Milde strafe für Verkehrssünder

Rücksichtslosigkeit auf vier Rädern

Hohenkammer - Nach einem Unfall auf der B13 leidet die 67-jährige Münchnerin bis heute. Eine posttraumatische Belastungsstörung, die Angst im Auto zu verbrennen, belasten die Frau. Der 25-jährige Unfallfahrer musste sich vor dem Amtsgericht verantworten.

Die Bilder, die ihr seit jenem 23. August 2015 ständig im Kopf herumspuken, wird die 67-Jährige nicht mehr los. Kurz hinter Hohenkammer kreuzt die B 13 in Richtung München die Kreisstraße FS 24. Der Unfallfahrer hatte sich den Nachmittag über mit einem Spezl an einem Badesee bei Allershausen vergnügt. Auf dem Heimweg nach Markt Indersdorf (Kreis Dachau) rast der junge Mann ungebremst in die Kreuzung. Seinem Spezl entweicht später am Unfallort vor Zeugen die Bemerkung, man habe das Hindernis B 13 stets in derselben Art und Weise rasant genommen – ohne das etwas passiert wäre.

Mit 80, eher 100 km/h rast der Angeklagte mit seinem Auto in die Kreuzung. „Plötzlich war da eine schwarze Wand vor mir“, erinnert die 67-Jährige. Als sie wieder zu sich kam, saß sie noch immer im Auto. Überall Rauch, und die Tür ließ sich nicht öffnen. Die Münchnerin erlitt schwere Verletzungen, unter anderem einen Wirbelanriss. Schlimmer wiegen jedoch noch heute die psychischen Folgen. Die 67-Jährige war als selbständige Modedesignerin tätig. Der Unfall hat sie aus der Bahn geworfen. Nachts schreckt sie hoch, von Alpträumen geplagt. Alle Kraft scheint wie fortgeblasen. Sie könne sich nicht mehr konzentrieren. „Ich habe keine Ideen mehr.“ Der 25-Jährige hatte behauptet, sich mit Schrittgeschwindigkeit in die Kreuzung vorgetastet zu haben. Sämtliche Zeugen widersprachen ihm. Obwohl die Kreuzung wegen ihrer Unfallträchtigkeit extra ausgeschildert ist, reduzierte der Angeklagte die Geschwindigkeit nicht, sagte eine 45-jährige Kranzbergerin. Die Buchhalterin war kurz zuvor vom Angeklagten überholt worden. Und sah, wie sich der Lupo der B 13 näherte. „Mir hat direkt das Herz ausgesetzt, als ich sah, dass der nicht langsamer wurde.“

Ein Polizist in Zivil auf dem Weg zur Arbeit sah gerade noch, „wie zwei Autos in den Wald flogen.“ Als er sich um den 25-Jährigen kümmern wollte, rief der ihm durchs Fenster zu: „Egal was Du machst, ruf bloß nicht die Bullen.“ Mehrere Zeugen bemerkten Alkoholgeruch am Angeklagten, der sich in der Folge überaus auffällig benommen haben soll. „Ich hatte den Eindruck, dass der abhauen wollte.“ Der Polizist bat einen weiteren Zeugen, mit ihm auf den unverletzten 25-Jährigen zu achten. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von rund einem Promille. Das Ergebnis ist nicht gerichtsverwertbar, denn vor der Blutentnahme im Krankenhaus gelang es ihm, abzutauchen.

Auch weil dem Gericht kein brauchbares Testergebnis zur Verfügung stand, wurden dem Angeklagten nur Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 3850 Euro (110 Tagessätze zu 35 Euro). Ausdrücklich erwähnte die Richterin, selten einen Fall erlebt zu haben, bei dem die Tatbestandsmerkmale „grobe Verkehrswidrigkeit“ und „Rücksichtlosigkeit“ so deutlich erfüllt seien. Der Führerschein wurde für 16 Monate eingezogen. Weil sich der Angeklagte bereits am Unfallort geweigert hatte, seinen Führerschein herauszugeben, ordnete das Gericht eine Hausdurchsuchung an – sollte der Verurteilte sich erneut sperren.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

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