es viele Flutschäden zu beklagen. Der Hochwasserschutz bleibt derweil kompliziert.

Rudelzhausen – Es waren keine Albträume, die Michael Krumbucher eine unruhige Nacht bescherten. Der Bürgermeister von Rudelzhausen wachte in den frühen Stunden des Montagmorgens immer wieder auf, weil der Regen wie wild gegen sein Fenster prasselte. Gegen halb sieben, so erzählt er, habe er sich dann aufgemacht, um in seiner Gemeinde nach dem Rechten zu sehen. Und Krumbucher hatte den richtigen Riecher: Als er im Ortsteil Tegernbach sah, wie der Rußbach durch den Starkregen über der Hallertau immer weiter anschwoll, alarmierte er die örtliche Feuerwehr.

Sandkasten-Inhalt von Kindergarten in Säcke geschaufelt

Die Ehrenamtlichen postierten sich zunächst an den einzelnen Dorfbrücken, um angeschwemmtes Treibgut rasch entfernen zu können und so ein Aufstauen zu verhindern. Nicht nur das Wasser wurde an diesem Morgen immer mehr – auch die ehrenamtlichen Kräfte: Nach und nach rückten weitere Feuerwehren aus der Umgebung an, später rollten auch die blauen Lkw des Technischen Hilfswerks aus Freising durch den Ort, sie hatten tonnenweise Sandsäcke im Gepäck. Auch in Tegernbach selbst wurden diese bereits fieberhaft befüllt: „Wir haben den Sandkasten im Kindergarten ausgeräumt“, berichtet Krumbucher. „Der ist ziemlich groß und tief – und extra für solche Fälle als Sandquelle vorgesehen.“

Nahe des Volksfestplatzes in Rudelzhausen organisieren sich die Helfer für den Hochwassereinsatz.

Die Koordination des Geschehens war für den Ortschef nicht immer einfach, der Handyempfang spielte zeitweise nicht mit. Etwa gegen 8.15 Uhr erreichten Krumbucher dann die ersten Anrufe, dass sich die Lage in Enzelhausen zuspitze. „Da ist das Wasser aus Richtung Osterwaal runtergekommen.“ Der viele Regen und die seit Tagen vollgesogenen Böden, die nichts mehr aufnehmen konnten, führten schließlich dazu, dass der Pegel der Abens immer weiter anstieg – und nun auch Rudelzhausen gegen eine Flut anzukämpfen hatte. „Um halb zehn war die Volksfestwiese überschwemmt, dann ist das Wasser rasch in die Privatgrundstücke gelaufen“, erinnert sich Michael Krumbucher.

Kein Vergleich zur Jahrhundertflut von 2018

Lobt die Leistung der Einsatzkräfte und Helfer: Rudelzhausens Ortschef Michael Krumbucher.

In einem gemeinsamen Kraftakt sorgten die Feuerwehren und andere Helfer dafür, dass es in der Gemeinde Rudelzhausen bei einer überschaubaren Anzahl vollgelaufener Keller blieb. Weil der Regen am Vormittag nachließ, blieb man auch von Ausmaßen verschont, an die sich vor allem viele Tegernbacher noch mit Schrecken erinnern: 2018 hatte dort eine Jahrhundertflut weite Teile des Dorfs überschwemmt und massive Schäden angerichtet. Man sei dieses Mal mit einem blauen Auge davongekommen, meint daher auch Rudelzhausens Bürgermeister in seiner Bilanz der Ereignisse vom Montag.

Seiner Kenntnis nach seien in Tegernbach nur sehr wenige Keller unter Wasser gestanden, auch deshalb, weil ein Regenrückhaltebecken seine Funktion erfüllt habe. „In Rudelzhausen hat es einige Keller erwischt, die an der Abens liegen.“ Zu den Schäden kämen außerdem noch ausgewaschene Straßenbankette. Dass die Feuerwehren und das THW „eine super Leistung“ erbracht hätten, habe ebenfalls viel Schlimmeres verhindert.

Ein Feuerwehrmann betrachtet die Ausmaße der Flut in Tegernbach.

Aus der „Anhäufung von Extremwetterereignissen“ zieht Michael Krumbucher die Konsequenz, „dass wir schauen müssen, wie wir vor den Ortschaften Regenrückhaltebereiche schaffen“. Denn: „Wir können’s ja nicht einfach weiterleiten, das würden uns die Unterlieger nicht sonderlich danken.“ Beim Thema Hochwasserschutz will der Rathauschef deshalb weiter auf’s Tempo drücken. Im Vergleich zur Tegernbacher Flut von 2018 habe sich noch nichts baulich verändert.

Überschwemmungen auch beim Nachbarn: Dramatische Stunden in Au/Hallertau

Als am Montag der halbe Landkreis Freising mit Überflutungen zu kämpfen hatte, war vor allem der Markt Au schwer betroffen.

Immerhin: „An der Nandlstädter Straße wird demnächst ein Damm gebaut, der größere Mengen an Regen zurückhalten kann.“ Das entschärfe die Lage am Rußbach. Die Planungen seien fortgeschritten, die Grundstücksverhandlungen abgeschlossen. Als Nächstes müsse man dann den Hochwasserschutz für den Tegernbach an der Auer Straße angreifen. Woran es beim Hochwasserschutz noch hakt? „Die Behörden müssten mal ein bisschen kooperativer sein und man sollte den Leuten vor Ort ein bisschen mehr Vertrauen schenken, dass die auch was wissen“, ärgert sich Krumbucher über zähe Verfahren und zu viel Bürokratie.

Kniehoch stand das Wasser an der Bergstraße in Tegernbach.

Für einen besseren Hochwasserschutz braucht es Grundstücke

Ein weiteres Problem seien schwierige Grundstücksverhandlungen. „Man bekommt heutzutage oft keinen Grund, es scheitert meist am Geld.“ Die Eigentümer würden die benötigten Flächen nicht verkaufen, „weil keiner das Geld braucht“, sagt Krumbucher. „Der Grund selbst ist inzwischen die wichtigste Geldanlage.“ Einen Ausweg aus dem Dilemma sieht der Bürgermeister nur in einem Aufruf an die Solidarität. „Ich kann nur an die Leute appellieren: Helft uns beim Schutz unserer Dörfer!“

„Würde zu Aufruhr führen“: Klinikarzt begrüßt Corona-Krankenhausampel - warnt aber vor Gefahren

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Freising-Newsletter.

Das Landkreiswetter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare